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Nilgans, Waschbär, Riesenbärenklau & Co.: Die Invasion der Plagegeister

(Trier) Die EU und der Bund verlangen ein schärferes Vorgehen gegen eingewanderte Arten. In der Praxis wird das aber extrem schwierig und sehr teuer.

13.11.2017
Katharina de Mos
Schon ein Spaziergang an Mosel, Kyll oder Saar genügt, um zu sehen, dass vieles zu spät ist. Jahrelang haben sich eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten derart breitgemacht, dass es kaum möglich sein wird, sie wieder loszuwerden. Nilgänse schnattern zwischen Drüsigem Springkraut und Riesenbärenklau an den Ufern, südamerikanische Nutrias (Biberratte) paddeln durch Gewässer, die nun auch Heimat der chinesischen Wollhandkrabbe oder manch exotischer Grundel sind, während der Waschbär am Ufer Vogelnester plündert. Um die heimische Flora und Fauna zu schützen, hat die EU solchen „invasiven Arten“ den Kampf angesagt: 49 Spezies, deren weitere Ausbreitung verhindert werden soll, stehen auf der neuen Unionsliste. Seit wenigen Wochen ist auch ein neues Bundesnaturschutzgesetz in Kraft.

Demnach ist es verboten, die von der EU gelisteten Arten einzuführen, zu halten, zu züchten oder freizusetzen. Die Bundesländer entwickeln in einer Arbeitsgruppe nun Maßnahmen, um die Eindringlinge zu beseitigen oder dafür zu sorgen, dass sie sich nicht noch stärker vermehren. Rheinland-Pfalz, das sich im Bundesrat gegen die neue Verordnung ausgesprochen hatte, widmet sich der Aufgabe allerdings mit wenig Begeisterung. Ist vieles doch vergebliche Liebesmüh: „Arten, die bereits etabliert sind, können praktisch nicht mehr eingedämmt werden“, heißt es aus dem Mainzer Umweltministerium. 

Das hatte auch ein Modellprojekt im Eifelkreis Bitburg-Prüm gezeigt, der von 2008 bis 2011 versucht hatte, den Riesenbärenklau loszuwerden. Trotz einer Investition von 200.000 Euro war das Fazit ernüchternd: Eine flächendeckende Bekämpfung ist mit vertretbarem finanziellen und zeitlichen Aufwand nicht machbar. Und so widmet sich die Arbeitsgruppe auch nur 13 lästigen Arten, bei denen noch eine gewisse Aussicht auf Erfolg besteht. 
„Es muss ja auch machbar sein“, betont Sebastian Kolberg von Naturschutzbund Nabu. Die Naturschutzbehörden seien jetzt schon völlig ausgelastet. 

„Jeder Punkt des neuen Naturschutzgesetzes klingt nach viel Aufwand“, sagt auch Stefan Schaefer, Sprecher des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz. Er fordert eine Kosten-Nutzen-Analyse. 

Auch Tierschützer sehen die neuen Regeln kritisch. Könnten sie doch dazu führen, dass Zigtausende Lebewesen getötet werden. Der Tierschutz sei nicht ausreichend beachtet, findet auch das Umweltministerium.

Das Landesjagdgesetz erlaubt den Abschuss von Nilgans, Marderhund, Waschbär & Co allerdings bereits seit Jahren. Die Jagdstrecke zeigt, wie stark sich die Tiere vermehren. Im Jagdjahr 2013/14 wurden landesweit noch 380 Nilgänse erlegt. Zuletzt waren es 1391. Auch Hunderte Waschbären (423), Nutria (226) und zig Marderhunde (31) schossen rheinland-pfälzische Jäger vergangenes Jahr. 

Zahlreiche Plagegeister tauchen auf der EU-Liste bisher gar nicht auf. Weder die allergieauslösende Beifuß-Ambrosie noch die Kirschessigfliege oder die Zebramuschel will die EU aktuell bekämpfen. Das könnte sich ändern. Denn zum Unmut der rheinland-pfälzischen Landesregierung will die EU ihre Liste jährlich ohne weitere Rücksprache erweitern.

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