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Schüler kartieren Saarburg

Saarburger beteiligen sich an Open-Street-Map-Projekt - Geld kommt aus EU-Programm

(Saarburg-Beurig) Die berufsbildende Schule in Saarburg-Beurig bietet seit 2002 für ihre Schüler eine ganz besondere Erfahrung an: Bei einem weltumspannenden Schulprojekt lernen sich Altersgenossen aus fünf Nationen kennen. Auf Karten können viele Informationen eingetragen und von Nutzern weltweit kostenlos im Internet abgerufen werden.

15.06.2015
Herbert Thormeyer
Saarburg-Beurig. Wo ist die nächste Apotheke, wo sind Sehenswürdigkeiten? Wer als Tourist am Saarburger Wasserfall in einem Straßencafé sitzt, kann sich auf seinem Smartphone detailgenau ansehen, was die Stadt zu bieten hat. Open-Street-Map heißt das System, an dem seit 2002 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule teilnehmen. Projektleiter Manfred Reiter, früher Lehrer am Berufsbildenden Zentrum für Betriebswirtschaftslehre und Informatik, ist Verfechter des kostenlosen Dienstes, der auf www.openstreetmap.org abzurufen ist.
Fünf Nationen, neben Deutschland, England, Spanien und der Türkei ist auch Rumänien dabei. "Wir haben wieder 25 Schüler, die Karten mit noch mehr Details erstellen", freut sich Reiter. Diesmal ging\'s auch in die Geschichte. Auf gk.historic.place sind spanische Keltensiedlungen zu sehen, an deren Kartierung die Schüler mitgearbeitet haben. Auch die historische Keltensiedlung bei Otzenhausen wurde besucht, für Lehrer und Schüler die ersten Europäer, deren Spuren auf dem ganzen Kontinent zu finden sind.
"Bis zu 30 000 Menschen arbeiten weltweit täglich an diesem System, das vor zehn Jahren vom Engländer Steve Coast entwickelt wurde", erklärt der Pädagoge. Deshalb gibt es die Blogs auf www.weeklyosm.eu auch in neun Sprachen, darunter Indonesisch und Japanisch.
Was Reiter mit besonderem Stolz erfüllt: "Wir können bei Katastrophen wie dem Erdbeben in Nepal mit unserem Kartenmaterial helfen." Genutzt werden dabei Satellitenaufnahmen, deren Informationen vom Humanitarina-Open-Streetmap-Team (Hot) ins Kartenmaterial übertragen wird. "Da warten die Hilfsorganisationen schon drauf", sagt der Informatiker. Finanziert werden die Reisen der Schüler aus fünf Ländern in diesem Comenius-Projekt (siehe Extra) von der Europäischen Union mit 20 000 Euro für zwei Jahre.
Adrian Kohl (17) aus Saarburg freut sich: "Hier kann ich Englisch mal praktisch anwenden." Alex Burg (17) aus Trassem ist froh, andere Kulturen kennenzulernen: "Da kann man viel erfahren." Auch Zuhal Korkmaz (17) aus der Türkei findet: "Die fremden Kulturen und Sprachen sind mir wichtig."
Lehrer Abbas Yavuz stellt fest: "Mit Open-Street-Map schmelzen Distanzen und so wird bestimmt Rassismus vermieden oder zumindest gemindert." Sara Torres (17) aus Spanien freut sich auch über die Technik: "Über Computer wusste ich vorher wenig. Karten zu erstellen konnte ich gar nicht, jetzt aber schon."
Auch wenig rühmliche deutsche Geschichte ist in den Open-Street-Maps zu finden: Die Schüler stellten die Stolpersteine ein, damit auch mit dieser Technik zu sehen ist, wo früher Juden lebten, die vom Nazi-Regime vertrieben oder sogar umgebracht wurden. Für Schulleiter Jürgen Scholz ist wichtig: "Gut, dass solche Aktionen an unserer Schule möglich sind." doth
Extra
Das Comenius-Programm der Europäischen Union ist nach dem Pädagogen Johann Amos Comenius benannt. Hauptziel ist der Schüleraustausch auf europäischer Ebene. Mit Hilfe des Programms soll unter anderem durch Austausch die europäische Integration gestaltet werden. Seit 2014 ist das Programm in dem Erasmus+-Programm aufgegangen. Neben 28 EU-Staaten sind auch Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und die Türkei beteiligt. red

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