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Die Tücke mit der Lücke

LANGSUR/RALINGEN. Seit fast 20 Jahren laufen die Planungen, nun soll das letzte Teilstück des Sauertal-Radweges zwischen Metzdorf und Wintersdorf tatsächlich gebaut werden. Durch das rund vier Kilometer lange Teilstück wird es möglich, von der Mosel entlang der Sauer bis an die Kreisgrenze nach Minden zu radeln.

27.06.2006
Von unserem Redakteur
ALBERT FOLLMANN
Seit zwei Jahrzehnten kämpfen die Sauer-Gemeinden Langsur und Ralingen für den 4,2 Kilometer langen Lückenschluss auf dem Sauertal-Radweg.

Die Briefwechsel der Bürgermeister und Abgeordneten mit Bund, Land und Straßenverwaltung füllen locker ein halbes Dutzend Aktenordner. Immer wieder gab es Verzögerungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren, zuletzt war es eine Beschwerde des Naturschutzbundes (Nabu) wegen Verstoßes gegen das Schutzgebietssystem "Natura 2000" bei der Europäischen Kommission, die das Projekt in die Länge zog.

Klagefrist abgewartet

Die Naturschützer attestieren dem Gebiet an der ehemaligen Bahntrasse eine hohe Schutzwürdigkeit und frohlockten, als das Mainzer Umweltministerium die Fläche als FFH-Gebiet bei der Europäischen Union in Brüssel anmeldete.

Obwohl die Nabu-Beschwerde keine aufschiebende Wirkung für die im August 2004 erteilte Baugenehmigung hatte, gab es dennoch keine Erlaubnis aus Mainz für einen Baubeginn. Man wolle die einjährige Klagefrist abwarten, erhielt der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster (CDU) zur Antwort, als er in einem Schreiben an Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) auf die Verwirklichung des "enorm wichtigen touristischen Projekts" drängte.

Kaster hatte sich bereits als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land vehement für den Bau des Radweg-Teilstücks eingesetzt.

Auch der Kenner SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Nink intervenierte bei seinen Parteifreunden in Mainz. Vor wenigen Tagen kam nun die für die Befürworter erlösende Botschaft vom rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Hendrik Hering, die EU-Kommission habe das Beschwerdeverfahren gegen den Sauertal-Radweg eingestellt.

Aus rechtlicher Sicht bestünden für die Maßnahme, deren Notwendigkeit aus touristischer und verkehrspolitischer Sicht unbestritten sei, keine Bedenken mehr. Hering geht davon aus, dass der Bund bei der für Juli erwarteten Verabschiedung des Haushalts für das laufende Jahr die Finanzierung sicherstellen wird.

Der Bau des Teilstücks ist nach Auskunft des Landesbetriebs Straßen und Verkehr (LSV) mit rund 800 000 Euro veranschlagt.

Der Radweg ist mit unterschiedlichen Ausbaubreiten und -arten konzipiert: in landespflegerisch sensibleren Abschnitten wird er zwischen 1,50 Meter und 2,50 Meter breit und mit hydraulisch gebundener Tragschicht versehen; im Bereich vorhandener (asphaltierter) Wirtschaftswege liegt die Breite zwischen 2,50 und drei Metern.

Im kommenden Jahr soll mit den Arbeiten begonnen werden. Dies ist ein – wenn auch später – Triumph der Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Orth (Langsur) und Oswald Disch (Ralingen, beide CDU), die vor gut zwei Jahren wegen einer "Schnittaktion" Schlagzeilen machten.

Sie hatten einen Teil der zugewucherten Trasse von Sträuchern und überhängenden Ästen befreien lassen, was sie als "forstwirtschaftliche Pflegemaßnahme" in Übereinstimmung mit dem Forstamt Trier bezeichneten.

Umweltschützer und Grüne sprachen dagegen von einem "illegalen Eingriff".

Radler müssen auf Bundesstraße ausweichen

Bereits im März diesen Jahres habe die EU dem Nabu signalisiert, dass das Beschwerdeverfahren gegen den Sauertal-Radweg voraussichtlich eingestellt werde, sagte Friedrich Wulf, Naturschutzreferent bei der Nabu-Geschäftsstelle in Mainz. Auf den darauf erfolgten Widerspruch habe man noch keine Antwort, sagte Wulf. Es gehe dem Nabu nicht um die Verhinderung des Radweges, erklärte er unserer Zeitung, sondern vielmehr um die Schonung der Natur- und Landschaftsressourcen. Und da, findet Wulf, gebe es mit der Nutzung des gut ausgebauten Radweges auf Luxemburger Seite eine geeignete Alternative.

Auf das Credo der Naturschützer ("Nicht auf Kosten der Natur") konterten Pro-Radweg-Aktivisten wie Orth und Disch mit dem Slogan "Nicht auf Kosten der Menschen".

Schließlich müssten die Radfahrer zwischen den Langsurer Ortsteilen Metzdorf und Wintersdorf auf die gefährliche Bundesstraße 418 ausweichen.

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