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17.01.2012
Christian Kremer

Angst vor unterirdischer Mülldeponie

(Wellen) 130 Bürger sind am Montag zu einem von TV-Redakteur Dieter Lintz moderierten Infoabend zur Zukunft der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke gekommen. Die neue Geschäftsführung beantwortete viele Fragen. Die Angst, dass sie das Wellener Bergwerk zur Mülldeponie macht, konnte sie nicht ausräumen.

Wellen. Der Raum im Wellener Bürgerhaus ist proppenvoll am Montagabend. Auf etwa 80 Stühle kommen 130 Besucher. Der Anlass: Die neuen Verantwortlichen bei den Trierer Kalk-, Dolomit und Zementwerken stellen (TKDZ) sich vor. Klaus Gruber und Rainer Adami heißen die beiden Geschäftsführer von der Porr AG. Betriebsleiter wird Frank Wegner aus Tawern. Ihr erster öffentlicher Ortstermin verläuft kontrovers. Die Wellener, Temmelser, Nitteler und Grevenmacher sind skeptisch, haben etliche Fragen, diskutieren aber sachlich.

Kommt Müll in den Berg?
Abfall ja, Müll nein, sagt Adami. Porr plane, jährlich 400 000 Tonnen Abfall in den Berg einzulagern, in dem Platz für sieben Millionen Tonnen sei. Es handele sich um Bodenaushub, Kraftwerksflugaschen, Schlacken und Gießereisande. Die Porr werde die in der Versatzordnung festgelegten Grenzwerte einhalten, verspricht Adami. Für die Umwelt bestehe keine Gefahr. "Wir müssen keinen Müll einlagern, der 40 bis 80 Euro einbringt, um die TKDZ wirtschaftlich zu betreiben", betont Gruber.
Das nehmen viele Bürger dem Konzern nicht ab. Sie befürchten, dass Grundwasser verseucht wird, oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen Giftmüll unter Tage deponiert wird. Wenn eine solch große kriminelle Energie bestehe, könne das nicht 100-prozentig verhindert werden, kommentiert Thomas Dreher vom zuständigen Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB). Wichtig sei ein zuverlässiger Betreiber.

Warum soll Abfall in den Berg?
Porr geht davon aus, dass das Einlagern von Abfällen die Wirtschaftlichkeit der TKDZ und die Standfestigkeit der Stollen gewährleistet. Das LGB bestätigt, dass die Stollen latent unsicher sind. Einzelne Pfeiler seien nicht mehr 100-prozentig standsicher. "Die Wirtschaftlichkeit ist für die Genehmigung kein Thema", sagt Dreher. Bevor ein Sonderbetriebsplan genehmigt wird, der das Einlagern von Abfall regelt, muss laut LGB ein neuer Hauptbetriebsplan zum Gesteinsabbau und ein hydrologisches Gutachten über die Wasservorkommen in dem Stollen erstellt werden.

Wie wird kontrolliert?
"Es macht keinen Sinn, Bedenken zu ignorieren", sagt Adami. Es sei eine Kombination aus Eigen- und Fremdkontrolle vorgesehen. Jede einzelne Abfallladung werde erfasst. Laut Porr werden nur Abfälle angenommen, zu denen chemische Analysen vorliegen. Hinzu kommen Stichprobenkontrollen des LGB. Porr bietet den Wellenern an, sie an den Kontrollen zu beteiligen. Auch einen regelmäßigen Runden Tisch kann sich Adami vorstellen. Dieser könne öffentlich tagen, meinte er auf Nachfrage.

Wo kommt das Material her?
Hier hält sich Porr sehr allgemein: Man wolle sich auf den deutschen Abfallmarkt konzentrieren. Zurzeit prüfe der Konzern, ob er Aushub einlagern könne, der beim Tunnelbau im Rahmen des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 anfalle (der TV berichtete). "Wenn das logistisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, verwerfen wir das."

Entlastet Porr das Dorf?
Die Porr will den Abfall und das Gestein vor allem per Schiff anliefern und abtransportieren. Er könne sich vorstellen, das Material mit abgedeckten Förderbändern zwischen Stollen und Anlegestelle hin- und herzutransportieren. Auf jeden Fall sollen laut Porr möglichst wenige LKW durch den Ort fahren. Es sei auch geplant, den Bahnanschluss zu reaktivieren.
Der gesamte Betrieb soll zudem modernisiert werden, um die Staubemissionen zu reduzieren. Unter Tage werde die Abbauhöhe verringert. So könnten weitere Stolleneinstürze, verhindert werden. 2011 war nach einem unterirdischen Einsturz an der Oberfläche ein Krater in der Größe eines halben Fußballfeldes entstanden (der TV berichtete).

Wie reagieren die Bürger?
Besonders der Verein "Sauberes Wellen", der gegen die Einlagerung von Abfall kämpft, ist misstrauisch. Wenig vertrauensfördernd sei, dass die künftige TKDZ-Geschäftsleitung auf wesentliche Fragen nicht ausreichend geantwortet habe, meinte der Vereinsvorsitzende Jens Thewke. Dazu gehöre die Frage nach der Haftung bei möglichen Umweltschäden. Thewke vermutet, dass sich hohe Investitionen in Wellen nur lohnen, wenn "höher kontaminierte Schadstoffe eingelagert werden dürfen."
Meinung
Ehrlichkeit hilft gegen Misstrauen

Das Misstrauen in Wellen ist sehr groß. Viele Bürger trauen dem Großkonzern nicht über den Weg. Sie befürchten, dass die Porr AG die Stollen unter dem Dorf zur (Gift-)Müllkippe machen will. Die Angst ist nachvollziehbar. Wer will schon, dass Abfall unter seinem Heimatort gelagert wird? Allerdings ist es rechtlich genau geregelt, was wirklich in den Berg darf. Hier ist das Landesamt für Geologie und Bergbau am Zug. Die Genehmigungsbehörde trägt genauso wie die Porr AG die Verantwortung dafür, dass hier keine dreckigen Geschäfte laufen. Um das Misstrauen abzubauen, muss sich die neue Geschäftsführung der TKDZ anstrengen. Ehrliche Aufklärung und ständige Beteiligung sind die einzigen Möglichkeiten, die ärgsten Bedenken aus der Welt zu räumen. Die Porr sollte deshalb - wie angekündigt - einen ständigen Dialog pflegen. Einen Dialog ohne Werbephrasen. c.kremer@volksfreund.de

 

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