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Trierer Narren trotzen dem Regen (Fotostrecke/Videos)

(Trier) Stadtpatron Petrus als Spaßbremse? Nicht ganz: Bei Dauerregen ist die Prinzenproklamation auf dem Trierer Hauptmarkt über die Bühne gegangen. Die etwa 400 Narren, die trotzdem um 11.11 Uhr dabei waren, hatten dennoch ihre Freude am offiziellen Start in den Straßenkarneval.

04.02.2016
Roland Morgen/Sebastian Klipp


Prinz Elmar kommt ohne Prinzessin Semra (laut offizieller Darstellung immer noch krank darniederliegend), dafür aber mit weiblichen Bodyguards: Verena Quint und Julia Falk sind in hautengen Kampfanzügen bei der Attacke aufs Rathaus dabei. Die martialische Montur ist nur was fürs männliche Auge, aber rein sachlich betrachtet gar nicht nötig. Der Widerstand von Stadtgarde Augusta Treverorum und Stadtverwaltung gegen die Narreninvasion ist so gering, dass OB Wolfram Leibe ob des fragwürdigen Defensivverhaltens glatt denken könnte, man wolle ihn nach nur zehn Monaten Amtszeit schon wieder loswerden.

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Freiwillig abhauen geht nicht mehr, also krallen der Verwaltungschef, Bürgermeisterin Angelika Birk und Baudezernent Andreas Ludwig ihre vorsorglich gepackten Köfferchen und lassen sich vom Augustinerhof quer durch die Fußgängerzone zum Hauptmarkt abführen, wo der öffentliche Teil des Machtwechsels über die Bühne geht. Um Punkt 11.11 Uhr ist der OB den Stadtschlüssel los und Prinz Elmar Stadtoberhaupt.

Leibes letzter Joker sticht nicht. Seine Drohung, der Stadtvorstand reise jetzt nach Hawaii, lasse die Narren mit den sattsam bekannten Problemen (kein Geld, gewaltiger Sanierungsstau) alleine und komme vielleicht erst 2017 zurück, kommentiert ein Zwischenrufer aus dem Publikum mit „Mach doch!“

Tollität Elmar zeigt sich ebenfalls ungerührt. Er weiß, wie er an Zaster kommt: „Sämtliche Einnahmen aus dem Einsatz der städtischen Blitzer fließen in die Prinzenkasse“, heißt es in Paragraf 9 der von ihm erlassenen und verlesenen närrischen Gesetze. Elfter und letzter Paragraf: „Trier ist die neue Narrenhochburg von Europa.“

Mit Höhenangst zu Petrus

Angesichts der widrigen Witterungsverhältnisse eine gar nicht mal abwegige Behauptung. Denn trotz strömenden Regens lässt sich das Publikum die Laune nicht vermiesen.
Die Stimmung ist prächtig. Und der Prinz ein guter Bluffer, der trotz stadtbekannter Höhenangst die obligatorische „Luftnummer“ tapfer lächelnd absolviert. Per Drehleiter der Berufsfeuerwehr Trier geht es in fast acht Meter Höhe zur Brunnenfigur von Stadtpatron Petrus, die – wie alle Weiberfastnachtstage wieder – mit einem Orden und einem Blumengebinde geschmückt wird. In Ermangelung der Prinzessin assistiert Adjutant Marc Bruder dem Prinzen bei diesem traditionellen Akt, der gutes Wetter für den Straßenkarneval bewirken soll. Gestern zeigte sich Petrus erst spät gnädig. Gegen 16 Uhr setzt eine längere Regenpause ein – aber da ist die von Alexandra Meusel moderierte Veranstaltung in der markierten Zone, in der die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) Hausrecht hat – auch schon gelaufen. Und zwar besser, als angesichts der widrigen Bedingungen zu erwarten war. 
Waren beim Auftakt-Brimborium mit Machtwechsel rund 400 Narren dabei, so dominiert später jugendliches Publikum in vierstelliger Besucherzahl die Szenerie und feiert zu Klängen der Bands Kamelle Kapelle, de Hofnarren, Leiendecker-Bloas, Fun 2.0 und DJane Rent a Sunshine (Sonja Storz) eine fette Fete.

Veranstalterbilanz positiv

ATK-Präsident Andreas Peters zieht eine positive Bilanz: „Über den Tag verteilt haben hier einige Tausend Menschen fröhlich und friedlich gefeiert. Und damit gezeigt, dass wir keinen ,Narrenkäfig’ und sonstige Einschränkungen brauchen. Wir danken der Polizei und der Stadt für die gute Unterstützung.“
Nun steht die nächste große Herausforderung vor der Tür: der Rosenmontagszug. ATK-Zugleiter Georg Heinen hatte gestern Abend fast 100 Fußgruppen und Wagen auf der Liste. Kurzentschlossene, die am größten Umzug der Region (Start am Montag um 12.11 in Trier-Süd) teilnehmen wollen, können sich via www.atk-trier.de informieren und anmelden




 

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