region/rlp

Vorsicht, Wildwechsel! Immer mehr Unfälle mit Rehen oder Wildschweinen

(Trier) Immer mehr Autos stoßen mit Rehen oder Wildschweinen zusammen. Jäger fordern finanzielle Unterstützung für blaue Warn-Reflektoren. Deren Wirkung ist jedoch umstritten.

13.10.2017
Katharina de Mos
Alle zwei Minuten kollidiert irgendwo in Deutschland ein Auto mit einem Reh, Wildschwein oder Dachs. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft haben Wildunfälle 2016 einen Höchststand erreicht: 263.000 wurden gemeldet. So viele wie noch nie.

Mehr zum Thema
„Auf keinen Fall ausweichen!“ – Was tun, wenn Tiere über die Straße laufen? 

Auf Geweih und Verderb: Hirsche in der Umgebung von Bettingen

Auch in der Region Trier ist die Zahl 2016 erneut um 99 gestiegen auf insgesamt 6662. „Der Zusammenstoß mit Wild war die häufigste Unfallursache“, sagt Uwe Konz, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier – es geht um fast 29 Prozent aller Unfälle. 52 Menschen wurden dabei leicht, zwölf schwer verletzt. Und mit der dunklen Jahreszeit wächst die Gefahr wieder.

Aber wieso kracht es so oft? Experten wie Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamts Trier und Vizepräsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, haben mehr als nur eine Erklärung parat. Ganz knapp zusammengefasst könnte man sagen: Es gibt mehr Verkehr, mehr Straßen und mehr Wild.

Nicht selten sei das Wohnzimmer der Tiere (der Wald) vom Esszimmer (Wiesen und Felder) durch Straßen getrennt. Das bedeutet Gefahr für Tier und Mensch. Bartmann betont, dass ein Aufprall mit einem 60 Kilogramm schweren Wildschwein schon bei einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern wirke wie jener mit einem 3,5 Tonnen schweren Nashorn. Was tun? „Runter vom Gas, Augen auf und in waldreichen Gegenden vorausschauend fahren“, sagt Günther Klein, Sprecher des Landesjagdverbands.

Dass die Wildbestände so stark gewachsen sind, liegt nach Auskunft der Experten auch am Wandel von Klima und Landwirtschaft: Jungtiere überleben die milden Winter besser, Bäume tragen öfter Eicheln und Bucheckern und die vielen Mais- und Rapsfelder sind für Wildschweine ein wahres Schlaraffenland, in dem sie sich sogar noch verstecken können. Zu wenig gejagt werde nicht, sagt der Trierer Forstamtsleiter. Man komme nur einfach nicht hinterher. Und so landeten im Jagdjahr 2016/2017 in Rheinland-Pfalz fast 10.000 Rehe, 1700 Wildschweine, 144 Stück Rotwild, 42 Damhirsche und 33 Mufflons unter den Rädern.

Blaue Reflektoren auf den Straßen-Leitpfosten gelten als Abhilfe. Jedenfalls schwören Jäger auf die Wirkung. Jagdpächter haben in der Region Trier daher 10 350 dieser Reflektoren an rund 150 Kilometern Straße angebracht.

Wo es blau blitzt, sei die Zahl der nächtlichen Wildunfälle deutlich zurückgegangen, sagt Klein und nennt beachtliche Zahlen: um 60 Prozent in der Vulkaneifel, um 75 Prozent im Eifelkreis Bitburg-Prüm oder gar um 80 Prozent entlang der mit Reflektoren ausgestatteten Straßen im Kreis Trier-Saarburg. Auch verschiedene Jagdpächter berichten dem TV von Verbesserungen. Der Landesbetrieb Mobilität jedoch bezweifelt die Wirksamkeit der Reflektoren. In einer Studie konnte er nur anfangs Erfolge nachweisen, die jedoch nicht längerfristig waren. Nach drei Jahren wurden auf den Teststrecken sogar deutlich mehr Wildunfälle registriert als in der Zeit, bevor die Reflektoren montiert waren. Bei liebestollen Hirschen, bei Rasern oder am helllichten Tag richten Lichtreflexe ohnehin nichts aus.

Die Frage nach der Wirksamkeit bleibt also strittig. Der Landesjagdverband fordert, die Reflektoren direkt bei der Produktion in die Leitpfosten einzubauen. Das Land ist allerdings nicht bereit, Geld zu investieren. 5,50 Euro kostet ein Reflektor derzeit. Kosten, die die Jäger freiwillig tragen. Nur vereinzelt werden sie dabei finanziell unterstützt – zum Beispiel in den Kreisen Bitburg-Prüm oder Trier-Saarburg.
 

Extra

Fotos machen für die Versicherung
(dpa) Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer Fotos vom Schaden am Fahrzeug und von der Unfallstelle machen. Das sei als zusätzlicher Nachweis zu empfehlen, rät die Prüforganisation Dekra. Teilkasko-Versicherungen zahlen in der Regel zwar den Schaden — aber nur, wenn es auch Belege für eine Kollision mit einem Wildtier gibt. Grundsätzlich wird der Schaden auf Basis eines Polizeiprotokolls und einer Wildunfallbescheinigung durch den Versicherer reguliert.