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Auch Männer wollen die Hälfte des Familienhimmels

Väter-Initiative fordert mehr Mitsprache in der Politik und mehr Rechte aufs Kind nach einer Trennung

(Berlin) Das Familienministerium von Manuela Schwesig (SPD) ist im Beinamen auch ein Ministerium für Frauen und Jugend - aber nicht für Männer. Mindestens in ihrer Rolle als Väter verlangen diese nun mehr Mitsprache und mehr Rechte.

01.10.2016
Werner Kolhoff
Eine neu gegründete Initiative legte am Freitag in Berlin einen Forderungskatalog für einen "Neustart in der Geschlechterpolitik" vor - und propagierte ein neues Familienmodell.
 

Mehr Rechte eingefordert


Die in der "Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter" zusammengeschlossenen Männer fordern die gesetzliche Verankerung des "Wechsel-Modells" als Möglichkeit der Kinderbetreuung nach Trennungen. Natürlich müssten die Bedingungen stimmen, etwa die Arbeitszeiten. Aber dann sollten die Mütter eine solche Regelung nicht mehr wie bisher ablehnen dürfen. Bei diesem Modell verbringen die Kinder regelmäßig wechselnd, zum Beispiel wöchentlich, die Zeit mal bei der Mutter, mal bei dem Vater. Beide Elternteile behalten so engen Kontakt zu ihnen, beide müssen sich gleichermaßen um Alltagsprobleme und Schule kümmern. Die Väter sind nicht mehr reine Wochenend-Papis. Freiwillig gibt es das schon, bei rund drei Prozent der Trennungspaare. In Skandinavien betreuen hingegen schon 37 Prozent der Trennungspaare ihre Kinder nach dem Wechsel-Modell, auch "Doppelresidenz" genannt.

Konsequenzen hätte das auch für den Kindesunterhalt. Statt der starren Düsseldorfer Tabelle, nach der jetzt der Unterhalt berechnet wird, und die davon ausgeht, dass die Kinder bei der Mutter sind, solle es laut der Initiative ein neues Modell geben, bei dem auch der Umfang der zeitlichen Betreuung berücksichtig werde. Findet sie Halbe-Halbe statt, stünde der Mutter bei gleichem Verdienst gar nichts zu und bei geringerem Einkommen weniger als heute. Kritisiert wird von der Männer-Gruppe auch das Steuerrecht und das Ehegattensplitting.
Die Gruppe betonte, dass sie nicht reine Männer-Interessen vertrete, sondern die eines modernen Familienbildes; es seien sogar Frauen bei ihr Mitglied. Wie überhaupt die Pressekonferenz ganz ohne Macho-Sprüche auskam. In der Geschlechterpolitik wurde kritisiert, dass es zwar einen Frauengesundheitsbericht gibt, aber keinen über die Situation bei den Männern. Und dass Jungen in Kitas und Schulen zu wenig männliche Lehrkräfte vorfänden.

Die Initiative hat ihre Forderungen allen Parteien geschickt, sie hofft, diese in den familienpolitischen Teilen der Wahlprogramme wieder zu finden. Darüber hinaus verlangt sie mehr politische Mitsprache und bemängelt, dass die Belange der Männer von Familienministerin Manuela Schwesig sträflich vernachlässigt würden.
Als gutes Gegenbeispiel wird die Stadt Nürnberg genannt, wo es inzwischen einen Männerbeauftragten gibt. 1000 Mitglieder vertritt die Gruppe, noch ziemlich wenig. Aber es gebe 2,4 Millionen getrennt erziehende Väter, hieß es. Das sei eine Macht. "Die Zeit der Stille ist vorbei". Das klang vor einigen Jahrzehnten bei den Frauen ganz ähnlich.

 

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