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Mutterhaus übernimmt Trierer Verbundkrankenhaus - Aus drei Krankenhäusern wird eine Großklinik

Kaufvertrag nach drei Monaten Verhandlungen am Dienstag unterzeichnet

(Trier) Bis zur letzten Minute wurde das Ganze so weit wie möglich geheim gehalten. Seit gestern ist es amtlich: Das Trierer Mutterhaus übernimmt das ökumenische Verbundkrankenhaus. Der TV hat die Hintergründe zu dem Kauf.

22.12.2015
Bernd Wientjes
Trier. Sieben Stunden soll die Telefonkonferenz am vergangenen Freitag gedauert haben. Sieben Stunden, in denen die letzten Details des bis zur letzten Minute geheimgehaltenen Deals abgestimmt wurden: der Übernahme des finanziell angeschlagenen ökumenischen Verbundkrankenhauses Trier durch das Mutterhaus.

Man sieht Mutterhaus-Geschäftsführer Jörg Mehr den Stress der vergangenen Wochen an. Seit Ende September führt er die Verhandlungen mit den Trägern der Verbundklinik, der evangelischen Agaplesion-Gesellschaft und der katholischen Marienhaus GmbH. Und diese Verhandlungen dürften den ehemaligen Wirtschaftsprüfer Mehr das ein oder andere Wochenende gekostet haben.

2010 haben die beiden Gesellschaften erstmals in der Region ein katholisches Haus (Marienkrankenhaus in Ehrang) und ein evangelisches (Elisabeth-Krankenhaus in Trier) zu einer ökumenischen Klinik fusioniert. Mit wirtschaftlich mäßigem Erfolg allerdings. Von Anfang an schrieb das ÖVK rote Zahlen. 2013 betrug das Minus 5,6 Millionen Euro, im vorigen Jahr noch 1,9 Millionen.

Das geringere Minus wurde vor allem durch Personaleinsparungen (anfangs 800, derzeit rund 550 Mitarbeiter) erreicht. Und durch einen radikalen Umbau der Strukturen. Nach und nach wurde das Elisabeth-Krankenhaus zu einem ambulanten OP-Zentrum umgebaut.

Nötige Resonanz blieb aus


Nach der Schließung der Geburtshilfe im evangelischen Krankenhaus im November (zu einem Zeitpunkt, als die Verkaufsverhandlungen mit dem Mutterhaus in vollem Gange waren) verblieben dort noch als eigenständige Abteilungen die innere Medizin und die Geriatrie (Altersmedizin). Doch das Elisabeth-Krankenhaus, das bereits vor der Fusion vor der Pleite stand, fand nicht die nötige Resonanz in der Öffentlichkeit, die Patienten nahmen das neue Konzept nicht so richtig an.

Trotzdem ist ÖVK-Geschäftsführer Achim Schütz überzeugt davon, dass sein Haus 2016 endlich eine schwarze Null geschrieben hätte. Zugleich hat Schütz, der seit 2013 das ÖVK leitet, wohl den beiden Trägergesellschaften deutlich gemacht, dass es ohne Kooperation mit einer großen Klinik schwer werden dürfte für das Verbundkrankenhaus.

Angesichts der starken Wettbewerber in Trier sei es für kleinere Häuser schwierig, sich zu positionieren, sagt Markus Horneber, Vorstandschef von Agaplesion. Laut Schütz hat es wohl schon 2014 Gespräche mit dem Brüderkrankenhaus gegeben. Offenbar aber ohne Erfolg. Nach TV-Informationen stand auch im Raum, dass ein privater Gesundheitskonzern, der bereits über 100 Kliniken betreibt, die beiden Standorte des ÖVK übernehmen könnte. Damit wäre erstmals in der Region ein privater Klinik-Betreiber zum Zuge gekommen.

Bis auf das Saarburger Krankenhaus, das dem Kreis Trier-Saarburg gehört, sind alle Kliniken in der Region in kirchlicher Trägerschaft. Die meisten davon gehören der katholischen Marienhaus GmbH, die auch das Marienkrankenhaus in Ehrang betrieben hat. Um die private Konkurrenz außen vor zu halten, aber auch aus praktischen Gründen (Platzbedarf) stieg das Mutterhaus in die Verkaufsverhandlungen ein.

Begrenzte Möglichkeiten


Vor allem die Geburtsabteilung ist mit rund 1300 Geburten im Jahr an ihrer Kapazitätsgrenze. Und wegen der begrenzten Innenstadtlage ist das Mutterhaus auch in seinen Ausbaumöglichkeiten eingeschränkt. Die Aufsichtsratsvorsitzende des Mutterhauses, Schwester Elisabeth Mues, hat von Anfang an hinter den Verhandlungen und dem gestern Morgen notariell beurkundeten Verkauf gestanden: "Wir können es nicht besser, aber wir können es anders", sagt sie und spricht von einer großen Herausforderung, aber auch einer "einmaligen Chance", wenn das Mutterhaus ab 1. Januar zur größten Klinik in der Region wird. Dann endet für Schütz seine gut zweijährige Zeit als Krankenhausgeschäftsführer in Trier. Er bleibt weiter Angestellter der Agaplesion-Gesellschaft, die bundesweit 29 Krankenhäuser betreibt.

Innerhalb von knapp drei Monaten waren sich die Verhandlungspartner offensichtlich handelseinig. Mehr spricht von konstruktiven Verhandlungen. Über den Kaufpreis schweigen die Beteiligten. Nach TV-Informationen liegt er bei knapp zehn Millionen Euro. Damit wurden auch sämtliche Sach- und Grundstückswerte übernommen.
Der Wert der Grundstücke und Immobilien des ÖVK beläuft sich laut Geschäftsbericht 2014 auf knapp 16 Millionen Euro. Branchenkenner sprechen daher schon von einem Schnäppchen, zu dem das Mutterhaus die beiden Standorte erworben habe. Agaplesion-Chef Horneber nennt den Kauf eine gute Lösung.
Extra
Das evangelische Elisabethkrankenhaus in der Trierer City und das katholische Marienkrankenhaus in Trier-Ehrang fusionierten Ende 2010 zum Ökumenischen Verbundkrankenhaus (ÖVK). Träger sind die katholische Marienhaus GmbH und die evangelische Agaplesion Gesellschaft, die Hauptgesellschafter des ÖVK ist. red