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aus unserem Archiv vom 21. Februar 2012
Autor: Herbert Thormeyer Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Saarburg/Konz/Kell Drucken  E-Mail

Zu viel Wild schadet den Bäumen

Das Bundesagrarministerium hat vor kurzem eine leichte Zunahme der Schäden an Laub- und Nadelbäumen gemeldet. Der TV hat nachgehört, wie es um den heimischen Wald bestellt ist. Langfristig geht das Forstamt Saarburg davon aus, dass nur Mischwälder gesund überleben werden. Wild, Abgase und Dürre setzen den Bäumen zu.

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Saarburg/Konz/Kell. "Ein Baum hat es gerade am Anfang schwer", sagt der Saarburger Forstamtsleiter, Helmut Lieser, oberster Verwalter von 22 000 Hektar Kommunal- und Privatwald in den Verbandsgemeinden Saarburg, Konz und Kell. Wenn junge Bäumchen eine Trockenperiode und Spätfrost im Frühjahr überstehen, Wild die ersten Knospen frisst und später die Rinde wegbeißt ("schält"), müssen sie auch noch Wetter aushalten, das das Wachstum behindert.
"2011 kam fast alles zusammen", fährt Lieser fort. Besonders Bäume mit flachen Wurzeln wie die Fichte hatten im letzten Jahr extreme Probleme. Vier Monate lang, von Februar bis Mai, fielen statt 250 Liter nur 18 Liter Regen auf den Quadratmeter. Bei solch einer Trockenheit schafft es ein Baum nicht mehr, Wasser aus dem ausgetrockneten Boden bis ganz hinauf in die Krone zu bringen. Genügend Niederschlag gab es auch im Sommer nicht. Es folgte der trockenste Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881.
"Trockenheit ist nur zur Verhinderung von Käferbefall gut", weiß Lieser. Vorgeschädigte Bäume könnten sich andernfalls nicht mehr wehren. Rund 400 Meter Höhenunterschied liegen zwischen den Wäldern von Saarburg und Konz und denen im Gebiet der Verbandsgemeinde Kell - das sind unterschiedliche Klimazonen, die sich auch unterschiedlich auf den Wald auswirken. "Was für den Weinanbau gut ist, ist schlecht für den Wald", erklärt der Forstmann und meint damit das trockenere und wärmere Klima im Saartal. "Die Monokulturen der Fichtenwälder, einst von den Preußen hier angepflanzt, werden langfristig einem gesunden Mischwald weichen, der wesentlich widerstandsfähiger ist."
Zunehmend gefährden Stickoxide aus Autoabgasen den Wald. "Mit Wasser werden Stickoxide zu Salpetersäure. Das wird zum Problem für Blätter und Nadeln der Bäume, die im Sommer ihr Grün verlieren", beschreibt Lieser die Wirkung der Schadstoffe. Laubbäume halfen sich 2011, indem sie einen Teil ihrer Blätter vorzeitig abwarfen, um mit dem wenigen Wasser zurechtzukommen, das zur Verfügung stand.
Wie hoch der finanzielle Verlust durch diese Widrigkeiten für die Waldbesitzer ist, vermag Lieser nicht zu sagen. Auch nicht, welche Schäden das Wild anrichtet. "Westlich der Saar haben die Jäger das Reh- und Schwarzwild im Griff", sagt der Forstamtsleiter. Im Osten des Flusses schlagen jedoch Rehe, Hirsche und die wild lebenden korsischen Schafe zu.
Bis zu 200 junge Bäumchen werden pro Hektar mit einem Schutzmittel gegen das Beißen bestrichen, das zehn Jahre anhält. Die besten Bäume bekommen später Schutzmatten, die ebenfalls das Beißen des Wilds an den Bäumen verhindern sollen. Diese Maßnahmen, so Lieser, kosten pro Hektar zehn bis 20 Euro im Jahr, was das Ernteergebnis der Waldbesitzer mindert.
Die Jäger in den rund 100 Revieren fordert Lieser auf, für eine dem Lebensraum angepasste Dichte an Wildtieren zu sorgen - sprich, bei Bedarf zu reduzieren. "Nur so können die Beißschäden gemindert und die teuren Schutzmaßnahmen zurückgefahren werden", meint der Fachmann. Mit der Denkweise, dass hohe Pachtzahlungen auch eine hohe Wilddichte erforderen, müsse aufgeräumt werden. Viel Wild richte mehr Schaden an, als eine Jagdpacht einbringe.
Lieser sieht den Wald zudem in einem jahrelangen Kampf mit dem Klimawandel. "Mit gesunden Mischwäldern werden wir den Kampf gewinnen", sagt der Forstamtsleiter.
Extra
Das Forstamt Saarburg hat in den vergangenen Jahren immer mehr Stürme registriert, die sich negativ auf die Forstwirtschaft auswirken: 25. November 1984, ein Sturm, der wenig Schäden anrichtet. 27. Januar, 2. Februar, 28. Februar und 1. März 1990, Vivian und Wiebke werfen 200 000 Festmeter um. 26. Dezember 1999, Lothar richtet vor allem in Süddeutschland große Schäden an. 18. Januar 2007, Kyrill lässt 20 000 Festmeter fallen. 1. März, 9. März und 12. März 2008, Emma, Johanna und Kirsten haben 20 000 Festmeter auf dem Gewissen. 28. Februar 2010, Xynthia wirft 70 000 Festmeter um. doth




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