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20 Trierer Bands suchen neue Proberäume

(Trier) Nicht nur die Suche nach einer Wohnung kann in Trier schwierig sein: Weil ein Haus in der Güterstraße abgerissen wird, suchen 20 Bands jetzt gemeinsam nach neuen Proberäumen. Auch die Stadt soll ihnen helfen.

10.10.2017
Lisa Bergmann
Die Abrissbirne kommt, so viel ist sicher. Was niemand weiß: Wann kommt sie? Nicht einmal der Eigentümer des Hauses in der Güterstraße kann konkrete Angaben machen. Das Haus, um das es geht, ist kein Wohnhaus. Hier versammeln sich Trierer Kulturschaffende: 21 Bands, eine Theatergruppe, ein Tanzclub und ein Karnevalsverein. Die Gruppen haben hier Probenräume gemietet.

Das freie Theaterprojekt Bühne 1 zum Beispiel. Seit März kommen Mihails Gubenko und sein Team hier regelmäßig zusammen, um neue Stücke einzustudieren. Sie hätten nicht nur Platz zum Proben, sondern auch für das Equipment. „Dazu eine Küche und eine Heizung: Perfekter geht es nicht“, sagt Gubenko.

Wie alle anderen Gruppen auch hat der Tanzclub Fantasy einen auf sechs Monate befristeten Mietvertrag – der sich bislang automatisch verlängert. Im Unterschied zu Bands und Theaterleuten wissen die Tänzer aber schon, wie es weitergeht: Sie haben eine leer stehende Lagerhalle in der Schönbornstraße gefunden. 160.000 Euro investieren sie laut Tanztrainerin Inge Pelzer in den Umbau. Nach 17 Jahren in der Güterstraße steht damit für den Club bald der Umzug an.

Dass heute neben Theater und Tanz auch die Musik hier spielt, ist Dieter Hauser zu verdanken. Er kannte den Vorbesitzer des Gebäudes, das nach seinen Angaben damals schwer zu vermieten war. Hauser war zugleich auf der Suche nach einem Probenraum für seine Band. „In Trier sind solche Räume Mangelware“, sagt er. Also habe er in dem Gebäude einen solchen Raum installiert, „auch um den Verfall zu stoppen“. Mittlerweile sind es 17 Probenräume, der selbstständige Designer Hauser hat hier außerdem sein Büro eingerichtet.

Vor eineinhalb Jahren schließlich kaufte der Konzer Bauunternehmer Emrah Bayindir mit seiner Firma EB-Bau Grundstück und Gebäude. Nach eigenen Angaben will er hier Sozialwohnungen errichten. Der alte Gebäudekomplex samt der Probenräume muss dafür weichen. Und für die Mieter muss eine Alternative her. Auch wenn niemand weiß, wann sie das Haus in der Güterstraße räumen müssen. Bayindir glaubt, dass er frühestens in zwei Jahren mit dem Bau beginnen kann. Gerade erst habe er die Baugenehmigung für ein anderes Projekt in der Luxemburger Straße erhalten. Erst wenn das beendet ist, wird es in der Güterstraße losgehen. „Ich habe ja auch nur zwei Hände“, sagt Bayindir.

Hauser jedenfalls will nicht mehr warten. 20 der Bands aus der Güterstraße haben sich jetzt zusammengeschlossen und suchen gemeinsam nach einem neuen Objekt. Er hofft auch auf ein Entgegenkommen der Stadt. „Wir würden von keiner Bank einen Kredit bekommen“, sagt er. Ein leer stehendes Gebäude in städtischer Hand könnte die Lösung sein, glaubt er. Und bietet an, dass die Bands neben der Miete auch kleine Beiträge zur Instandhaltung des Gebäudes leisten. „Wir helfen der Stadt, und die Stadt hilft uns“, sagt Hauser.
 

Die wiederum zeigt sich durchaus kooperativ: „Wenn die Bands im vorliegenden Fall mit der Stadt Kontakt aufnehmen, werden die zuständigen Ämter alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihnen weiterzuhelfen“, sagt Stadt-Sprecher Michael Schmitz. Wie diese Hilfe konkret aussehen könnte, ist aber vorerst unklar. Bei der Suche nach Proberäumen sei man weitestgehend auf private Eigentümer angewiesen.

Doch egal wie es für die Bands aus der Güterstraße weitergeht, eines ist Hauser wichtig: „Dem Eigentümer ist hier niemand gram“. Der Abriss sei Bayindirs gutes Recht. Auch was irgendwann mal auf dem Grundstück stehen soll, ist für die Bands nicht relevant. „So was ist eine normale städtische Entwicklung.“ Die Musiker konzentrieren sich jetzt lieber auf die Immobilien-Suche.


Meinung

Die Zeit drängt


Mindestens zwei Jahre, glaubt der Eigentümer, dauert es noch bis zum Abriss: Das klingt erst mal nach viel Zeit. Doch wer in Trier schon mal eine Wohnung oder ein Haus gesucht hat, der weiß, was das für ein langwieriger, manchmal frustrierender Prozess sein kann. Da können auch zwei Jahre ergebnislos verstreichen. Musiker Hauser und die Bands tun deshalb gut daran, schon jetzt mit der Suche zu beginnen. Und die Stadt täte gut daran, dabei zu helfen – so gut es eben geht. Denn auch Bands und freie Kulturprojekte gehören zur Stadt und sollten dort nicht nur auftreten, sondern auch proben können. Ohne Übung gibt es kein Konzert, kein Theaterstück, kein Tanzen. Die Zeit drängt – für alle Beteiligten.

l.bergmann@volksfreund.de