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Warum es die regionalen SPD-Bundestagskandidaten schwer haben werden

(Trier) Die rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten stellen am Samstag ihre Liste für die Bundestagswahl auf. Aus regionaler Sicht dürfte einzig die Trierer SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretärin Katarina Barley ein sicheres Ticket für die nächste Legislaturperiode bekommen. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

26.04.2017
Rolf Seydewitz
Für die beiden SPD-Kandidaten aus den Wahlkreisen Bitburg und Mosel, Jan Pauls und Benjamin Zilles, gilt eher das Prinzip Hoffnung. 

Derzeit stellen die rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten zehn der insgesamt 630 Bundestagsabgeordneten. Dabei holten sie bei der vergangenen Bundestagswahl vor vier Jahren nur einen der 15 rheinland-pfälzischen Wahlkreis direkt: Gustav Herzog gewann den Wahlkreis Kaiserslautern.

Mit anderen Worten: Neun der zehn SPD-Politiker zogen vor vier Jahren über die Landesliste in den Bundestag ein. Der Hauptgrund, warum das Interesse der diesjährigen sozialdemokratischen Bewerber an einer guten Listenplatzierung kaum geringer sein dürfte. Je besser die Kandidatin oder der Kandidat auf der Liste platziert sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit auf ein Bundestagsmandat. 

Dabei ist das Korsett der Vorgaben ziemlich eng geschnürt: Da muss neben der Frauenquote der heilige Regionalproporz berücksichtigt werden; hinzu kommt das Anciennitäts-Prinzip, das bereits amtierenden SPD-Abgeordneten einen Bonus für die vorderen Listenplätze verschafft. Da müssen sich Neulinge im sozialdemokratischen Bewerberfeld zunächst einmal brav hinten anstellen. Bei der vergangenen Bundestagswahl hieß das für Jens Jenssen (Wahlkreis Bitburg) Listenplatz 14 und für Anja Bindges (Wahlkreis Mosel) Listenplatz 15. Genauso sieht es diesmal für Jan Pauls (WK Bitburg) und Benjamin Zilles (WK Mosel) aus. Pauls soll nach Informationen unserer Zeitung auf Listenplatz 14 stehen, Zilles auf 15. Um mit dieser Platzierung in den Bundestag einzuziehen, müsste die SPD schon deutlich besser abschneiden als vor vier Jahren. 

Die andere Möglichkeit: Die beiden SPD-Jung-Politiker schielen in ihrem Wahlkreis auf das Direktmandat. Mit „Eifelturm“ Patrick Schnieder und (dem allerdings wegen der Mauss-Spendenaffäre angeschlagenen) Peter Bleser stehen ihnen zwei erfahrene CDU-Wahlkreisgewinner gegenüber. 

Die im Wahlkreis Trier zum zweiten Mal bei einer Bundestagswahl antretende SPD-Bewerberin Katarina Barley kann dies gelassen sehen. Mit dem für die 48-Jährige hinter Andrea Nahles und Gustav Herzog vorgesehenen Landeslistenplatz drei hat die Schweicherin das Berlin-Ticket sicher in der Tasche. Dazu dürfte bei der SPD-Senkrechtstarterin der Ehrgeiz groß sein, dieses Mal das Direktmandat gegen den Nachfolger von CDU-Mann Bernhard Kaster, Andreas Steier, zu gewinnen. 
Info

Drei Millionen Wahlberechtigte

Knapp 3,1 Millionen Rheinland-Pfälzer können am 24. September die Abgeordneten des neuen Bundestags wählen. Nach Angaben des Landeswahlleiters sind das 23.000 Personen weniger als bei der Bundestagswahl 2013. Auch nach der vom Bundestag beschlossenen Neueinteilung besteht Rheinland-Pfalz weiterhin aus 15 Wahlkreisen.