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Personal dringend gesucht: Behörden konkurrieren um Bewerber

Öffentlicher Dienst schafft zusätzliche Stellen unter anderem zur Bearbeitung von Asylverfahren

(Trier) Über 10.000 zusätzliche Stellen beim Land und in den Kommunen müssen nach Angaben des rheinland-pfälzischen Beamtenbunds geschaffen werden, um die zusätzlichen Aufgaben durch die Flüchtlingshilfe zu bewältigen.

01.03.2016
Bernd Wientjes
Wer früher einen neuen Job gesucht hat, der hat wohl nicht in erster Linie bei den Behörden gesucht. Jahrelang hat der öffentliche Dienst Stellen abgebaut, vor allem um Kosten zu sparen und Schulden abzubauen. Auch in Rheinland-Pfalz regierte der Rotstift beim Personal. 2012 kündigte die damals ein Jahr regierende rot-grüne Landesregierung an, Stellen zu reduzieren, etwa bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier.

Nun sucht das Land vor allem wegen der Flüchtlingshilfe wieder händeringend Personal. So sind allein bei der ADD 17 Stellen für den Bereich Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen frei. Insgesamt seien seit vergangenem Jahr 182,75 zusätzliche Stellen in dem Bereich geschaffen worden, teilt ein ADD-Sprecher mit. Gleichzeitig sucht auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Rheinland-Pfalz, und zwar für die Außenstellen in Bingen und Diez, Entscheider, die über die Asylanträge befinden sollen, sowie Sachbearbeiter.

Während von Bewerbern für die Entscheider-Stellen Verwaltungserfahrung und Studium verlangt werden, können sich als Sachbearbeiter auch Kaufleute mit einer „verwaltungsnahen“ Ausbildung bewerben.

Es bestehe die Gefahr, „dass Abstriche bei der Qualifikation gemacht werden, um den dringenden Personalbedarf zu decken“, sagt Malte Hestermann, Landesgeschäftsführer des Beamtenbunds DBB. Er schätzt, dass in Landes- und Kommunalverwaltungen derzeit 10.500 Stellen fehlen, inklusive Polizei und Schulen. Laut der Gewerkschaft Verdi fehlen allein in den Kreisverwaltungen des Landes 1000 zusätzliche Beschäftigte. „Im kommunalen Bereich scheint es personell ziemlich zu brennen“, bestätigt auch Hestermann. Einige Abteilungen seien nur zu einem Drittel besetzt, weil Mitarbeiter wegen starker Belastung erkrankt seien und für frei werdende Stellen niemand gefunden werde, „der die drastisch angestiegenen Aufgaben übernehmen will“.

Aus einigen Kreisverwaltungen der Region ist in der Tat zu hören, dass es schwierig sei, frei werdende Stellen etwa für Sozialämter zu besetzen. Hinzu komme, so heißt es, dass andere Behörden gezielt Mitarbeiter abwerben würden. 
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