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Wälder, Weinberge, Weitblicke - grenzenlos (Video)

(Schengen) TV-Wanderwochen: Eine einzige Traumschleife des Saar-Hunsrück-Steigs führt durch drei Länder: Schengen grenzenlos. Sie ist abwechslungsreich, durchaus anspruchsvoll und bietet den Wanderern schöne Aussichten. Dossier zum Thema: TV-Wanderwochen

19.10.2017
Ilse Rosenschild
Wir starten am Schengener Schloss, das auf eine Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert zurückgeht. Ein Frauenorden betrieb dort ein Ferien- und Kinderheim. Derzeit steht es leer. Einige hundert Meter geht es auf Asphalt weiter, bis die Traumschleifen-Schilder links in ein Wäldchen führen. Steil geht es aufwärts, über uns ein noch recht grünes Dach aus Buchenblättern, unter unseren Füßen buntes Herbstlaub. Pfade wie dieser sind typisch für Schengen grenzenlos, die einzige Traumschleife, die zum Saar-Hunsrück-Steig gehört und die in drei Ländern verläuft: Frankreich, Luxemburg und - nimmt man die Zuwegung zum Perler Bahnhof hinzu - Deutschland.

Die Wanderer auf dieser 8,1 Kilometer langen Strecke dürfen sich also als Grenzgänger fühlen. Zu Beginn und gegen Ende der rund 3,5-stündigen Tour können die Wanderer, die anfangs in Luxemburg unterwegs sind, den Blick Richtung Perl (Deutschland) wenden, immer wieder gibt es allerdings auch herrliche Ausblicke Richtung Frankreich: in Richtung der Dörfer Contz-les-Bains oder Sierck-les-Bains. Schengen grenzenlos - der Titel der Traumschleife bezieht sich nicht allein auf den Streckenverlauf. Der Ort, in dem die Tour startet, hat eine große Symbolkraft.

Schengen an der luxemburgischen Mosel war ein beschauliches Weindorf ohne großen Bekanntheitsgrad - bis zum Jahr 1985. Damals wurde das Schengener Abkommen geschlossen, ein Vertrag, in dem der Abbau von Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen festgelegt wurde. Schengen ist heute noch oder wieder in aller Munde. Spielt das auch für die Touristen eine Rolle, die Schengen besuchen und die Traumschleife laufen?

Generell lässt sich das nicht beantworten, denn auf der Tour selbst treffen wir kaum jemanden. Dafür gibt Wilhelma Mass aus Leudelange, Luxemburg, bereitwillig Auskunft, die den Rundweg zu einem früheren Zeitpunkt bereits absolviert hat und mit ihrer Freundin Urmil Bansal im nahegelegenen Bistro "An der Aaler Schwemm" sitzt. "Wissen Sie, mir bedeutet Schengen sehr viel. Ich komme ursprünglich aus Erfurt und bin kurz vor der Öffnung der Mauer geflohen", sagt sie. Keine Frage, dass für sie offene Grenzen bis heute etwas ganz Besonderes sind. Ihre indische Begleiterin pflichtet ihr bei: "Wenn ich früher nach Europa reisen wollte, brauchte ich für jedes Land ein extra Visum. Das ist heute anders." Auch der Premiumwanderweg Schengen grenzenlos lohnt sich nach Ansicht der Luxemburgerin. Besonders gefalle ihr der Blick auf die französischen Dörfer auf dem zweiten Teil der Route.

Das Schengener Abkommen hat offenbar einen Wanderweg wie diesen erst möglich gemacht. Denn auch abseits der offiziellen Grenzübergänge wurde früher kontrolliert. "Sogar in den Weinbergen stand ein Wachhäuschen", erzählt Martina Kneip vom Centre Européen Schengen. Doch noch befinden wir uns auf Luxemburger Gemarkung im Naturschutzgebiet Strombierg. Die Grenze nach Frankreich passieren wir, ohne es selbst zu merken.

Der Wald hat etwas Verwunschenes. Die majestätischen Buchen sind von Lianen umwuchert. Moos wächst auf abgestorbenen Ästen und umgestürzten Bäumen. Man sieht seltene Farne wie die Hirschzunge und andere geschützte Pflanzenarten wie das Bleiche Waldvögelein.

Die Landschaft verändert sich. Die Bäume werden kleiner und weniger. Wir kommen in eine Heckenlandschaft - mit Hagebutten und reifen Brombeeren. Der Weg bleibt abwechslungsreich. Es geht an einer Wiese und Ackerflächen vorbei. Und dann haben wir plötzlich einen atemberaubenden Blick auf die Mosel und das Winzerdorf Contz-les-Bains.

