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Steuerfahnder konzentrieren sich auf Schwarzhandel in der Weinbranche - Auch Schrotthändler im Fokus

(Trier) Die regionalen Winzer und Schrotthändler geraten zunehmend in den Fokus der Steuerfahnder. Dutzende Strafverfahren wurden bereits eingeleitet - deutlich mehr könnten bald folgen.

10.02.2016
Heribert Waschbüsch
"Ich bin mir sicher, dass wir derzeit erst die Spitze des Eisbergs sehen", sagt der Chef des Finanzamtes Trier, Jürgen Kentenich, über die Ermittlungserfolge in der Weinbranche. Sechs der insgesamt 26 Fahnder konzentrieren sich derzeit nur auf dieses Aufgabenfeld und haben bereits 69 Strafverfahren eingeleitet. Die derzeit abgeschlossenen 19 Fälle haben 3,23 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern und Zinsen eingebracht.

Unter dem Schlagwort "Korkenfälle - Weinbau" laufen die Ermittlungen bei der Behörde. Man überlege sogar, für die anfallenden Akten zusätzlich Räume anzumieten, erklärt Kentenich.

Steuerfahnder hatten gezielt Weinbaubetriebe sowie Hersteller und Händler von Weinverschlüssen durchsucht. Bei den Zuliefererbetrieben hätten Winzer ihre Verschlüsse, Flaschen oder Etiketten erworben und sie auf zwei Wegen abgerechnet. Ein Teil der Ware sei mit Anschrift und über das Kundenkonto des Winzers abgerechnet worden, ein anderer Teil als anonymer Barverkauf. Doch in den Steuererklärungen und Büchern sei dann ein Teil der Barkäufe nicht mehr aufgetaucht.

Margarete Möllenkamp-Lintz, stellvertretende Vorsteherin: "Wir stehen hier erst am Anfang. Das Ganze ist ein richtiges Geschäftsmodell." Kentenich appelliert deshalb an die Winzer: "Nutzen Sie die Chance der Selbstanzeige, um straffrei auszugehen." Etwa 2500 Weinbaubetriebe gibt es laut Statistischem Landesamt im Anbaugebiet Mosel. "Ich will nicht behaupten, dass jeder Winzer Steuern hinterzogen hat. Aber es kommt sicher noch einiges auf uns zu", sagt der Finanzamtschef. In der Weinbranche sorgen die Ermittlungen des Finanzamtes für Gesprächsstoff, wie der TV aus zuverlässiger Quelle erfuhr. Öffentlich äußern möchte sich aber niemand.

Ähnlich wie beim Wein sieht das Finanzamt die Entwicklung in der Schrottbranche. 2014 hat das Amt hier 18 Millionen Euro an Mehreinnahmen durch seine Fahndungserfolge erzielt. "Aktuell sind 170 Personen im Fokus. Dabei handelt es sich um Einkäufer sowie Strohmänner beim Verkauf von Schrott und deren Hintermänner, die die Geschäfte wirklich in der Hand haben", sagt Jürgen Kentenich. Derzeit baut das Finanzamt Trier eine eigene Datenbank für die Verstrickungen in dieser Branche auf.

Das Finanzamt hat mit Steuereinnahmen von 1,65 Milliarden Euro 2015 einen Einnahmerekord erzielt.

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