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Keine Barrieren für niemanden: Verbandsgemeinden Konz und Saarburg stoßen neues Tourismuskonzept an

Verbandsgemeinden Konz und Saarburg stoßen neues Tourismuskonzept an - Mitarbeit privater Anbieter benötigt

(Saarburg/Konz) Der Ausgang der Saarburger Sesselbahn soll stufenfrei werden. Wasserliesch könnte einen barrierefreien Rundwanderweg mit interaktiven Stationen erhalten. Winzer organisieren Weinproben im Dunkeln. Dies sind drei Vorschläge im umfangreichen Konzept, mit dem die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg (Kreis Trier-Saarburg) beim Wettbewerb "Tourismus für alle" gewonnen haben. 1,5 Millionen Euro stehen nun für die Umsetzung bereit.

15.02.2016
Marion Maier
Saarburg/Konz. Von der ersten Information im Internet über Wohnen, Essen, Freizeit und Einkauf bis hin zur Abreise soll für die Gäste möglichst alles barrierefrei zugänglich sein. Das ist das Ziel der Verbandsgemeinden (VG) Konz und Saarburg. Da sie im zweiten Anlauf beim rheinland-pfälzischen Wettbewerb "Tourismus für alle" gewonnen haben, stehen ihnen in den kommenden fünf Jahren 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um ihr Konzept für barrierefreien Tourismus umzusetzen (der TV berichtete).

"Komfort für alle"

Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius sagte bei einer Pressekonferenz: "Das ist ein umfangreiches Paket. Wir setzen auf Partnerschaften mit privaten Anbietern." Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der VG Konz, ergänzte: "Es ist wichtig, dass wir keinen Bruch in der Anbieterkette haben." Gastwirte, Hotelbesitzer und andere private Anbieter könnten sich bereits jetzt bei den VG-Verwaltungen sowie die Saar-Obermosel-Touristik beraten lassen. Ab April erfahren sie dann mehr über Fördermöglichkeiten bei Umbauten und ähnlichem.

Laut Stefanie Koch, Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik, sollen die Barrieren für Menschen mit den verschiedensten Handicaps aus dem Weg geräumt werden. Es geht um Menschen mit Geh-, Hör- und Sehbehinderung sowie solche mit kognitiven Beeinträchtigungen. Profitieren sollen von diesem Weg allerdings alle. Das Motto: "Für viele Menschen ist Barrierefreiheit notwendig, für alle Menschen bietet sie Komfort."

Das Konzept der beiden Verbandsgemeinden geht denn auch über barrierefreie Internetseiten, leicht verständliche Broschüren und stufenlose Zugänge zu Geschäften, Restaurants, Hotels und Sehenswürdigkeiten hinaus. So werden Speisen für Gäste mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorgeschlagen, aber auch "Weinproben im Dunkeln" als besonderes Sinneserlebnis. Alle bewegten sich bei solch einer Probe auf einer Ebene, das schaffe Verständnis, sagte Frieden. Weiterhin vorgesehen ist ein barrierefreier Ein- und vor allem Ausstieg bei der Saarburger Sesselbahn.

Für Menschen mit Handicap sollen Radtouren mit speziellen Gefährten und barrierefreie Kanu-Safaris angeboten werden.

Wasserliesch könnte einen Rundwanderweg ohne Barrieren, aber mit interaktiven Stationen zum Mitmachen und Besinnen erhalten. Das Hofgut Serrig soll laut Konzept Betreuungsangebote für lernbehinderte Kinder schaffen, damit ihre Eltern auch mal andere Wege gehen können. Die Barrierefreiheit im Freilichtmuseum Roscheider Hof soll mit Hilfe eines neuen Aufzugs, einer App und einer audio-visuellen Präsentation optimiert werden.

Koch rechnet damit, dass das Thema Barrierefreiheit der Tourismusbranche eine höhere Auslastung beschert. Hintergrund: 30 bis 40 Prozent der deutschen Bevölkerung verfügen über Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen. Doch just die Gäste mit Einschränkungen sind ihrem Reiseziel treuer als andere. Sie reisen häufiger in der Nebensaison und sind auch meist mit Begleitung unterwegs.

Dass die Barrierefreiheit in der Region bislang wenig entwickelt ist, steht außer Frage. Koch berichtet von fünf regionalen Treffern bei einer entsprechenden Suchmaschine, zwei davon entfallen auf die barrierefreien Touristinformationen Konz und Saarburg.

 

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