In der Ferne steigen vier weiße Wolkensäulen auf. Schaut man genauer hin, erkennt man die Kühltürme des französischen Atomkraftwerks Cattenom. Sie erinnern daran, dass es im Dreiländereck nicht nur malerische Landschaften gibt, sondern auch gemeinsame Probleme. Einer der schönsten Ausblicke tut sich wenig später auf: Wir schauen von einer Hochebene auf das Örtchen Sierck-les-Bains, das an einer Biegung der Mosel liegt. Auf einer großen Freifläche steht eine Bank, auf der wir eine kleine Rast einlegen. Den Blick mussten wir uns durch einen Anstieg allerdings erst verdienen.

Weiter geht es ebenso steil hinab auf einer Wiese, auf der Weg serpentinenartig verläuft. Dass diese Passage für Wanderer eine Herausforderung darstellt, beweist die Tatsache, dass dort ein Extremsportler zu Trainingszwecken unterwegs ist. Ganz so schnell wie dieser sind wir nicht.

Und so dauert es einige Zeit, bis wir am Fuße eines gewaltigen Felsens ankommen. In diesem Bereich prägen große Gesteinsblöcke und breite Felsspalten das Areal. Sie sind stumme Zeugen einer anderen Geschichte des Strombiergs. Denn dort wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gips abgebaut. Durch Wassereintritte und Felsstürze geriet der Osthang ins Rutschen. Einstürzende Stollen machten den Gipsabbau später unmöglich.

Es folgen Passagen vorbei an abgeernteten Weinbergen und Obstplantagen. Zauberhaft und weniger anspruchsvoll für die Kondition. Denn die braucht man auf der als mittelschwer eingestuften Traumschleife schon. So können wir die Aussichten Richtung Deutschland auch richtig genießen und nähern uns dann wieder Schengen. Zuvor passieren wir eine Abzweigung nach Perl. Auch von dort aus kann die Tour, wie oben erwähnt, im Übrigen begonnen werden.

Doch wir gehen zurück zum Ausgangspunkt und lassen an der Place des Etoiles an der Mosel ein ungewöhnliches Denkmal auf uns wirken: Drei Nationensäulen tragen dort 26 Sterne, je einen für jedes Schengen-Land.

In unmittelbarer Nähe steht zudem eine weitere ungewöhnliche Skulptur. Unter dem Motto "E Schlass fir Schengen" kann jeder Besucher dort ein Schloss befestigen und damit seinen Besuch und seine Unterstützung für Schengen dokumentieren. Wer kein Schloss dabei hat, kann sich an die nahegelegene, auf einem Ponton auf der Mosel untergebrachte Tourist-Information wenden.

Serie: Vier Wochen lang entführt der Volksfreund seine Leser ins Grüne. Zu den schönsten Aussichten der Region und preisgekrönten Rundtouren. Alle bereits erschienenen Beiträge sowie weitere Fotos und einen Wanderfilm über die Traumschleife Schengen grenzenlos gibt es im Dossier.

Wederath statt Weiperath: In unserem Bericht "Eine Zeitreise in die Vergangenheit" über die LandZeitTour im Rahmen der TV-Wanderwochen am 14./15. Oktober ist uns ein Fehler unterlaufen. Irrtümlich war dort zu lesen: Es lohnt sich ein Besuch des Archäologieparks Belginum, der bei Weiperath liegt. Er liegt aber bei Wederath. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
ANFAHREN, EINKEHREN, AUSRUHEN, NICHT VERPASSEN

Anfahren: Über die A 64 und A 1 Richtung Luxemburg, Abfahrt Grevenmacher, in Grevenmacher Richtung Schengen.

Einkehren: An den Ausgangspunkten liegen das Bistro "An der Aaler Schwemm", Rue Robert Goebbels, in Schengen und das Hotel Restaurant Alte Maimühle in Perl am Bahnhof.

Ausruhen: Ideal für eine Pause geeignet ist eine Sitzgruppe auf dem Strombierg-Plateau mit Blick auf das französische Sierck-les-Bains.

Nicht verpassen: Es empfiehlt sich, etwas Zeit mitzubringen und das Europäische Museum Schengen zu besichtigen. Dort dreht sich alles ums Thema Grenzen. Dem Besucher wird vor allem interaktiv erklärt, wie sich innerhalb Europas die Grenzen und die damit zusammenhängenden politischen Verhältnisse verändert haben. Das Museum ist derzeit täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis Ostern von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.