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Pünktlich zur Fastenzeit Streit um hohen Fleischkonsum der Deutschen

Umweltschützer fordern zusätzliche Abgabe für Viehzüchter – Bauernverband: „Verrückt“

(Trier) 88,3 Kilo Fleisch isst ein Deutscher jährlich. Viel zu viel, sagen Umweltschützer. Zum Auftakt der Fastenzeit fordern sie die Bundesregierung unter anderem auf, die Mehrwertsteuer für Fleisch zu erhöhen.

10.02.2016
Von Katharina de Mos

Mag der ein oder andere Karnevalsumzug in der Region auch nachgeholt werden – die fetten Tage sind vorbei. Heute, am Aschermittwoch, beginnt die Fastenzeit. So mancher erwägt, Süßigkeiten stehen zu lassen oder auf Alkohol zu verzichten. Ginge es nach Umweltschützern, sollten die Deutschen allerdings vor allem eines tun: weniger Fleisch essen. Schadeten sie mit dem übermäßigen Konsum von Schnitzeln, Steaks und Schinken doch nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch der Umwelt.

Die Naturschutzorganisation WWF fordert, die Bundesregierung müsse das Thema endlich anpacken. „Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Viehzüchter auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro“, sagt WWF-Referentin Tanja Dräger. Der Grund: Zu viel Gülle auf den Feldern verschlechtere die Wasserqualität. Zudem beschleunige der hohe Fleischkonsum den Ausstoß von Treibhausgasen: Wälder würden gerodet, um Weiden oder Sojafelder fürs Tierfutter anzulegen, und Rinder stießen viel Methan aus.

„Sind sie denn jetzt alle verrückt geworden?“, fragt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. „Als ob die Bauern etwas dafür könnten, dass die Menschen mehr Fleisch essen!“ 88,3 Kilogramm Fleisch vertilgt der Deutsche im Schnitt jährlich. Das ist das Doppelte des Weltdurchschnitts. Obwohl Vegetarisches und Veganes beliebt sind, haben die Schlachthöfe 2015 so viel Fleisch produziert wie noch nie: 8,22 Millionen Tonnen (der TV berichtete).

Die WWF-Expertin regt an, dass staatlichen Kantinen vorgeschrieben werden sollte, fleischarm zu kochen. Schon lange fordern Umweltschützer zudem die Abschaffung der ermäßigten Mehrwertsteuer für Fleischprodukte. Diese werden – wie alle Lebensmittel – nur mit sieben statt mit 19 Prozent besteuert.

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