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Der Rutschhang muss verdübelt werden - Megaprojekt Hochmoselübergang wird noch teurer

(Ürzig) Seit Jahren warnen Geologen und Geoingenieure, dass die riesige Moselbrücke auf dem rutschgefährdeten Eifelhang nicht sicher stehen wird. Nun haben die Planer tatsächlich zusätzliche Sicherungsarbeiten beauftragt. Dossier zum Thema: Hochmoseluebergang

05.03.2016
Katharina de Mos
Wie das Gerippe eines Giganten ragen die beinfarbenen Pfeiler aus dem Moseltal heraus. Für ein Zurück ist es zu spät. 272 Millionen Euro wurden am Hochmoselübergang (Gesamtkosten: 456 Millionen Euro) bereits verbaut. Ein großer Teil der 25 Kilometer Bundesstraße ist fertig, ebenso wie viele Brücken, Wildbrücken oder Kreisel. Auch das Herzstück des Megaprojekts, das Rotterdam mit der Rhein-Main-Region verbinden soll, wächst seit Monaten unübersehbar aus dem Tal heraus: die ebenso riesige wie umstrittene Moselbrücke (bisher geplante Kosten 170 Millionen Euro). Sieben der zehn Pfeiler sind fertig. Ein achter klettert neben der Mosel Richtung Himmel. 33 der 82 Brückensegmente wurden montiert. 123 weitere Millionen Euro sind bereits vertraglich gebunden. Im Mai soll der nächste Teil des Stahlüberbaus auf die Pfeiler hinausgeschoben werden.

Kritiker haben richtig gelegen

Nun, da es für eine Abkehr von dem Vorhaben wahrlich zu spät ist, zeigt sich, dass die Kritiker wohl von Anfang richtig lagen: Entgegen aller Aussagen der Brückenplaner muss der als Rutschgebiet ausgewiesene und geologisch komplexe Eifelhang zusätzlich stabilisiert werden, um die Pfeiler zu tragen. Das Pr ojekt wird so wohl noch viel teurer als gedacht. Konkrete Zahlen nennt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) vor der Auftragsvergabe, die ab dem 14. März erfolgen soll, nicht. Doch ein Blick auf die Pläne lässt erahnen, dass es um viele Millionen Euro geht: Zur Sicherung des Hangs werden ab April sechs 40 Meter tiefe Betonschächte senkrecht in den Berg getrieben. Jeweils drei in einer Reihe. An ihrem Kopf sind sie mit einem Betonbalken verbunden. Die beiden Balken werden zusätzlich durch je 60 in etwa 50 Meter lange Stahlseile im Berg verankert. Damit das Ganze gut aussieht, sollen Weinbergsmauersteine die oberirdischen Betonteile verblenden.

Der Aachener Ingenieurgeologe Rafig Azzam schätzt die Kosten der Hangsicherung auf 50 bis 100 Millionen Euro. Hartnäckig hatte er die Planer gewarnt, dass sie gegen Bauvorschriften (Din-Norm 1054 und Eurocode 7) verstießen, weil die Standsicherheit nicht gewährleistet sei. Er nannte den Bau unverantwortlich. "Es gab so viele Leute, die darauf hingewiesen haben", sagt er voller Unverständnis über das Vorgehen beim Großprojekt. Immer wieder hatten LBM und Verkehrsministerium die Bedenken als unbegründet zurückgewiesen.

Warnende Fachleute gab es tatsächlich viele, darunter Professor Edmund Krauter, Gründer der Forschungsstelle Rutschungen an der Uni Mainz, der Mainzer Geologe Johannes Feuerbach, der Trierer Geologieprofessor Jean Frank Wagner und Harald Ehses, der nur noch kurze Zeit Leiter des Landesamts für Geologie war, nachdem er öffentlich
an der Standsicherheit des Hangs gezweifelt hatte.
Meinung
Hinters Licht geführt

Von Katharina de Mos

Aus Sicht eines Steuerzahlers ist das, was am Hochmoselübergang passiert, eine Sauerei. Jahrelang haben die Brückenbauer die Bedenken von Experten beiseite gefegt: Der Hang sei bestens erforscht, die Pfahlgründung sicher, die Standsicherheit gewährleistet, Kostensteigerungen nicht abzusehen.
Still und leise wurden nun Hangsicherungsarbeiten ausgeschrieben, die den Bau um zig Millionen teurer machen dürften. Eine Mitteilung, dass man sich geirrt habe: Fehlanzeige. Kein Wunder. Schließlich waren die Probleme bekannt - wie aus einem dem TV vorliegenden Vermerk des Wirtschaftsministeriums hervorgeht: Die Firma Arcadis hatte dem Landesamt für Geologie schon 2013 mitgeteilt, dass eine "DIN-konforme Standsicherheit der Brücke nicht erreicht wird". Der Chefgeologe wurde danach mundtot gemacht. Wollte die Politik das Projekt um jeden Preis? Mussten die Kosten dafür kleingerechnet werden? Steuerzahler haben ein Recht auf Antworten!
k.demos@volksfreund.de