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Gegen Massentierhaltung - Lokaler Verein hofft auf Verbraucher als Verbündete

(Kell am See) Mit dem Appell, kein Billigfleisch zu kaufen und so auch keine Massentierhaltung zu unterstützen, richtet sich der lokale Verein landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen an die Verbraucher. Ein Vortrag soll mehr Infos liefern. Günther Hunsicker aus Fisch wird auch im 26. Jahr als Vorsitzender nicht müde, für seinen Berufsstand zu kämpfen.

04.03.2016
Marion Maier
Kell am See. Die Landwirtschaftsschule in Saarburg gibt es schon seit 42 Jahren nicht mehr. Der 68 Jahre alte Verein landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen existiert jedoch immer noch. Er hat auch nach dem Umzug der Schule nach Trier und später Bitburg weiter seine Infoveranstaltungen, Fahrten und früher auch Feste organisiert.

Schwerpunkt Unser Täglich Brot


Der Verein besteht aktuell aus rund 300 Winzern und Landwirten aus den Verbandsgemeinden Saarburg, Konz und Kell. In Hochzeiten waren es einmal 500. Vorsitzender ist seit 26 Jahren Günther Hunsicker aus Fisch. Trotz seiner 75 Jahre setzt sich der Vereinsmensch weiter munter für die Belange der Bauern ein. "Jeder muss das Gefühl haben, dass er etwas bewegt", beschreibt er einen Teil seiner Philosophie, die generell hinter seinem Engagement steht.

Massentierhaltung ist ein Thema, um das es bei der nächsten Infoveranstaltung des Vereins am Donnerstag, 17. März, geht (siehe unten). Hunsicker sagt: "Bauern müssen dagegen sein. Diese Art der Haltung widerspricht dem Tierwohl." Hunsicker versichert, dass Massentierhaltung in Rheinland-Pfalz keine Rolle spiele. Die größten Betriebe im Land hielten maximal 500 Kühe.

Reine Schweinebetriebe gebe es wenige. Hunsicker räumt aber auch ein, dass der Begriff der Massentierhaltung schwammig und nicht fest definiert sei. Er appelliert an die Verbraucher, nicht das billigste Fleisch zu kaufen, denn das komme bestimmt aus sehr konzentrierter Haltung, bei der die Tiere zusammengepfercht würden. Der 75-Jährige sagt: "Wir Bauern brauchen Verbündete."

Doch wo einkaufen? Hunsicker nennt die Hofläden als Möglichkeit, von denen es in der Region allerdings nur wenige gibt, beispielsweise in Saarburg-Kahren und Reinsfeld. Reimund Möcklinghoff, Referent der Infoveranstaltung am 17. März, rät außerdem zu den regionalen Produkten, die unter Namen wie "Gutes aus der Heimat" in einigen Supermarktketten angeboten würden. Klar ist, dort ist das Fleisch teurer. Reicht ein Appell, um Menschen von Mehrausgaben zu überzeugen? Hunsicker sagt: "Man muss es zumindest versuchen. Nichts zu sagen, bedeutet Zustimmung."

Er wolle Denkanstöße geben. Hintergrund für den Appell seines Vereins sind die zum Teil desaströsen Einkommensverhältnisse der Landwirte. Hunsicker nennt Beispiele: Für ein Schwein bekomme ein Bauer heute weniger Geld als 1970. Der Getreidepreis liege unter dem von 1954. Bauern könnten ihre Preise nicht verhandeln. Sie müssten nehmen, was Molkereien oder Händler böten. Hunsicker: "Landwirte müssen heute alles Mögliche versuchen. Selbst das Leasen von Tieren wird da nicht mehr ausgeschlossen."

Als Gründe für die Krise führt Hunsicker an, dass es weltweit zu viel Milch gebe. Auch das Russland-Embargo und die schwächelnde Nachfrage in China bereiteten Probleme. Doch Hunsicker hat auch gute Nachrichten. "Es lohnt sich zu kämpfen", sagt er und verweist auf die Änderung der Hofabgabeklausel.

Laut dieser Klausel mussten die Bauern früher fast ihren gesamten Hof an ihren Nachfolger abgeben, um Altershilfe zu erhalten. Anfang 2016 trat ein neues, entschärftes Gesetz in Kraft. Nun dürfen Bauern, die Altershilfe erhalten, acht statt zwei Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche behalten. Hunsicker: "Ein Riesenfortschritt!"
Und er ist sich sicher, dass sein Verein mit seinem Einsatz gegen die Klausel, beispielsweise in Form von Briefen einen wesentlichen Anstoß dazu gegeben hat.

Alle Interessierten sind zur Infoveranstaltung des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen am Donnerstag, 17. März, 20 Uhr, im Hotel Jochem in Trassem mit zwei Vorträgen eingeladen. Reimund Möcklinghoff, Marktreferent der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, referiert zum Thema Massentierhaltung.

Arnold Schmitt, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, spricht über "Die Situation im Weinbau: Welche Chancen gibt es? Was kann die Politik tun?"

 

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