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aus unserem Archiv vom 30. Juni 2011
Autor: Bernd WientjesOrt: Trier/StuttgartKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Spur der Schnaps-Bande führt in die Region

Um mehrere Millionen Euro dürfte der Fiskus betrogen worden sein durch eine Bande, die mindestens 82 000 Liter schwarzgebrannten Schnapses verkauft haben soll. Ein Brenner aus Trier-Saarburg soll Mitglied der Bande sein.

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Trier/Stuttgart. Sie waren schon länger im Visier der Ermittler: Seit Monaten beobachteten Zollfahnder drei Männer und eine Frau wegen des Verdachts der Hinterziehung von Branntweinsteuer. Gestern schlugen sie zu. Zollbeamte aus Baden-Württemberg und Bayern durchsuchten 20 Wohnungen und Firmen in Franken, Oberbayern, im baden-württembergischen Göppingen und im Kreis Trier-Saarburg. Dort lebt einer der vier Verdächtigen, ein 45-jähriger Schnapsbrenner. Bei ihm wurden Unterlagen und Alkohol gefunden. Er soll, so Silke Jakobi, Sprecherin des Zollfahndungsamtes Stuttgart, Teil einer Bande sein, die seit 2008 verschiedene Abnehmer, darunter Brenner, Händler und Zwischenhändler, mit mindestens 82 000 Litern schwarzgebrannten oder geschmuggelten Alkohols - was der Füllung von vier Tankwagen entspricht - beliefert haben. Auf einem Firmengelände in Unterfranken entdeckten die Fahnder in einem verrosteten Container eine Geheimbrennerei. Auch Waffen wurden bei den Durchsuchungen gefunden. Ob der Brenner aus der Region auch Schnaps am Fiskus vorbei verkauft hat, steht laut Jakobi nicht fest. Nach ersten Erkenntnissen soll er aber an der Abwicklung der Geschäfte beteiligt gewesen sein.
Den Schaden, der durch den Verkauf des Schnapses entstanden ist, bezifferte Jakobi auf über eine Million Euro, "wahrscheinlich aber deutlich mehr". Da die Bande vermutlich schon länger "im Geschäft" ist, dürfte sie mehr als die 82 000 Liter Schnaps verkauft haben und damit der Schaden bei mehreren Millionen Euro liegen. Für den Schnaps wurde nicht die fällige Branntweinsteuer von 13,03 Euro pro Liter Alkohol bezahlt. Gegen die Beschuldigten wird nun wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt.
Immer wieder geraten Schnapsbrenner ins Visier der Zollfahnder. Im vergangenen Jahr entdeckten Beamte einen Schwarzbrenner in Bernkastel-Kues, der über 18 000 Liter Alkohol gebrannt haben soll. Vor vier Jahren enttarnten Ermittler eine Geheimbrennerei in Traben-Trabach, in der über Jahre mehrere Tausend Liter Alkohol illegal hergestellt wurden. 2004 wurde der ehemalige Bürgermeister von Ensch (Trier-Saarburg) zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, weil er jahrelang pro Woche 600 Liter Schnaps in einer Geheimbrennerei in seinem Keller hergestellt hatte.

 




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