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Weiter warten auf den Supermarkt

(Wincheringen/Nittel) Der Wincheringer Rat hat beschlossen, das aktuelle Einzelhandelskonzept erst einmal nicht umzusetzen. Eine herbe Enttäuschung auch für die Nitteler. Denn diese Entscheidung hat für sie direkte Auswirkungen.

05.10.2017
Jürgen Boie
Wincheringen/Nittel Das Einzelhandelskonzept, das eine Lebensmittelgrundversorgung Nittels und Wincheringens sicherstellen soll, liegt vorerst auf Eis. Der Ortsgemeinderat Wincheringen hat auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, das vorliegende Konzept nicht zu verabschieden.
Zunächst soll ein Fachanwalt prüfen, ob das als Einzelhandelsfläche von Wincheringen favorisierte Grundstück an der B 419, das bisher von der Kreisverwaltung als nicht genehmigungsfähig eingestuft ist, nicht doch noch Teil des Einzelhandelskonzepts werden kann.
Der Nitteler Ortsbürgermeister Peter Hein und einige weitere Vertreter aus dem Nitteler Ortsgemeinderat hörten der Argumentation der Wincheringer Ratsmitglieder Johannes Philippi (Verein Wincheringen 21) und Carmen Philipps (SPD) genau zu.
Die beiden führten aus, warum die Ortsgemeinde Wincheringen dem "Interkommunalen Einzelhandelskonzept Nittel-Wincheringen" in seiner jetzigen Form nicht zustimmen könne. "Wir haben Fürsorge für die Zukunftssicherung Wincheringens", sagte Johannes Philippi.
Solange der Ortsgemeinderat Wincheringen diesem Einzelhandelskonzept nicht zustimmt, verschiebt sich auch der Antrag Nittels. Somit können die Nitteler ihren lange ersehnten Supermarkt ebenfalls nicht planen. Das Hauptproblem sehen die Wincheringer in der "Zwangsehe" mit Nittel, denn der Landesentwicklungsplan hat die beiden Dörfer dazu bestimmt, ein gemeinsames Grundzentrum für die Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs zu bilden. Für einen großflächigen Supermarkt (mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche) benötigt Nittel daher die Zustimmung Wincheringens.
Wincheringen würde gern einen Supermarkt im Ort haben. Das Problem: Im Ort gibt es (bislang) keine geeigneten Flächen und außerdem keinen Investor, der in der auf der Anhöhe gelegenen Ortslage bauen möchte. Einzig an der B 419 gegenüber der Brücke nach Wormeldingen hat eine Lebensmittelkette Interesse gezeigt, einen Supermarkt zu bauen. Doch dies lehnt die Kreisverwaltung entschieden ab, da dieser Standort außerhalb der eigentlichen Ortslage Wincheringens liegt.
Die Ratsmitglieder in Wincheringen sind dagegen weiterhin davon überzeugt, dass der Standort "Brückenkopf", wie er in der Diskussion genannt wurde, genehmigungsfähig ist und lassen nun kurzfristig durch einen Fachanwalt prüfen, ob ein Einspruch gegen die Entscheidung der Kreisverwaltung Aussicht auf Erfolg hat.
Für Nittel bedeutet das, dass es mit ihrem Supermarkt nicht weitergehen kann. Ortsbürgermeister Peter Hein bekam im Ortsgemeinderat Wincheringen die Erlaubnis, Stellung zum Wincheringer Beschluss zu nehmen. Hein war tief enttäuscht, und man sah ihm an, dass er Mühe hatte, seine Stimme unter Kontrolle zu halten.
Er machte deutlich, dass die Zeitverzögerung, die durch den Wincheringer Beschluss verursacht würde, möglicherweise dazu führt, dass sich der Investor von Nittel zurückzieht. Heins Einschätzung: "Ich glaube nicht, dass Wincheringen eine Chance hat, den Standort "Brückenkopf" genehmigt zu bekommen." Wincheringens Ortsbürgermeister Elmar Schömann zeigte Verständnis für die Enttäuschung der Nitteler Abordnung: "Wir wollen nicht die Nitteler Pläne behindern. Aber wenn wir dem Konzept jetzt zustimmen, ist die Möglichkeit weg, den ,Brückenkopf’ doch noch genehmigt zu bekommen."
Schömann deutete aber an, dass der Ortsgemeinderat Wincheringen dem Einzelhandelskonzept vermutlich dann zustimmt, wenn auch der Fachanwalt keine Chance sieht, den "Brückenkopf" gegen die Planung der Kreisverwaltung durchzusetzen.
"Letztlich muss das aber der Rat entscheiden. Wir würden so schnell wie möglich eine neue Sitzung einberufen, wenn es neue Erkenntnisse gibt", sagt Schömann.