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Trickdiebe schlagen wieder zu

(Saarburg) Sie nutzen das Vertrauen eines Rentners eiskalt aus: Zwei Trickbetrügerinnen haben einen Saarburger am helllichten Tag um mehr als 500 Euro erleichtert. Sie flüchteten. Die Polizei hat bisher noch keine Verdächtigen gefasst.
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Saarburg. Rentner Heinz Waldmann (Name geändert) denkt an nichts Böses, als zwei junge Frauen auf ihn zukommen. Der 65 Jahre alte Saarburger läuft gerade über die Leukbrücke der Straße Auf dem Graben, weil er in der Innenstadt einige Besorgungen machen will. Mit Gesten deutet eine der Frauen darauf hin, dass sie angeblich taubstumm ist. Gemeinsam bitten die beiden um Spenden und halten Waldmann ein Formular unter die Nase. Auf dem Zettel ist der Name eines vermeintlichen Fördervereins für Taubstumme abgedruckt. "Zwei Euro wollte ich geben", sagt Waldmann. Doch die beiden Frauen sind Betrügerinnen. Sie nehmen dem Saarburger mehr als 500 Euro ab.
Das Ganze spielte sich am Donnerstag gegen 15.50 Uhr ab. Der Trick funktioniert so: Die Betrügerinnen geben eine Behinderung vor und bitten um Spenden, indem sie eine wahrscheinlich fingierte Spenderliste zeigen. "Zwei Namen standen da schon drauf", sagt Waldmann. Name, Ort und Geldbetrag sollen eingetragen werden. Waldmann wird gebeten, seinen Personalausweis zu zeigen und die Liste auszufüllen. Sein Portemonnaie kann er zu diesem Zeitpunkt nicht sehen, weil er es unter dem Zettel in der Hand hält.
Den Täterinnen gelingt es, unbemerkt mehr als 500 Euro an Banknoten aus der Börse zu ziehen. Als Waldmann den miesen Trick durchschaut, ist es schon zu spät. "Zufällig sind zwei Geldscheine auf den Boden gefallen. So habe ich überhaupt erst gemerkt, was da passiert ist." Die beiden Frauen rennen weg - irgendwo am Fruchtmarkt oder an der Graf-Siegfried-Straße verschwinden sie. "Ich war so abgelenkt, dass ich die Täterinnen nicht lange verfolgen konnte. Ich hoffe, dass es irgendwelche Zeugen gibt, die sich noch bei der Polizei melden." Die Frauen beschreibt er so: zwischen 16 und 17 Jahre alt, südosteuropäisches Aussehen, etwa 1,65 Meter groß und schlank.
Waldmann ruft sofort die Polizei. Die Suche nach den Frauen bleibt aber erfolglos. Dass der Rentner an diesem Tag so viel Geld dabei hatte, war Zufall. "Das mache ich normalerweise nicht. Aber ich hatte einige Besorgungen zu machen", sagt der Rentner. Es sei schrecklich, wie das Vertrauen der Leute ausgenutzt werde. "Ich bin auch in Trier noch im Dunklen unterwegs und fühle mich eigentlich sicher. Mit so was rechnet doch niemand."
Trickbetrügereien und ähnliche Diebstähle kommen immer wieder vor. Zuletzt hatte Mitte November ein Betrüger an einem Tag gleich gleich drei Mal zugeschlagen (der TV berichtete). Der Mann verwickelte die Leute ebenfalls in Gespräche und stahl ihnen Geld oder gleich das ganze Portemonnaie.

Täter ändern ihre Masche


Und in der ganzen Region Trier registrierte die Polizei im Dezember mehr als 25 Betrugsversuche mit dem Enkeltrick. Unbekannte geben sich dabei am Telefon als Verwandte aus und überreden die Opfer, hohe Geldbeträge zu geben, indem sie eine Notlage vortäuschen. "Grundsätzlich kommen diese Fälle bei uns nicht häufiger vor als anderswo. Aber man kann generell saisonale Tricks beobachten", sagt Markus Kohl von der Polizei in Saarburg. So gehe es in der Vorweihnachtszeit oft um Spenden. Und wenn das Wetter dann draußen besser werde, täuschten Betrüger dagegen Autopannen vor.
Heinz Waldmann hat Lehren aus dem Fall gezogen: "Ich werde mein Portemonnaie nicht mehr in der Öffentlichkeit öffnen."
Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon 06581/9155-0 bei der Polizei Saarburg zu melden.
Extra
Die Tricks der Gauner: Fremde fragen nach dem Weg und zeigen einen Stadtplan. Während man abgelenkt ist, plündern andere die Handtasche. Fremde bitten um Wechselgeld, lenken einen ab und greifen in die Börse. Man wird an einem Geldautomaten scheinbar versehentlich mit Eis oder Ketchup bekleckert. Beim Reinigungsversuch verschwindet das abgehobene Geld. Im Supermarkt fragen Fremde nach bestimmten Waren. Während man sucht, wird die Tasche ausgeräumt. Der Betrüger steckt einem eine Blume an und stiehlt dabei die Börse. Das kann man tun: Keine große Geldmenge mitnehmen. Geld, Schecks und Kreditkarten in verschlossenen Innentaschen der Oberbekleidung statt in Handtaschen tragen. Brustbeutel für Wertsachen benutzen. Handtaschen verschlossen mit dem Verschluss nach vorne halten und unter den Arm klemmen. Portemonnaies nicht in Einkaufstasche, Körbe oder Einkaufswagen legen. Börse beim Bezahlen nicht ablegen. thie polizei-beratung.de pfiffige-senioren.de


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