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Rosa Karneval in Trier: Tanzende Tanten, schlüpfrige Gags und Haue für die Politik

(Trier) Sexy Tänze, schlüpfrige Sketche und viel Kritik an aktueller Politik: Der Rosa Karneval nimmt auch in dieser Session kein Blatt vor den Mund und heizt etwa 1000 Besuchern bei der Premierensitzung im Messepark ordentlich ein. Etwas mehr Wärme hätte allerdings auch der Halle gut getan.

31.01.2016
Sebastian Klipp


Das Konzept funktioniert. Sexy Tänze und Gags unterhalb der Gürtellinie kommen bei den Besuchern der Rosa Sitzung traditionell gut an. So auch bei etwa 1000 Narren, die am Freitagabend die fünfstündige Premierensitzung im Trierer Messepark verfolgt haben. Das Motto in diesem Jahr: Gays Anatomie – in Anlehnung an eine amerikanische Krankenhausserie. An den Wänden der Halle hängen mehrere Leinwände. Sie zeigen alle das identische Skelett eines Menschen – nur die Überschrift variiert zwischen schwul, lesbisch, bisexuell und weiteren sexuellen Orientierungen. Die Botschaft ist klar: Jeder Mensch ist gleich, wie auch immer sein Liebesleben aussieht.

Besonders oft bekommt die CDU an diesem Abend ihr Fett weg. So spielt Klaas Michel in seiner politischen Rede auf die von Julia Klöckner geforderten Tageskontingente für Flüchtlinge an: „Ich seh schon Schilder wie im Phantasialand – noch drei Tage bis nach Deutschland.“ Auch Torsten Rech macht als Herminchen in seiner Büttenrede den ein oder anderen Scherz auf die CDU-Landeschefin. „Die Klöckner war letztens im Urlaub. Das weiß ich, die postet ja alles auf Facebook. Da gabs ein Foto, wo lauter Mücken um sie herumschwirrten. Da dachte ich schon: Wenigstens wird sie einmal umschwärmt. Am Ende hat sie ausgesehen wie eine griechische Behörde: Keine Stelle, die nicht bestochen war.“

Prissy und der kleine Prinz

Die Stimmung kocht das erste Mal so richtig hoch, als Stadtprinz Elmar I. mit seinem Hofstaat vor den Sechs-Tanten-Rat tritt. Sitzungspräsidentin Prissy ist mehr als einen Kopf größer als der Prinz. Das liefert dann auch die eine oder andere Steilvorlage für Gags: „Guck mal, ich kann genauso gut mit den Augen zwinkern, wie du“, sagt Elmar. Prissy kontert: „Hab ich jetzt nicht festgestellt.“ „Guckst du mir denn auch in die Augen?“ „Klar, die ganze Zeit, klappt sogar von oben über deine Brille rüber.“

Ehe Hoheit wieder abzieht, übergibt Prissy noch einen kleinen Erste-Hilfe-Koffer an den Stadtprinzen. Dort seien auch Hilfe-ich-will-witzig-sein-Pillen enthalten. „Da nimmste am besten gleich mal eine von“, sagte sie. Dem Prinzen bleibt nur noch der Konter mit einem charmanten Lächeln. Das Publikum verabschiedet die Gäste mit einem dreifachen: Trier, Maju!

Auch Tänze kommen am Abend nicht zu kurz: Das lesbische Ballett zeigt eine kreative Choreographie mit neonfarbenen Skeletten. Die Schmit-z-Tanzgruppe überzeugt zunächst im Nonnenkostüm und dann mit orientalischem Bauchtanz. Den letzten Tanz des Abends bietet, gewohnt professionell, die Showtanzgruppe Partyalarm aus Trier-Pfalzel.

Travestie in Rheinkultur zeigt die kölsche Künstlerin Regina Red, die mit etwas mehr als 20 Minuten den längsten Auftritt des Abends hat. Während sie einen kölschen Karnevalshit nach dem anderen ins Mikrofon schmettert, geht sie immer auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Der eine oder andere Mann in den ersten Reihen weiß da im ersten Moment gar nicht, ob er den Flirt erwidern oder verschämt weggucken soll. Es lachen am Ende aber alle.

Nicht ganz so heiß, wie das schlüpfrige Bühnenprogramm ist allerdings die Luft in der Messeparkhalle. So kommt es, dass so manche Oberschwester ihr Kostüm unter einer Jacke verbirgt. Der Stimmung tut dieser kleine Makel allerdings keinen Abbruch – die Besucher rücken bei zahlreichen Schunklern einfach ein Stück näher zusammen.

  
Die Mitwirkenden beim Rosa Karneval in chronologischer Reihenfolge: Tantenrat: Alex Rollinger (Programmregie), Klaas Michel, Nicola Kellermann, Nele Engel, Kerstin Thielen, Berthold Hirschfeld, Stefan Grandadam-Kronauer (Sitzungspräsidentin Prissy); Musikduo: Stefan Sorgen, Günter Thommes; Sketch (In der Aufnahme): Danny Gillessen, David Scherkenbach, Juliane Liell, Andy Hisgen, Sascha Klebig; Gesang: Susi Newel; Büttenrede (Ministerin zu Förderung der geistigen Klarheit): Klaas Michel; Sketch (Auf der Babystation): Nele Engel, Nicola Kellermann, Edgar Sonnen, Alex Rollinger, Kerstin Thielen, Caroline Hermes; Schmit-z-Tanzgruppe (Mutterhaus bei Nacht): Andi, Marco, Marc, Juliane, Tim, Nine, Susi, Tobi, Danny, Sascha, Oli, David; Büttenrede (Zahnfee): Edgar Sonnen; Garde: Dreis; Stadtprinz Elmar Güth samt Hofstaat; Vortrag (Rotes und weißes Blutkörperchen): Dietmar Kruppert, Philipp Gonder; Büttenrede (Forscher der schwulen Anatomie): Günter Thommes; Kondomnummer: Edda, Danny, Tobi; Bettenelse: Stefan Sorgen; Sketch (In der Pathologie): Alex Rollinger, Edgar Sonnen, Oli Michel, Klaas Michel; Lesbisches Ballett: Stina, Nicola, Nicole, Sunny, Steffi, Kerstin, Caro, Nina; Büttenrede (Herminchen): Torsten Rech; Tanz (Die guten Engel der Station): Edda, Marco, Marc, David, Oli, Danny, Andy; Regina Red (Travestieshow): René Schaffrath; Showtanzgruppe Partyalarm; Gesang: Harald Junckes.  
Extra: Bester Spruch
Günter Thommes als Forscher der schwulen Anatomie: „Streiten sich zwei Tunten im Supermarkt. Sagt die eine: Leck mich am Arsch. Sagt die andere: Von Versöhnung war hier keine Rede.“ 

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