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Ein Tag für intensive Gespräche

(Konz) Nicht viele Bürger haben den Tag der offenen Moschee der muslimischen Gemeinden in Konz genutzt, um sich kennenzulernen und das Zusammenleben mit den islamischen Nachbarn zu diskutieren. Die wenigen Besucher hatten Gesprächsbedarf.

04.10.2017
Christian Moeris
Konz Etwa 20 nichtmuslimische Bürger der 18 000-Einwohner-Stadt Konz haben am Dienstag den Tag der offenen Moscheen beider islamischer Verbände in Konz-Karthaus genutzt, um mit muslimischen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Vor allem in der Albukhary-Moschee des islamischen Vereins mit rund 30 Mitgliedern wurde hitzig eineinhalb Stunden diskutiert. Dabei ging es nicht nur um den Islam als Religion, sondern vor allem um das tägliche Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in Konz.
Denn das - so kann man die Wortbeiträge der Einheimischen und Muslime zusammenfassen - ist noch ausbaufähig. "Ein Kennenlernen findet einfach nicht statt", sagte die Konzerin Doris Oesch, die mit rund zehn weiteren Einheimischen im Gebetsraum der Albukhary-Moschee Platz genommen hat. "So ist es", sagt Rhandell Ayyub Mathieu, Sprecher des islamischen Vereins Konz, dessen Vorsitzende sich mit den Besuchern im Gebetsraum versammelt hatten. "Wir brauchen mehr gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen wie beispielsweise ein gemeinsames Grillfest im Stadtteil Karthaus, wo Familien mit Kindern aller Religionen zusammenkommen."
Doch weshalb leben Einheimische und Muslime eher nebeneinanderher statt miteinander? "Verhindert vielleicht die Angst voreinander das Miteinander?", fragt eine Einheimische. So beschreibt auch Dominik Schnith, Sprecher des Interkulturellen Netzwerks Konz, die Situation. Schnith: "Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 wird der Islam teils sehr kritisch gesehen und bereitet den Menschen Angst." Deshalb müsse der Dialog von beiden Seiten vorangetrieben werden, sagt Schnith. "Der Grund für die Vorbehalte und das Misstrauen, das viele Deutsche gegenüber dem Islam und den Moscheen haben", sagt ein Konzer Besucher, "liegt darin, dass man als Einheimischer nicht weiß, was in den jeweiligen Moscheen gepredigt wird, und dort unter Umständen radikale Haltungen gelehrt werden." Das gehe den Muslimen genauso, sagt ein Mitglied des islamischen Vereins: "Die Strömungen und Auslegungen im Islam sind sehr unterschiedlich. Das unterscheidet sich auch von Moschee zu Moschee."
Die Vorsitzenden und Imame beider Moscheen in Karthaus distanzieren sich jedenfalls mit Nachdruck von jeder radikalen Auslegung des Islams, die das Zusammenleben von Muslimen, Christen und Gläubiger anderer Religionen behindert. So hielt Hasan Saritas, Imam der Haci Bayram Moschee, eine Rede "zur guten Nachbarschaft". "Der Koran lehrt uns: Wer an das Jenseits glaubt, soll seinen Nachbarn gegenüber hilfsbereit sein, ihnen Gutes tun und sie einladen", sagt Saritas. "Denn wie man sich gegenüber seiner Familie verhält, genau so soll man sich auch gegenüber seinen Nachbarn verhalten - ob Moslem oder nicht!" Damit machen die Konzer Muslime deutlich: Angst haben muss man vor ihnen nicht!
Ganz im Gegenteil: Beide muslimischen Verbände bewirteten ihre Gäste mit Speisen und Getränken zuvorkommend. Während der Diskussion im Gebetsraum der Albukhary-Moschee gab es Kaffee, Plätzchen und Erfrischungsgetränke. Die 100 Mitglieder starke Türkisch-Islamische Gemeinde servierte vor der Moschee allerlei türkische Spezialitäten - auch vom Grill - und legte sich damit für die Besucher richtig ins Zeug. "Wichtig ist, dass der Dialog zwischen den Muslimen und Einheimischen in der Stadt weitergeführt und intensiviert werden muss", sagt Schnith. "Deshalb sind solche Veranstaltungen wie der Tag der offenen Moschee unheimlich wichtig, damit die Hemmschwelle für Gespräche zwischen den Kulturen und Religionen weiter gebrochen wird."
Extra: INTERKULTURELLE WOCHEN

Der Tag der offenen Moschee war der letzte Programmteil der interkulturellen Wochen in Konz zwischen dem 18. September und 3. Oktober. Der Veranstalter, das Interkulturelle Netzwerk Konz, lädt bereits zur nächsten Veranstaltung ein: Am Donnerstag, 26. Oktober, ab 17 Uhr, findet im Kloster Karthaus eine Demokratie-Konferenz mit verschiedenen Referenten statt.