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SPD-Landtagsabgeordneter Steinbach: Kleine Kliniken müssen vor Ort bleiben

(Trier) Kritik an den Forderungen der Barmer-Landeschefin.

30.05.2017
Bernd Wientjes
Nico Steinbach ist wütend. "In ländlichen Regionen wie im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der flächenmäßig der größte in Rheinland-Pfalz ist, wäre eine weitere Reduzierung der Kliniken schlichtweg eine Katastrophe und nicht vorstellbar", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete aus Oberweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Er reagiert damit auf die Forderungen der Landeschefin der Krankenkasse Barmer, Dunja Kleis. Sie sprach sich dafür aus, kleinere Kliniken zu schließen, weil diese aufgrund der geringen Zahl von Patienten nicht qualifiziert seien für Spezialbehandlungen.

Eine Anfahrt zum nächsten Krankenhaus von mehr als 30 km sei nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für die Rettungsdienste nicht vertretbar, so Steinbach. Als Beispiel nennt der Abgeordnete die Klinikstandorte in Bitburg und Prüm. Beide seien für eine Grundversorgung existenziell und spielten auch als Arbeitgeber "eine große Rolle".

Auch Axel Steinke hält die Forderung von Kleis für "grundfalsch und am Bedarf einer alternden Bevölkerung vorbeigehend". Gerade in den ländlichen Regionen sei zunehmende Ausdünnung der medizinischen Versorgungsstrukturen, zu denen kleinere Krankenhäuser zählten, "auch vor dem Hintergrund eines nahezu nicht vorhandenen öffentlichen Nahverkehrs ein Riesenproblem", sagt der Hausarzt aus Veldenz (Bernkastel-Wittlich), der auch Vorsitzender der dortigen Kreisärzteschaft ist. "Für die Versorgung der Älteren brauchen wir Einrichtungen in Wohnortnähe, die den ohnehin oft sehr belasteten Angehörigen oder auch Freunden und Nachbarn unkompliziert Besuche ermöglichen, in denen die Patienten sich wohl und aufgehoben fühlen, in denen in ihrer Sprache mit ihnen gesprochen und Zuwendung zuteil wird", so der Arzt. Die Kliniken, von denen die Barmer-Landeschefin spreche, unterschieden sich davon völlig und könnten die, kleinen Kliniken vor Ort nicht ersetzen, so der Arzt.

Anders sehe es bei Krebserkrankungen oder schwerwiegenden Fällen bei jüngen Patienten aus. "Die müssen sehr spezialisiert und auf aktuellem Kenntnisstand der internationalen Wissenschaft diagnostiziert und behandelt werden." Bei Operationen sei oftmals eine bestimmte Zahl von Behandlungen im Jahr wünschenswert, "allerdings ist die handwerkliche Qualität und Erfahrung in einer großen Abteilung etwa an einer Uni-Klinik mit 1000 Eingriffen im Jahr, die von zehn bis 15 verschiedenen Operateuren erbracht werden, nicht unbedingt besser als in einem kleineren Haus, wo vielleicht 150 oder 200 Eingriffe nur vom Chefarzt und einem Oberarzt ausgeführt werden", sagt Steinke.