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Unser Dorf hat Zukunft - Jury-Besuch in Ayl: Mehr Grün, weniger Kies

(Ayl) Die Jury des Landes zum Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" hat am Dienstag den Wein- und Tourismusort Ayl besucht. Im Gepäck hatte sie viele Ideen, wie der Ort noch wohnlicher und schöner werden könnte.

16.08.2017
Alexander Schumitz
Nebelschwaden liegen über der Saar. Aber wer genau hinschaut, sieht schon den einen oder anderen blauen Himmelfetzen. Eine fünfköpfige Kommission ist nach Ayl gekommen, weil die Ortsgemeinde beim Gebietsentscheid des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" in der Hauptklasse den dritten Platz belegt hat. Nun geht es um den Einzug ins Bundesfinale (siehe Info). Die Jury steht am Dorfbrunnen und verfolgt interessiert, was die Ortsgemeinde mit dem Dorfplatz vorhat. Die Idee: Ein altes Gebäudeensemble wird abgebrochen und durch ein Haus ersetzt, das es mehreren Generationen erlaubt, unter einem Dach zu leben.

Diskutiert wird hier nicht viel. Die Kommission unter Vorsitz von Franz Kattler hat wenig Zeit mitgebracht. In 150 Minuten muss Siegfried Büdinger, Ortsbürgermeister von Ayl, seinen Ort präsentieren.

Trotzdem hat die Dorfgemeinschaft Zeit, sich im Margarethenhof mit ihren Projekten zu präsentieren: Sportverein, Musikverein, zwei freiwillige Feuerwehren, Kirchenchor, eine Frauengemeinschaft und der Karnevalsverein sind dabei. Das gefällt Silke Struppler. Sie beurteilt für die Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" das bürgerschaftliche Engagement und die kulturellen Aktivitäten im Ort. "Mir gefällt sehr gut, dass es in Ayl noch ein aktives Vereinsleben gibt und man dort die Jugend entsprechend fördert", lobt sie zum Abschluss. Struppler wünscht sich, dass sich die Ayler leidenschaftlich an der Dorfmoderation beteiligen. "Das bringt sicherlich noch neue Akzente, die für die Dorfentwicklung gut sind."

Lob bekommt der Ort auch von Bernhard Backes. Der Ingenieur ist zuständig für Fragen der Baugestaltung und Bauentwicklung. Ihm gefällt besonders, dass Ayl Konzepte für die Ortsentwicklung aufstellt und daran arbeitet. "Das spürt man, wenn man durch den Ort geht", sagt Backes.

Er kann sich vorstellen, dass die Kommune davon profitieren könnte, wenn sie die vielen kleinen Plätze im Ort aufwerten würde. Dazu würden die vielen innerörtlichen Gemüsegärten gut passen. Backes übt aber auch Kritik. Nämlich, dass eine übersichtliche, nachvollziehbare Kennzeichnung von Fußgängerwegen fehle. Hier sieht der Experte noch Handlungsbedarf.

Ähnlich sieht es Werner Ollig. Der - so bezeichnet er sich selbst - "Buhmann der Kommission" ist in der Jury zuständig für das Thema Grüngestaltung und Grünentwicklung.

Zwar sei "alles im grünen Bereich", formuliert Ollig. "Aber wie wäre es mit robusten Tafeltrauben im Ort oder mit Mandelbäumen in den Weinbergen? Dann hätten sie Produkte, die sich die Gäste in die Tasche stecken und nach Hause mitnehmen könnten." Und dann wären da noch die aus seiner Sicht "überhandnehmenden Kiesbeete". Die seien weder pflegeleicht noch ästhetisch noch schön. Er appelliert an die Gemeinde, dringend mit den Bewohnern zu reden: "Es gibt schon genug Plastik im Boden. Und die Samen fallen nun mal von oben herunter."
Jürgen Köstel ist dann schon wieder etwas versöhnlicher. Er ist in der Wettbewerbskommission zuständig für das Thema "das Dorf in der Landschaft". Ihm gefällt das Mosaik aus Wald, Wein- und Grünlandflächen rings um das Dorf. Auch habe er sich gefreut, so viel Totholz und Natursteinmauern zu sehen. Geblutet habe ihm das Herz beim Anblick der Streuobstwiesen: "Viele sind ungenutzt und deshalb ungepflegt." Köstel rät: "Organisieren Sie etwa mit Hilfe eines Vereins die Pflege der Streuobstwiesen!"

Nach zweieinhalb Stunden ist der Ortstermin für die Jury vorüber. Doch Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger hat der Schnellzug durch die Gemeinde viele Anregungen gebracht. "Mal sehen, was sich von den Ideen umsetzen lässt", zieht er sein persönliches Fazit nach der Veranstaltung.

Derweil sind grollende Gewitterwolken am Himmel aufgezogen. Aber das scheint kein Omen für die Stimmung der Kommission zu sein. Der Vorsitzende der Jury, Franz Kattler, ist vielmehr zufrieden mit der Ortsbesichtigung.
Alles Weitere wird sich am 20. Oktober ergeben. Dann gibt das Land in Kaiserslautern bekannt, welche rheinland-pfälzischen Gemeinden beim Bundeswettbewerb in zwei Jahren antreten werden (siehe Info). Und wer weiß - vielleicht ist dann ja auch Ayl dabei.
Extra: VORAUSWAHL FÜR BUNDESWETTBEWERB
Die Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" ist seit Montag im Land unterwegs, um die Kommunen herauszufiltern, die das Land beim Wettbewerb des Bundes in zwei Jahren repräsentieren. Die Kommunen, die sich für den Wettbewerb auf Landesebene qualifiziert haben, feiern am 20. Oktober in Kaiserslautern. Dann werden auch die Siegergemeinden bekanntgegeben. Aus dem Verbreitungsgebiet des Trierischen Volksfreunds sind außer Ayl folgende Gemeinden beim diesjährigen Wettbewerb dabei: Oberkail (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Basberg (Vulkaneifelkreis, beide Gemeinden in der Hauptklasse) sowie in der Sonderklasse - das sind Kommunen, die den Wettbewerb schon mal für sich entschieden haben - Waxweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm).