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Sehenswürdigkeit über dem Saartal: Wie geht es mit der Klause weiter?

(Kastel-Staadt) Derzeit ist die Kastel-Staadter Sehenswürdigkeit nur am Wochenende geöffnet. Das soll sich ändern - mit einem neuen Konzept. Der Ortsgemeinderat, der hinter den Plänen steht, hat dennoch gewisse Zweifel.

14.09.2017
Marion Maier und Herbert Thormeyer
Die Kastel-Staadter Klause, die über dem Saartal auf einem Felsplateau aus Buntsandstein thront, ist ein beliebtes Fotomotiv. Doch nicht nur das. Sie wird zudem häufig von Touristen und auch Wanderern besucht, denn die Traumschleife Kasteler Felsenpfad führt daran vorbei. Früher war es jeden Tag möglich, die Klause zu besichtigen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, der die Klause gehört und die die Sehenswürdigkeit auch pflegt, hat dafür Eintritt erhoben.

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Seit diesem Jahr ist das anders. Zunächst wurde an dem Gebäude laut Bürgermeister Jürgen Dixius einige Monate lang gearbeitet, so dass es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Und seit Juli ist die Klause nur noch freitags, samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet - bei freiem Eintritt.
Der Grund: Die GDKE bewirtschaftet das Gebäude nicht mehr. Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE sagt: "Eintritt zu erheben, rechnet sich für uns nicht, wenn wir die Personalkosten gegenrechnen." Pro Jahr würden lediglich um die 7000 Besucher zur Klause kommen. Metz betont: "Die GDKE will sich von der Klause nicht zurückziehen. Um Pflege, Bau und Erhaltung kümmern wir uns auch weiter, dazu sind wir verpflichtet. Uns ist es zudem wichtig, dass sie weiter offen bleibt."

Deshalb habe es Gespräche mit der Orts- und der Verbandsgemeinde gegeben. Zwei Möglichkeiten standen laut Metz zur Debatte. Erstens: Die Gemeinde betreibt die Klause selbst. Zweitens: Sie lässt sie einfach nur auf- und zusperren, ohne Eintritt dafür zu erheben. Letzteres wurde dann seit Juli zumindest am Wochenende praktiziert.

Der Bürgermeister Doch bei der Öffnung allein am Wochenende soll es nicht bleiben. Bürgermeister Jürgen Dixius sagt: "Wir wollen die Klause künftig bewirtschaften und sind momentan dabei, ein Konzept zu erstellen, mit dem wir im Frühjahr 2018 starten wollen." Ziel sei es, mehr als 7000 Besucher pro Jahr anzulocken. Dafür soll es weitere Angebote wie Führungen geben. Ein Kiosk soll öffnen, an dem Getränke, Eis und vielleicht Kleinigkeiten zum Essen angeboten werden, für die die Hygienevorschriften nicht zu hoch sind. Es wird laut Dixius auch über Angebote in Verbindung mit anderen Kulturgütern gesprochen.

Dixius: "Die Klause ist schließlich eine hochwertige kulturelle Einrichtung und Kastel-Staadt hat einiges an Historie zu bieten." Der Ort sei schon von den Kelten besiedelt worden. Ein römisches Theater sei vor Jahren freigelegt worden. Im Ort gebe es den Schinkelbau, der als Bürgerhaus genutzt werde. Von der Ankündigung der GDKE, das Personal aus der Klause abzuziehen, sei er überrascht worden, sagt Dixius. Doch vorher sei die Klause öfter wegen Krankheit und anderem geschlossen gewesen. Das sei für die Gemeinde nicht immer nachvollziehbar gewesen.

Der Ortsgemeinderat Aber was ist, wenn im Frühjahr noch kein Konzept für die Klause steht? Diese Frage treibt derzeit den Ortsgemeinderat von Kastel-Staadt um. Die Sorge von Ortsbürgermeister Hubert Schommer: "Wenn Touristen vor verschlossenen Türen stehen, wissen die doch nichts von der GDKE. Das bleibt ganz allein an uns hängen."

Die Idee von Jürgen Dixius, ein Gesamtkonzept zur Vermarktung aller Kulturgüter, auch über Kastel-Staadt hinaus zu entwickeln, fand im Rat Anklang. "Wenn das nicht klappt, stehen wir mit leeren Händen da", fürchtet jedoch der Ortschef. Einen privaten Betreiber zu finden, sieht der Rat als ziemlich aussichtslos an. Notfalls könne ein Trägerverein aus der Dorfgemeinschaft heraus gegründet werden, ist eine Idee, die Ratsmitglied Beatrix Leuk-Rauen durchaus für machbar hält. Ortschef Schommer stellt eine Umfrage und eine Bürgerversammlung in den Raum, um zu fragen, wer mitmachen will. "Da werden aber zuverlässige Leute gebraucht", betont Mario Golinski. Schommers Vorgänger Harald Lehnerts hat es ausgerechnet: "Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssten wir zwei Leute einstellen und 20 000 Eintrittskarten im Jahr verkaufen." All diese Gedankengänge sollen parallel zu den Dixius-Plänen laufen, denn im Januar 2018 will der Rat wissen, ob das mit einem neuen Konzept was wird oder nicht. Denn, so Schommer: "Nur dann haben wir noch Zeit, uns einen Plan B einfallen zu lassen." Doch Plan A soll erst einmal Vorrang haben.
Extra: GESCHICHTE DER KLAUSE
Die Ursprünge der Klause in Kastel gehen auf das 13. Jahrhundert und die Kreuzzüge zurück. Damals haben Mönche Höhlen, Kammern und Nischen in den Sandsteinfelsen gehauen, die an die heiligen Stätten auf dem Berg Golgotha in Jerusalem erinnern sollten. Im Mittelalter lebten dort fromme Einsiedler. Um 1600 ließ der Franziskaner Roméry eine zweigeschossige Kapelle errichten, die ebenerdig einen Kirchenraum und darüber eine Wohnung für Eremiten enthielt. Bis zur Französischen Revolution wohnten und beteten dort Einsiedler. Danach verfiel der Bau, bis der preußische König Friedrich Wilhelm 1834 den Architekten Karl Friedrich Schinkel die Ruine zu einer Grabkapelle für den böhmischen König Johann von Luxemburg ausbauen ließ. Die Gebeine des Königs ruhten bis 1946 dort. Dann wurden sie in die Kathedrale in Luxemburg überführt.