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19.08.2017
Rolf Seydewitz

Berge, Bier und Bescheidenheit

Auf ihrer Wahlkampf-Rundreise durch Niedersachsen machte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (Foto: dpa) unlängst einen kurzen Boxenstopp in Peine. Dabei trug sich die Genossin natürlich auch ins Goldene Buch der Stadt ein und betonte pflichtgemäß, wie gerne sie dem politischen Trubel in der Hauptstadt entfliehe und in der Region unterwegs sei. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

Mit einer solchen Aussage hätte die Eifeler Sozialdemokratin auch in ihrer Heimat glänzen können. Mit einer anderen Aussage allerdings wohl kaum: Die Architektur der Brauerei Härke, lobte Peine-Gast Nahles laut Braunschweiger Zeitung, sei deutlich schöner als die der heimatlichen Bitburger Brauerei. So lange sich Frau Nahles nicht ähnlich über die Qualität des jeweiligen Bieres äußert …

So einen Vergleich coram publico hätte sich Eifelturm Patrick Schnieder (Foto: dpa) mit Sicherheit verkniffen, schon allein, weil Bitburg sein Wahlkreis ist, den der unübersehbare 49-jährige CDU-Mann auch wieder gewinnen will. Davor machte der Hobby-Pianist und passionierte Kletterer aber gemeinsam mit Ehefrau Andrea noch mal Urlaub in den Südtiroler Bergen, um - fernab fast jeglicher Zivilisation - abzuschalten vom stressigen politischen Geschäft. Ganz gelang das allerdings nicht: Auf 1300 Meter Höhe traf der schwarze Schnieder ausgerechnet auf eine Grüne: die parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann. Daraufhin kraxelte das Ehepaar Schnieder noch ein wenig höher und begegnete auf 2500 Metern Höhe Leuten aus dem Wahlkreis. Wenn dem Eifelturm dann mal wenigstens die Stimmen der Klettergesellschaft sicher sind …

Apropos Stimmen: Ohne Heidelinde Weidemann (Foto: ÖDP) aus Erden im Kreis Bernkastel-Wittlich nahetreten zu wollen, aber der Einzug in den Bundestag wird der ÖDP-Politikerin wohl auch dieses Mal nicht gelingen. Dabei hätte man es Frau Weidemann sogar gegönnt, denn mit ihren 75 Jahren ist die engagierte Umweltschützerin die älteste rheinland-pfälzische Bewerberin. Auf welchem Platz der ÖDP-Landesliste sie steht, weiß Weidemann selbst "nicht auswendig", wie sie bei einem Überfall-Anruf freimütig einräumt. "Ist im Prinzip aber auch uninteressant", fügt die Polit-Seniorin hinzu und mag dabei wohl an die ÖDP-Ergebnisse bei den zurückliegenden Wahlen gedacht haben. Formulieren wir es so: Sie sind ausbaufähig. Frau Weidemann würde sich am 24. September jedenfalls schon über bescheidene 0,5 Prozent Stimmenanteil freuen: Ab dieser Grenze gibt es nämlich Wahlkampf kosten er stattung - von immerhin einem Euro pro Stimme. Und Heidelinde Weidemann? Die möchte nach eigenen Angaben auch bei den nächsten Wahlen wieder antreten - "wenn ich dann noch fit bin".

Der TV berichtet in seiner Kolumne Wahlkampf-Geschichte(n) regelmäßig über die kleinen kuriosen, witzigen oder auch ernsten Ereignisse abseits der "großen" Wahlkampfereignisse. Ist auch Ihnen etwas Originelles aufgefallen? Ideen und Vorschläge bitte mailen an wahlen@volksfreund.de