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Wissenschaftler suchen in Trier nach dem Glück

(Trier) Menschen, die positive Gefühle haben, ihrem Leben einen Sinn geben, Ziele verfolgen, Freundschaften pflegen und sich engagieren, sind glücklicher und sogar reicher als andere. Das ist dank der Positiven Psychologie wissenschaftlich bewiesen. Trierer Wissenschaftler sorgen dafür, dass der junge Forschungszweig sich nun auch in Deutschland etabliert.

19.05.2016
Katharina de Mos
Die Frage, was den Menschen glücklich macht, beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Ratgeber gibt es zuhauf. Aber helfen die Tipps tatsächlich? Ist ihre Wirkung wissenschaftlich bewiesen? International – insbesondere in den USA – geht die Forschung bereits länger der Frage nach, wie sich das menschliche Wohlergehen steigern und das Leben lebenswerter machen lässt. Positive Psychologie nennt sich das.

„In Deutschland ist das total neu“, sagt Michaela Brohm, Professorin an der Uni Trier und Mitbegründerin der ersten Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung, die 2015 in Trier ins Leben gerufen wurde. Trier ist aktuell auch Schauplatz der ersten Tagung zum Stand dieser jungen Forschungsrichtung in Deutschland. Bis Samstag widmen sich an der Uni rund 100 Wissenschaftler der Frage, was wohltut. Statt wie die klinische Psychologie zu fragen „Wie kann der Mensch weniger leiden?“, fragt die Positive Psychologie: „Wie kann der Mensch aufblühen und sich entwickeln?“.

Gar nicht so einfach, denn die Psyche ist gepolt auf das Negative: Gefahren zu erkennen und zu flüchten oder zu kämpfen, hat unseren Vorfahren schließlich das Leben gerettet. Dabei lohnt sich, wie die Forschung zeigt, der Blick auf das Positive. Er zahlt sich sogar in finanzieller Hinsicht aus. „Positive Gefühle führen zu einem erfüllteren Leben, einer besseren Gesundheit, höheren Leistungen und einem höheren Einkommen“, sagt Brohm. Wer glaubt, dass er etwas schaffen kann, hält eher durch, bis er es tatsächlich geschafft hat, als jemand, der von seinem Scheitern überzeugt ist. Neben positiven Gefühlen stärken Engagement, Sinn, gute Beziehungen und persönliche Ziele das Wohlbefinden.

All das klingt bekannt und logisch. Tatsächlich sind viele der Ideen uralt. „Aber es sind keine Glaubenssätze mehr. Wir wissen das jetzt aus empirischen Befunden“, sagt Brohm, die sich in ihrer Forschung mit dem Leistungsdruck im Bildungssystem beschäftigt und dort ein radikales Umdenken fordert.

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