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Digitale Zukunft: Die vernetzte Klinik

(Trier) Im Krankenhaus der Zukunft checkt der Patient online ein und bekommt seine Untersuchungsergebnisse aufs Handgelenk.

13.06.2017
Von Bernd Wientjes
.Wenn Patienten in Zukunft ins Krankenhaus kommen, dann können sie wie in modernen Hotels problemlos und ohne zu warten, bis sie aufgerufen werden, am Eingang an einem Online-Terminal einchecken. Oder sie können sich einen Tag vorher per Internet anmeldend, die für die Behandlung notwendigen Daten übermitteln, bekommen dann eine Bestätigung und die Nummer ihres Zimmers genannt, auf dem sie liegen werden. 

Für Sonja Schuhmacher liegt ein solches Krankenhaus der Zukunft in gar nicht so entfernter Zukunft. Schuhmacher, die Personalmanagerin und IT-Expertin des Trierer Klinikums Mutterhaus ist, hat für ihre bei einer Fachtagung des Instituts für Medizin, Recht, Anwendung, Technik (Imrat) vorgetragene Vision des vernetzten Krankenhauses einfach nur bereits bestehende Möglichkeiten aus verschiedenen Bereichen zusammengetragen. Wie etwa dem Online- oder Express-Check-In in Hotels oder auf Flughäfen. Das Krankenhaus der Zukunft, wie es sich Schuhmacher vorstellt, ist digital auf dem neuesten Stand. Patienten können sich – und das auch wieder wie bei Hotelbuchungssystemen – auf der Internetseite der Klinik anschauen, wie die Bewertungen für die angebotenen Behandlungen sind und sich dann entscheiden, in welches Krankenhaus sie gehen. 

Ein Blick auf die Internetseiten der regionalen Krankenhäuser zeigt, dass das noch Zukunftsmusik ist. Patientenbewertungen finden sich dort nicht, die muss man mühsam im Internet auf unterschiedlichen Seiten suchen. Viele Abteilungen der Kliniken bieten aber mittlerweile Terminvereinbarungen per E-Mail an. 
In Zukunft wird es, so Schuhmacher, so sein, dass der Hausarzt eine Überweisung ins Krankenhaus online aufs Smartphone des Patienten schickt. Damit „reserviert“ er seine Behandlung in der Klinik, bekommt dann alle wichtigen Termine aufs Handy. Zwei Tage vor dem Aufenthalt wird der Patient per Mail daran erinnert, darin stehen dann alle wichtigen Informationen. Auch nach seinen Essenwünschen wird er gefragt. Die wiederum kann der Patient vor dem Gang ins Krankenhaus dorthin weiterleiten. 

Wenn er dann „eingecheckt“ hat, erhält der Patient eine Art Smart-Watch, auf dem alle Untersuchungstermine und der Behandlungsplan abgespeichert sind. Vor jedem Termin wird er auf seiner mit dem Internet verbundenen Uhr daran erinnert, alle Untersuchungsergebnisse werden digital abgespeichert und sind ebenfalls jederzeit abrufbar. Diese Vernetzung, so die Personalmanagerin, ermögliche auch den Angehörigen zu Hause Informationen über den Krankenhausaufenthalt zu erhalten. Wenn etwa eine OP ansteht, könnten sie – wie bei der Sendungsverfolgung beim Paketversand – nachvollziehen, wann diese begonnen hat und wann der Patient wieder auf dem Zimmer ist. 

Kein Krankenhaus könne sich der fortschreitenden Digitalisierung entziehen, sagt Schuhmacher. In Zukunft seien alle Kliniken miteinander vernetzt. „Das kleine, unabhängige Krankenhaus mit Rundum-Service ist ein Auslaufmodell.“ Man komme an der Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht vorbei, sagt auch Rudolf Drautzburg, Für ihn ist klar, dass die Zukunft in den Krankenhäusern längst begonnen hat. Die Systeme, die für die Vernetzung notwendig seien, gebe es in anderen Bereichen schon längst. 

Imrat-Vorstand in Trier. Markus Leineweber, Hausoberer des Trierer Brüderkrankenhauses, zeigt sich nachdenklich. Entwicklungen, für die Kliniken früher ein halbes Jahrhundert gebraucht hätten, dauerten heute nur noch ein paar Jahre.