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Der Nürburgring will durchstarten

Die Erlebnisregion Nürburgring scheint nach einigen Warteschleifen doch noch auf die Zielgerade eingebogen zu sein: Der Aufsichtsrat hat das Projekt gebilligt, bereits am Donnerstag soll der Spatenstich für die 215-Millionen-Euro-Investition sein.

19.11.2007
Von unserem Redakteur Joachim Winkler Von Joachim Winkler
Mainz. Die Zeit eilt am Ring: Noch vor dem Formel 1-Rennen 2009 wollen die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH und ein Großinvestor das Projekt Erlebnisregion stemmen und 135 beziehungsweise 80 Millionen Euro einbringen. Während die Ring-Gesellschaft vor allem in überdachte Flaniermeile mit Geschäften, wetterunabhängige Freizeit-Aktivitäten für Familien, große Multifunktions-Arena und Halle investiert, wird der bislang noch unbekannte Geschäftspartner in ein Luxushotel, ein "Eifeldorf" mit Erlebnis-Gastronomie und Disco sowie ein Motorsportdorf für Urlauber in der nahen Gemeinde Drees einsteigen.

Nach dem Bau des Nürburgrings selbst und der Erweiterung um die Formel 1-Strecke ist die Erlebnisregion nach Überzeugung des Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft, Finanzminister Ingolf Deubel (SPD), der dritte Meilenstein für die Entwicklung.

Den Ring auf eine breitere wirtschaftliche Basis zu stellen und neue Perspektiven zu schaffen, ist aus seiner Sicht unumgänglich. Nur so kann demnach die Nürburgring GmbH die verlustreiche Formel 1 über das Jahr 2011 hinaus alle zwei Jahre im Wechsel mit dem badischen Hockenheimring finanzieren und damit auch die Strecke ihre Anziehungskraft behalten. Läuft alles nach Plan, sollen 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Von den bisher 500 Jobs hängen 200 direkt an der Formel 1. Laut Deubel ist nach Analysen von Wirtschaftspüfern und Baumanagement-Experten das Projekt wirtschaftlich tragfähig. Weil von den 135 Millionen Investitionen der GmbH rund 40 durch kleinere Investoren übernommen oder bereits gesicherte Vermietung abgedeckt sind, liegt laut Deubel das Risiko der Gesamtinvestition nur zu 45 Prozent bei der GmbH und damit weitgehend beim Land (zehn Prozent an der GmbH hält der Kreis Ahrweiler).

Durch das Projekt wird der Nürburgring nach seinen Worten zur landesweit zweitgrößten Wirtschaftsförderungs-Einrichtung nach dem Flughafen Hahn. Deubel räumte ein, dass der bereits existierende Bereich "Erlebniswelt" bislang noch nicht so erfolgreich laufe wie erhofft.

Am neuen Konzept wurden nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz trotz der zeitlichen Verzögerung keine Abstriche gemacht. Der Bereich Golfen und Sporteinrichtungen wird demnach vom Privatinvestor angepackt. Nach den Worten von Aufsichtsrats-Vize Landrat Jürgen Pföhler eröffnet sich die Chance, zumindest teilweise aus der einseitigen Abhängigkeit vom Motorsport herauszukommen.

Meinung

Prinzip Hoffnung

Nürburgring GmbH und Land gehen mit den Erlebnisregion-Plänen zwar Risiken ein, allerdings sind die Alternativen einer Nicht-Investition alles andere als verlockend. Der Rennbetrieb allein reicht nicht für eine wirtschaftlich stabile Basis. Jedes Formel 1-Rennen macht zehn Millionen Euro Miese - Tendenz steigend. Ohne Formel 1 verliert der Ring allerdings insgesamt merklich an Attraktivität. Seine strukturpolitische Bedeutung für die Eifel ist unbestritten. Zwischen alle diese Vorgaben steht das Land und ist gleichzeitig bei der Wirtschaftsförderung für die Region in der Pflicht. Für die Zukunft steht das Prinzip Hoffnung hinter dem Projekt. Nichts zu tun wäre aber garantiert der falsche Weg.