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Dorfschulen: Eltern wehren sich gegen drohendes Aus

(Karlshausen/Lieg/Mainz) Die Leitlinien des Bildungsministeriums stehen nun fest, Väter und Mütter starten eine Resolution.

24.03.2017
Florian Schlecht
Plötzlich streikt der Laptop-Akku. Einen kurzen Moment lang bleibt die Turnhallenwand im Hunsrück-Dorf Lieg schwarz, auf der zuvor noch das Schriftstück hell leuchtete, mit dem sich Elternvertreter aus der Region gegen das drohende Aus von Dorfschulen in Rheinland-Pfalz wehren wollen. Doch der kurze Schrecken verfliegt schnell, als der Computer wieder an ein Stromkabel angeschlossen ist. Es ist zwar spät am Abend - doch es gibt noch viel zu besprechen.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat in dieser Woche endgültig die Grundschulleitlinien verabschiedet, die das Schicksal von 41 Dorfschulen mit höchstens zwei Klassen infrage stellt. 14 davon gehören zur Region Trier. Die betroffenen Schulträger - in den meisten Fällen die Verbandsgemeinden - sollen nun bis Ende September Konzepte erstellen. Aus diesen soll hervorgehen, ob die Schulen in ihren Dörfern eine Zukunft haben. Argumente wie Kinderzahlen, Neubaugebiete oder zu weit entfernte Nachbarschulen könnten da helfen. Fehlt es Schulen an der Perspektive, droht ihnen das Aus zum Sommer 2018. Hubig beschwichtigt, das Prinzip der kurzen Beine und kurzen Wege werde erhalten. In den Leitlinien steht, dass die Fahrt zur Schule höchstens 30 Minuten dauern dürfe. Doch viele Eltern sind besorgt - das zeigt sich bei der Versammlung in Lieg. Wehren wollen sie sich mit einer Resolution. In einem Schreiben fordern sie die Regierung auf, die Leitlinie zu ändern. Die wichtigsten Forderungen: Eine Schule aufzuheben, soll der Zustimmung des Regionalelternbeirates und des Schulausschusses bedürfen. Die erforderliche Anzahl von Schülern pro Klasse soll von 24 auf 16 gesenkt werden. Und das Ministerium solle lieber den Bildungsetat erhöhen. Dazu gibt es eine Online-Petition, die bereits rund 8000 Unterschriften zählt. 15.000 rheinland-pfälzische Stimmen müssen bis zum 8. Mai vorliegen, damit die gemeinnützige Plattform openPetition Stellungnahmen vom Landtag einfordert. Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler fordert: "Dann müssen wir Busse chartern, Trillerpfeifen einpacken und allesamt nach Mainz fahren." Er fordert, in jedem Dorf Unterschriften zu sammeln - "vom Kleinkind bis zur Oma".

Eine Grundschule, die gefährdet ist, steht in Karlshausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm). 151 Kilometer liegt das von Lieg entfernt - doch Sabine Tossing-Thiex und Heino Schwarzenberger haben sich trotzdem ins Auto gesetzt. Ihre Kinder lernen an der Eifeler Dorfschule. "Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir davon gelesen haben", sagt Tossing-Thiex. Auf die Schule verzichten will sie auf keinen Fall. Ihr Argument ist nicht nur der Fünf-Minuten-Fußweg für die Kinder. Vor allem lobt sie das Miteinander in dem kleinen Kreis. "Die Viertklässler kümmern sich auch um die Erstklässler, der Zusammenhalt ist groß." Schwarzenberger warnt vor Folgen für die Dörfer. "Ich würde als Vater nicht nach Karlshausen ziehen, wenn die Schule weg wäre." Aufgeben will der Eifeler nicht - genauso wenig wie die anderen Eltern. Das macht er deutlich, als er die Turnhalle verlässt, in denen von Kindern gemalte Plakate mit der Aufschrift "Rettet unsere Schule" hängen. Schwarzenberger sagt entschlossen: "Wir werden für unsere Grundschule kämpfen."


Die Online-Petition zum Erhalt der Dorfschulen findet sich unter
www.openpetition.de/!zwergenschulen