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Streit um verwilderte Bahntrasse

RALINGEN/LANGSUR. Sind die Ortsbürgermeister von Ralingen und Langsur Umweltfrevler, weil sie eine Rodung auf der alten Trasse der Sauertalbahn wünschten und erhielten? Oder sehen die nun klagenden Umweltschützer alles viel zu eng durch ihre "grüne Brille"?

27.04.2004
Von unseren Redakteur
FRIEDHELM KNOPP
Seit fast 20 Jahren kämpfen die Sauergemeinden Ralingen und Langsur für den Lückenschluss des Sauer-Radweges zwischen ihren Ortsteilen Wintersdorf und Metzdorf. Dafür bietet sich dort auf rund 2,7 Kilometer Länge die ehemalige Bahntrasse an. Doch zum Leidwesen der betroffenen Gemeinden zieht sich das Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Radweg schier endlos in die Länge. Und zwar schon so lange, dass die Trasse mit den Jahren komplett mit Sträuchern und Bäumen zuwucherte. Diese "Wildnis" wiederum fand Gefallen beim Mainzer Umweltministerium - es meldete die Fläche als besonders schützenswertes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet bei der EU in Brüssel an.

In aller Stille von Sträuchern freigelegt

Vor drei Jahren ließen die Gemeinden einen Teil der Strecke von Sträuchern und überhängenden Ästen freilegen. Nach Angaben der Ortsbürgermeister Karl-Heinz Orth und Oswald Disch geschah dies in Übereinstimmung mit dem Forstamt Trier als "forstwirtschaftliche Pflegemaßnahme". Diese Schnittaktion fand offenbar in aller Stille statt - niemand regte sich auf. Dann folgten Anfang des Jahres Mulcharbeiten auf dem Gelände, bei denen die Forstverwaltung im Auftrag der beiden Gemeinden das herumliegende Gehölz häckselte. Der TV berichtete über diese Aktion. Dies rief nun den Bund für Umwelt und Natur (BUND), die Grüne Fraktion im Verbandsgemeinderat Trier-Land und die Landespflege bei der Kreisverwaltung auf den Plan.

Die Naturschützer sprechen von einem "illegalen Eingriff auf Veranlassung der Ortsbürgermeister Orth und Disch". Die Kreisverwaltung schließt nach Angaben ihres Sprechers Thomas Müller "eine Ordnungswidrigkeit nicht aus" und hat entsprechende Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Heike von Schütz und Wilhelm Deutschen von den Grünen: "Hier wurden Fakten geschaffen und ein für die Natur schützenswertes Gebiet entwertet."

Forstdirektor Gundolf Bartmann vom Forstamt Trier sieht dies jedoch als forstwirtschaftliche Maßnahme, die auch in FFH-Gebieten erlaubt sei. Bartmann: "Es handelt sich nicht um eine Verschlechterung von FFH-Flächen, etwa durch den Bau eines Weges, sondern es wurde nur ein schon vorhandener Weg freigelegt."

Bartmann: "Eine andere Frage ist allerdings, ob in dem betreffenden Bereich auch eine touristische Erschließung durch einen Radweg zulässig ist." Für die Ortsbürgermeister Orth und Disch stellt sich diese Frage nicht. Die vorgeschlagene "Umgehung" über Luxemburg, wofür bei Wintersdorf eine Brücke gebaut werden müsste, sei Utopie.

Wegen der Schnittarbeiten verweisen sie auf die Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung. Disch: "Warum sollen nicht Radfahrer und Fußgänger eine Strecke nutzen, auf der früher Züge fuhren? Und warum müssen Radfahrer auf die gefährliche B 418 angewiesen sein, wenn daneben die sichere Alternative liegt?"

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