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Trierer Priesterseminar schließt Tore – aber nicht ganz

Katholische Kirche hat Nachwuchsprobleme: Angehende Kleriker studieren künftig in Frankfurt – Keine Auswirkungen auf Studienangebot

(Trier) Der regionale Priesternachwuchs muss zum Theologiestudium künftig nach Frankfurt. Der Grund: Kaum jemand will noch Kleriker werden. „Das ist der Tod des Trierer Priesterseminars“, sagen Insider. Davon könne keine Rede sein, lautete dagegen die offizielle Version.

28.01.2016
Rolf Seydewitz
Die Nachricht klingt harmlos: „Bistum Trier sichert die Qualität der Priesterausbildung“, ist eine Pressemitteilung überschrieben, in der über Neuerungen in der theologischen Ausbildungsphase der angehenden Priester informiert wird. Dahinter verbirgt sich allerdings ein „richtiges Bömbchen“, wie es hinter vorgehaltener Hand im Generalvikariat heißt. „Das ist de facto die Schließung des Priesterseminars“, sagt ein langjähriger Priester, der anonym bleiben möchte. 

Das Priesterseminar werde nicht geschlossen, sagt Bischofssprecher André Uzulis auf Anfrage unserer Zeitung. Die Priesterausbildung umfasse schließlich drei Phasen – und zwei davon blieben auch in Zukunft im Trie8rer Priesterseminar angesiedelt, meint Uzulis.

Wahr ist auf jeden Fall: Die Zahl der angehenden Priesteramtskandidaten ist seit Jahren rückläufig. Derzeit sind in dem riesigen Gebäudekomplex zwischen Kaiserthermen und Jesuitenkirche gerade einmal noch sieben Seminaristen in Ausbildung. Damit sei eine Untergrenze erreicht, sagen die Verantwortlichen. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren waren 160 Seminaristen im Priesterseminar, so dass längst nicht alle in dem Gebäude untergebracht werden konnten. 

Ab dem kommenden Wintersemester sollen nun alle Trierer Kandidaten nach einer Entscheidung von Bischof Stephan Ackermann an der Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt studieren. Im dortigen Priesterseminar wird schon jetzt der Klerikernachwuchs aus sieben deutschen Bistümern ausgebildet. Weil in Sankt Georgen die Zahl der Priesteramtskandidaten „ungleich höher“ als in Trier sei, „ist dort eine gute Ausbildung sichergestellt“, heißt es in der Mitteilung des Bistums. 

Damit geht eine knapp 250-jährige Tradition zu Ende. Denn schon in den 1770er Jahren studierten die Trierer Priesteramtskandidaten vor Ort Theologie. In einer unserer Zeitung vorliegenden internen Mail spricht der Chef des Priesterseminars, Monsignore Michael Becker, denn auch von einer „gravierenden Zäsur für unser Bistum…, die uns einiges abverlangen und vielleicht auch zumuten wird“. Dennoch sehe man keine echte Alternative.

In konservativen Foren wird die Entscheidung des Trierer Bischofs überwiegend kritisiert. Mit der Aufgabe des Priesterseminars verliere der Bischof einen Teil seiner Souveränität und befördere so eine unheilige Entwicklung in Deutschland – die Zentralisierung der Kirche, schreibt etwa der ehemalige Sprecher des Bistums Limburg, Martin Wind.

Bistumssprecher André Uzulis verweist darauf, dass die erste Phase (Felixianum) und die dritte Phase der Priesterausbildung (Pastoralkurs) nach wie vor in Trier absolviert würden. Dies seien aber Kurse nicht nur für Priester, sondern auch für Pastoral- oder Gemeindereferenten, sagen diejenigen, die jetzt von einer Schließung sprechen. 

Auf das Angebot der Theologischen Fakultät in Trier mit ihren über 300 Studierenden werde die Entscheidung keinen Einfluss haben, heißt es. Der Bischof habe die Qualität und den guten Ruf der dortigen Angebote sogar noch einmal ausdrücklich gelobt. 

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