/dossier/default

"Peter, du bist ein Kämpfer"

In Mainz steht CDU-Politiker Bleser wegen der Spendenaffäre in der Kritik, daheim stehen sie zu ihm

(Binningen) Rückenwind in unruhigen Zeiten: Der wegen möglicherweise illegaler Spendenzahlungen des Geheimagenten Mauss an die CDU in die Kritik geratene Cochemer Bundestagsabgeordnete Peter Bleser ist von seinem Kreisverband einstimmig als Bewerber für die Bundestagswahl im nächsten Jahr nominiert worden. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

16.11.2016
Rolf Seydewitz
Binningen. Peter Bleser lächelt. Im Binninger Gemeindesaal geht der 64-Jährige von Tisch zu Tisch, klopft hier und da jemandem freundschaftlich auf die Schulter, winkt und drückt Hände, bleibt für einen kleinen Schnack auch mal kurz stehen. Der CDU-Politiker, so scheint es, kennt hier jeden, und jeder kennt Peter Bleser. Für den Bundestagsabgeordneten aus dem Nachbarort Brachtendorf ist dieser Abend unter Parteifreunden ein Heimspiel. Während der folgenden zwei Stunden gibt es immer wieder aufmunternden Applaus für Peter Bleser. Und aufmunternde Worte. Etwa von Manfred Schnur, dem Cochem-Zeller Landrat. "Peter Bleser hat immer für uns und unseren Landkreis gekämpft", sagt Schnur, und der Vize-Kreisvorsitzende Alfred Steimers ergänzt wenig später: "Peter, du bist ein Kämpfer für den ländlichen Raum."
Im Moment kämpft Peter Bleser mehr um seine politische Reputation. Denn wegen der möglicherweise illegalen Spenden des einstigen Geheimagenten Werner Mauss an die rheinland-pfälzische CDU steht der Parlamentarier gehörig in der Kritik - auch innerparteilich. Die Junge Union legte dem Landesschatzmeister bereits indirekt den Rücktritt nahe. Andere, etwa Grünen-Fraktionschef Bernhard Braun, meinten, Bleser sei auch als Staatssekretär im Bundesagrarministerium nicht mehr haltbar.
Vor einer Woche kündigte der 64-Jährige an, auf dem Wittlicher Landesparteitag am Samstag nicht erneut für das Amt des Schatzmeisters zu kandidieren. Er wolle seinen Beitrag leisten, dass "sich die CDU Rheinland-Pfalz wieder auf ihre konstruktive Oppositionsarbeit konzentrieren" könne, begründete Bleser den Schritt.
Aber reicht der von einigen als Befreiungsschlag gewertete Rückzug aus dem Vorstand aus? Und wie würde die Parteibasis auf die Vorwürfe gegen Bleser und die CDU reagieren?
Zumindest an diesem Abend in Binningen bekommt Peter Bleser reichlich Rückenwind; etwa von Anke Beilstein. Die CDU-Kreisvorsitzende widmet einen Großteil ihrer Rede den ominösen Spenden und den daraus folgenden Angriffen und Verschwörungstheorien des politischen Gegners. "Die SPD wirft jetzt mit Dreck. Wie billig und geschmacklos ist das?", fragt Beilstein.

Bundestagswahl 2017


Am Rande des Parteitags findet auch Peter Bleser deutliche Worte. "Da wird man zur Drecksau gemacht und weiß nicht warum", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und fügt hinzu: "Das können Sie ruhig so schreiben." Aber hat er selbst womöglich auch Fehler gemacht in der - wie Bleser sagt - "sogenannten Spendenaffäre"? "Wir haben sauber gehandelt und sind getäuscht worden", schiebt der scheidende Schatzmeister den Schwarzen Peter der Anwaltskanzlei zu, die die Spenden im Auftrag des Geheimagenten an die CDU weitergeleitet haben soll.
Am Ende seiner Rede unter der Überschrift "Der ländliche Raum braucht eine Stimme in Berlin" bedankt sich Peter Bleser noch bei den Mitarbeitern, "die mir in dieser schwierigen Zeit die Treue gehalten haben". Im Binninger Gemeindesaal brandet Beifall auf, der das Ergebnis der folgenden Abstimmung über den Wahlkreisbewerber 2017 fast schon vorwegnimmt.
Peter Bleser, der zum achten Mal in Folge für den Bundestag kandidiert, wird von den über 100 anwesenden Cochem-Zeller Christdemokraten ohne Gegenstimme nominiert. Zuvor hatten schon der Rhein-Hunsrück-Kreis und der Altkreis Bernkastel für Bleser gestimmt. Seiner Aufstellung als CDU-Spitzenkandidat im Wahlkreis 200 bei der entscheidenden Vertreterversammlung im Dezember in Zeltingen-Rachtig dürfte somit nichts mehr im Wege stehen.

Empfehlungen

Kommentare