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Stürmischer Karneval: Viele Züge fallen aus, gefeiert wird trotzdem - Trierer Narren suchen Nachholtermin

(Trier) Wegen des Sturmtiefs "Ruzica" ist etwa die Hälfte der regionalen Rosenmontagsumzüge abgesagt worden. Gefeiert wurde trotzdem überall. Zumindest teilweise sollen die Züge jetzt nachgeholt werden. Das findet längst nicht jeder Karnevalist lustig. Dossier zum Thema: Fastnacht2016

08.02.2016
Rolf Seydewitz
Ungeachtet orkanartiger Böen und teils heftigen Regens sind in der Region Trier etwa zwei Dutzend Rosenmontagszüge durch die Straßen gezogen. "Wir sind doch Highlander, uns kann kein Wasser von oben aufhalten", kommentierten etwa die Osburger Besenbinder die Nichtabsage ihres Zuges. Auch in Morbach, Prüm, Hillesheim oder Hermeskeil ließen sich die Narren von dem Sturmtief mit dem harmlos klingenden Namen Ruzica - Dornröschen - nicht abschrecken. Ebenso wenig in der Karnevalshochburg Köln.

In den großen rheinland-pfälzischen Städten - Mainz, Koblenz oder Trier - sagten die Verantwortlichen die Rosenmontagszüge dagegen ab. "Trotz Spaß und Humor, die Sicherheit geht vor", sagte Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Ähnlich entschieden die Karnevalisten auch in Thalfang, Traben-Trarbach, Wallersheim oder Gransdorf. Dennoch: Gefeiert wurde überall - auch dort, wo die Züge abgesagt wurden. Mancherorts wurde die nach dem Umzug geplante Party einfach um ein paar Stunden vorverlegt.

Vielerorts wird derweil schon überlegt, ob der abgesagte Rosenmontagsumzug nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann. "Wir sind um einen Ersatztermin bemüht", sagt etwa ATK-Präsident Peters. Beim Dachverband Bund Deutscher Karneval steht man der drohenden Umzugswelle im Frühjahr oder Sommer skeptisch gegenüber. Grundsätzlich gelte die Regelung, "dass außerhalb der Fastnachtszeit keine karnevalistischen Veranstaltungen stattfinden", sagt Vizepräsident Peter Krawietz.

Die durch das Sturmtief in der Region verursachten Schäden halten sich offenbar in Grenzen. In Kell am See krachte ein entwurzelter Baum auf ein Hausdach, in Trier-Pallien schleuderte der Wind einen Pavillon durch die Luft, und im Altkreis Bitburg wurden durch den starken Regen mehrere Straßen überflutet. Auch für Dienstag sind Sturmböen vorausgesagt. Ob deshalb Umzüge abgesagt werden, war am Montag noch unklar.

Aktuelle Infos zu den am Dienstag geplanten Umzügen und Veranstaltungen finden Sie hier

Liveticker zu den Umzügen in der Region

 
Meinung

Pro Absage: Hört doch auf, ihr Besserwisser!

Von Michael Schmitz

Klar, die Kölner haben über die Düsseldorfer jetzt gut lachen. Und die Narren aus vielen Dörfern und Städten der Region, die am Montag Umzüge veranstaltet haben, können jetzt auch trefflich über ihre Nachbardörfer oder die Stadt Trier spotten, wo die Züge abgesagt wurden. Aber so einfach ist das nicht. Wer hier den Besserwisser spielt, der sollte sich einmal in die Rolle der Verantwortlichen versetzen. Das sind ehrenamtliche Vereinsmitglieder, die Umzüge mit Hunderten Mitwirkenden organisieren, mit denen sie Tausende oder wie in Trier sogar Zehntausende Menschen erfreuen. Neben einer Menge Arbeit bedeutet das auch eine Menge Verantwortung - für die Sicherheit auf und zwischen den Wagen, für die Fußgruppen, für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und schließlich auch für die vielen, vielen Besucher entlang der Zugstrecken. Ist es nicht verständlich, dass man da angesichts einer möglichen Sturmgefahr lieber Vorsicht walten lässt als ein Risiko einzugehen? Würde durch den Sturm auch nur ein Teil eines Wagenaufbaus abbrechen und einen oder mehrere Mensch verletzen - die Ehrenamtlichen stünden da als die Unvernünftigen, die um des Feierns willen alle Warnungen buchstäblich in den Wind geschlagen haben. Deshalb: Wer einen Zug absagt, verdient keinen Spott, sondern Respekt.
m.schmitz@volksfreund.de


Kontra Absage: Hilfe, es könnte etwas windig sein!

Von Rolf Seydewitz

Okay, der Wind hat an Rosenmontag zwischen Eifel, Mosel, Hunsrück etwas mehr gepustet als sonst. Mancherorts konnte man deshalb auch den Schirm nicht aufmachen, wenn es regnete. Ärgerlich, aber das soll im Mittelgebirge schon mal vorkommen; auch dass eine Windböe mal etwas heftiger daherkommt als gewöhnlich.
Nur: Warum mussten wegen des bisschen Sturms und Regens gleich reihenweise Rosenmontagszüge abgesagt werden? Weil ein paar Wetterfrösche vorausgesagt hatten, dass die ein oder andere Böe auch etwas heftiger ausfallen könnte, womöglich auch Bäume umfallen oder lose Gegenstände durch die Luft wirbeln könnten? Ach nein! Wenn es regnet, kann man nass werden. Aber geht deshalb gleich die Welt unter?!
Unsere Angst vor Wetterereignissen, die leicht abweichen von der Heute-bleibt-es-trocken-warm-und schön-Norm, hat inzwischen fast schon pathogene Züge angenommen. Da müssen Meteorologen abends nur ein paar weiße Flöckchen ankündigen - schon bricht die helle Panik aus, und jeder lässt am nächsten Morgen das Auto stehen. Nichts anderes ist letztlich am ges8trigen Rosenmontag passiert. Da lobe ich mir die Karnevalsvereine und Kommunen, die sich von den düsteren Voraussagen und Prophezeiungen nicht kirre machen ließen.
r.seydewitz@volksfreund.de




 

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