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Von teuren Ärzten und frustrierten Lehrern - Flüchtlingshilfe: Warum das Land mit zweierlei Maß misst

(Trier) Flüchtlinge müssen medizinisch betreut werden und so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen. Deshalb sucht das Land dringend Ärzte und Lehrer. Während die Mediziner aber in der Regel Honorar erhalten, sollen Lehrer ehrenamtlich arbeiten.

21.01.2016
Rainer Neubert
Auf den Leserbriefseiten ist fast täglich der Unmut von Akademikern nachzulesen. Viele Ärzte und Lehrer wollen helfen, fühlen sich missverstanden, oder können einfach nicht verstehen, warum diese beiden Berufsstände vom Land so unterschiedlich behandelt werden. Denn während Sprechstunden in rheinland-pfälzischen Erstaufnahmeeinrichtungen teilweise mit bis zu 200 Euro pro Stunde honoriert werden, erhalten die derzeit 115 pensionierten Lehrer, die sich nach einem Aufruf der Landesregierung zum Unterricht von Flüchtlingskindern bereiterklärt haben, nichts.

Der Unmut ist groß

"Im Gegensatz zu Ärzten und Beamten sowie Pensionären aus anderen Ministerien, die aufgrund der Notsituation in der Flüchtlingsbetreuung hauptamtlich eingesetzt werden, hat die Leistung dieser Lehrkräfte offensichtlich finanziell keinen Gegenwert verdient", wettert etwa Wolfgang Schwarz. Der ehemalige Leiter des für die Realschullehrerausbildung zuständigen Studienseminars in Trier verweist auf zahlreiche Junglehrer mit unsicheren beruflichen Perspektiven, die für einen professionellen Unterricht zur Verfügung stünden.

Auch auf ärztlicher Seite ist der Unmut groß. Vor allem jene Mediziner sehen sich mit Missgunst und Neid konfrontiert, die für weitaus weniger als 200 Euro pro Stunde Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen behandeln. "In der Tat bekomme ich dafür eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro die Stunde vom Land bezahlt", sagt Dr. Hans-Peter Laubenstein, der seit September in der Aufnahmeeinrichtung (Afa) Trier hilft. "Seit der Veröffentlichung des besagten Artikels im TV werde ich ständig von deutschen Mitmenschen und Patienten mit einem spöttischen Lächeln gefragt, ob ich mir eine goldene Nase verdienen wolle." Nach Abzug der Einkommensteuer bleibe am Ende aber pro behandeltem Patienten der Betrag von fünf bis sechs Euro.

Ein Sprecher der für die rheinland-pfälzischen Erstaufnahmeeinrichtungen zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier erläutert auf TV-Anfrage die unterschiedlichen Zahlen. So vergüte das Land grundsätzlich die ärztlichen Leistungen mit 100 Euro pro Stunde, so auch in Trier. Lediglich in Kusel und Ingelheim würden derzeit 200 Euro gezahlt, weil dort nicht die Ärzte persönlich, sondern ein medizinisches Versorgungszentrum oder die Kreisvereinigung der Ärzte Vertragspartner seien. Anders als in Trier werde dort die komplette Organisation, die Bereitstellung des medizinischen Geräts, ein Notruf sowie die Bestellung und Lagerung der Arzneimittel von den Vertragspartnern gewährleistet.

In den meisten Einrichtungen arbeite das Land mit den Hilfsdiensten zusammen, die diese betreiben. "Inwieweit diese Organisationen das für die Sicherstellung der ärztlichen Leistungen gezahlte Entgelt an die dort tätigen Ärzte weitergeben, liegt in deren Entscheidungsgewalt."

Aber warum werden Ärzte und Lehrer so unterschiedlich behandelt? "Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in unseren Erstaufnahmeeinrichtungen ist in ehrenamtlicher Form schlichtweg nicht verlässlich leistbar", lautet die Antwort der ADD dazu. Der direkte Vergleich mit der Unterstützung des Deutschunterrichts an allgemeinbildenden Schulen sei nicht sinnvoll. Denn auch im Bereich Sprachförderung werde in erster Linie mit hauptamtlichen Lehrkräften gearbeitet. "Die Ehrenamtler sind hier unterstützend und zusätzlich tätig", sagt eine Sprecherin der Behörde. Es gehe darum, einzelne Kinder bei Bedarf individueller zu betreuen.
Nach Aussage der ADD gibt es also sowohl bei Ärzten wie Lehrern hauptamtliche wie ehrenamtliche Kräfte. Das Gesundheitsministerium habe deshalb auch Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand aufgefordert, ehrenamtlich bei der Versorgung von Flüchtlingen zu helfen.

Wirklich rund scheint das aber noch nicht zu laufen, wie aus dem Leserbrief von Dr. Uffo Monreal und Bernd Hölscher aus der Vulkaneifel zu entnehmen ist. Auf deren Angebot der ehrenamtlichen Hilfe habe es bislang nur einen Dankesbrief des Ministeriums aus Mainz gegeben. "Kann ja sein, dass gar kein Bedarf besteht, weil die vorhandenen Strukturen des Gesundheitsdienstes ausreichend sind, oder dass das Land nur Ärzte zu teils überhöhten Honraren einstellt und auf ehrenamtliche Helfer verzichtet."

Eine Fortsetzung der Debatte auf der Leserbriefseite im Volksfreund ist abzusehen.

 

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