region/saarburg

Weinlese in den Steilhängen lohnt sich

Bei seinem Riesling von der Saar misst Ralf Petgen ein Mostgewicht um die 105 Öchsle

(Saarburg/Perl) Delikate Tröpfchen belohnen den Winzer für die Arbeit in den Steilhängen an der Saar. Nachdem das Ehepaar Petgen mit seinem Riesling von der Ayler Kupp Erfolg hatte, kaufte es einen zweiten Weinberg dazu.

07.10.2011
Rolf Ruppenthal
Saarburg/Perl. Saar-Wein kommt von der Saar und damit aus Rheinland-Pfalz. Der saarländische Wein stammt dagegen von der Obermosel. Mit einer Ausnahme: Seitdem Ralf und Brigitte Petgen vom größten saarländischen Weingut Ökonomierat Alfons Petgen aus Sehndorf hinter Saarburg einen Weinberg gekauft haben, dürfen sie getrost einen saarländischen Riesling von der Saar verkaufen. Er wächst an den Steilhängen der berühmten Ayler Kupp am Ufer der Saar und wird im saarländischen Perl-Sehndorf an der Obermosel zu einem hervorragenden Spitzenwein ausgebaut.
Das war auch die eigentliche Motivation von Ralf und Brigitte Petgen. Die Rieslinge von der Saar seien weltberühmt, und ihre Qualität suche ihresgleichen. Quasi aus "Jux und Tollerei", genau genommen aber aus großem Winzer-Ehrgeiz heraus, kauften sie 2005 den Weinberg, auch wenn seine Bewirtschaftung und auch die Weinlese eine richtige Plackerei bedeuteten. Hier in den Steillagen gehe es nur noch zu Fuß extrem hoch und runter, und wirklich alles sei Handarbeit, genau genommen Knochenarbeit. Denn die Rackerei gehe an die Substanz der Arbeitskräfte.
Ein außergewöhnlicher Wein belohne den Winzer jedoch für diesen Aufwand. Und nachdem Ralf und Brigitte Petgen mit ihrem Riesling von der Ayler Kupp auf Anhieb bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen hatten, nutzten sie die "Gunst der Stunde", auch die Nachbarlage zu kaufen, nachdem das Weingut Hausen-Marbillon seine Arbeit einstellte.

Mit der Hotte zum Traktor



Den letzten Sommertag im Herbst nutzten die Mitarbeiter von Ralf und Brigitte Petgen, um die Riesling-Ernte in einem wahren Kraftakt einzufahren. Einen kompletten Tag lang rackerten die Erntehelfer um Carlo Jakobs und Lech Prykowski, die Weintrauben von der Stirnseite der Ayler Kupp zu lesen und wie in der "guten alten Zeit" mit der Hotte talabwärts zum Traktor zu schaffen. Mit von der Partie waren auch Lisa (17) und Max Petgen (13), die Kinder des Winzerehepaars Ralf und Brigitte Petgen. Sie nutzten die Herbstferien, um mit Hand anzulegen, zumal es in dem Weingut seit Wochen rundgeht.
Die hervorragenden Ergebnisse lassen Ralf Petgen jubeln: Sowohl Quantität als auch Qualität lägen nicht zuletzt dank der Niederschläge im Sommer und der Sonnenperiode im Herbst deutlich über den Ergebnissen der guten vergangenen Jahre. Bei seinem Riesling von der Saar konnte Ralf Petgen ein Mostgewicht um die 105 Öchsle messen. Und auch die Ergebnisse von der Obermosel sorgen für Freude. Die Ernte ist vor der angekündigten Regenperiode rechtzeitig unter Dach und Fach, wobei auch an der Obermosel ein hervorragender Jahrgang zu erwarten sei.
Im Perler Hasenberg, eine der besten Lagen der saarländischen Obermosel, hat Ralf Petgen bewusst seinen Riesling stehen lassen. Da sich die Trauben in prächtigem Zustand befänden, hofft der Winzer auf grimmigen Frost im November oder Dezember, um dann wieder einen hochwertigen Eiswein lesen zu können.
Davor gelte es jedoch, die aktuelle Ernte zu verarbeiten und den Most zu einem vorzüglichen Wein reifen zu lassen. Bis zum Jahresende wird es den Winzern jedenfalls nicht an Arbeit mangeln. Ein hervorragender Wein wird ihnen diesen Einsatz lohnen.

Empfehlungen

Kommentare