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Bald sollen Senioren im Schloss residieren

Historisches Gebäude in Ayl hat neue Besitzer: Familie Hammes aus Freudenburg plant, Sanierung im Sommer 2018 abzuschließen

(Ayl) Das seit langem ungenutzte Barockschloss inmitten des Weindorfs Ayl an der Saar wird zu einem Zentrum für Senioren. "Betreutes Wohnen" heißt das Konzept, das Neubesitzer Wolfgang Hammes dort umsetzen möchte. Im Marienpark in Freudenburg bietet er diese Wohnform bereits an.

13.01.2017
Dirk Tenbrock
Ayl. Ausschließlich zufriedene Gesichter sind beim Pressetermin zum langersehnten Verkauf des Schlosses in Ayl zu sehen: Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger, der auf der Suche nach einem Investor endlich fündig geworden ist, Vorbesitzer Albert Faas (Bauunternehmer aus Ockfen), die neuen Besitzer Wilma und Wolfgang Hammes sowie der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius.
Wilma und Wolfgang Hammes betreiben in Freudenburg den ambulanten Pflegedienst Humania und die Senioren-Residenz Marienpark.
Das neue Konzept für die seit den 1970er Jahren im Dornröschenschlaf liegende Immobilie in Ayl ist denn auch an die Freudenburger Residenz angelehnt: 16 Wohneinheiten mit jeweils zwei bis drei Zimmern und durchschnittlich 50 Quadratmetern Größe werden entstehen und an Senioren vermietet. Diese können im historischen Ambiente ihren Lebensabend in ruhiger Lage verbringen. Und das ausdrücklich zu "bezahlbaren Preisen", wie der neue Schlossherr betont. Es werde energetisch saniert, Notrufsysteme installiert, Barrierefreiheit hergestellt und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege ein Außenaufzug installiert sowie einige Verschönerungsarbeiten vorgenommen.
Vorbesitzer Faas hatte das Schloss schon um die Jahrtausendwende umfangreich umgestaltet und beste Voraussetzungen für die jetzige Nutzung geschaffen. Ursprünglich hatte er selbst ein ähnliches Konzept im Auge, wollte und konnte dieses aber dann aus privaten Gründen nicht mehr verfolgen. Zwischenzeitlich wurde das Schloss als Büro, Wohnung und für verschiedene Kultur- und Privatveranstaltungen genutzt.
Seit einiger Zeit boten Makler das Anwesen auf Internetportalen für rund eine Million Euro an. Faas und Hammes haben zwar Stillschweigen über den aktuellen Kaufpreis vereinbart, lassen aber durchblicken, dass der Verkäufer - damit das Objekt in gute Hände kommt - substanzielle Zugeständnisse gemacht habe.

Gebürtige Aylerin übernimmt


Viel Herzblut und Aufwand hat der Ockfener Unternehmer in den Erhalt gesteckt und ist offensichtlich froh, jetzt mit der Familie Hammes einen Käufer gefunden zu haben, der ebenfalls für das Objekt und sein Konzept brennt. Wilma Hammes (geborene Federmaier) stammt zudem aus Ayl. Ihre Mutter hat einen Teil ihrer Kindheit im Schloss beim Verwalter der dort ansässigen bischöflichen Weingüter verbracht.
Dass ein großer Bedarf an betreuten Senioren-Wohnplätzen besteht, daran hat Bürgermeister Dixius keinen Zweifel: "Die Bevölkerung wächst durch neue Geburten stetig, aber immer mehr Menschen werden auch immer älter und können nicht mehr wie früher von ihren Kindern betreut werden." Er hält sogar eine weitere Einrichtung im Bereich der Obermosel für notwendig, in Saarburg selbst seien in letzter Zeit rund 150 Wohnplätze für Senioren geschaffen worden.
Gemeinsam mit Ortsbürgermeister Büdinger lobt er das Engagement sowohl des alten als auch des neuen Besitzers. Auf fast 1000 Quadratmetern Wohnfläche und den 2000 Quadratmetern Park drum herum wird jetzt ab April gewerkelt. Im Sommer 2018 soll das Areal dann in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten wieder belebt sein. Was mit dem großen Kelterhaus und dem umfangreichen Weinkeller geschehen soll, ist laut Wolfgang Hammes noch nicht klar. Er sagt: "Gastronomie jedenfalls nicht, aber da fällt uns schon noch etwas ein."
Extra
Das Ayler Schloss wurde 1823 vom Trierer Justizrat Soertz im barocken Stil errichtet und 1897 schlossartig um einen Halbstock nach oben erweitert. 1921 bis 1927 war es Eigentum des Ürziger Weinguts Carl Graff und ging dann in den Besitz des Bischöflichen Konvikts in Trier über. Diese bewirtschafteten große Teile der Ayler Kupp und hätten die im Kelterhaus gekelterten Trauben dann nach Trier gebracht, berichtet Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger. Der Verwalter habe das Schloss bis 1975 bewohnt. Später sei es nur sporadisch vermietet gewesen, bis Albert Faas das Anwesen 1996 erwarb. DT
Extra
Ursprünglich gab es an der Westseite des Schlosses ein Portal mit schmiedeeisernem Tor, das vom Bischöflichen Konvikt aber nach Trier "entführt" wurde und jetzt den Vorhof des Priesterseminars in Trier (TV-Foto: Roland Morgen) schmückt. Vielleicht könne das Tor nun an seinen angestammten Platz zurückkehren, scherzt man in Ayl. DT