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444 - NPD Trier will beim nachgeholten Rosenmontagszug mitgehen - Update: ATK sagt Nein

(Trier.) Mit einem hunderttausendfach geklickten Internet-Video haben sich vier Mitglieder der rechtsextremen NPD aus Trier im vergangenen August nach Kräften lächerlich gemacht. Unter dem Motto "Vier für Trier" will die NPD nun beim nachgeholten Trierer Rosenmontagszug mitgehen. Die ATK hat eine deutliche Absage erteilt

12.02.2016
Michael Schmitz

Wohl selten ging Propaganda derart nach hinten los wie beim 444-Video der Trierer NPD, das im vergangenen Jahr zum Internethit wurde. Vier Mitglieder der rechtsextremen Partei, darunter der Vorsitzende Safet Babic, kündigten in dem Video Anfang August eine Kundgebung an. Sie waren darauf mehrfach - am helllichten Tag - mit brennenden Fackeln und martialischen Sprüchen zu sehen. Das Video wurde im Netz hunderttausendfach geklickt, weil sich Nutzer in den Netzwerken über die vier NPDler lustig machten. Es gab zahllose Parodien des Videos, selbst ZDF-Neo-Royal-Moderator Jan Böhmermann und Fernseh-Komiker Oliver Kalkofe veräppelten die NPDler.

Jetzt macht NPD-Chef Safet Babic in Trier wieder von sich reden: Am Freitagvormittag meldete er per Email eine Fußgruppe für den Nachholtermin des Trierer Rosenmontagszugs am Samstag an. "Vier für Trier" laute das Motto, schrieb Babic, der seine Anmeldung auch den Medien zukommen ließ. Das Motto der Fußgruppe sei "Bunte Willkommenskultur - Volksverdummung pur". Neben diesem Motto nennt Babic weitere Sprüche, darunter "Gestern angebliche Fachkräfte beklatscht, heute von Asylbetrügern begrapscht!"

Die Gruppe verstehe sich "als nationale PR-Guerilla", schreibt Babic weiter und nimmt, gerichtet an den Zugleiter der Karnevalisten, Bezug auf das 444-Video. "Unser bundesweit bekannter Politainment-Ansatz dürfte gut in Ihr Konzept passen." Als Hilfsmittel wolle die Gruppe vier Fackeln einsetzen. Babic, der als "Politologe M.A." unterschreibt, verweist in der Email darauf, die SPD Trier werde ja auch am Umzug teilnehmen. Deshalb sei die Teilnahme seiner "asylkritischen Fußgruppe" geboten, um die politische Pluralität des Umzugs zu unterstreichen.

Veranstalter des Umzugs, der am Rosenmontag aufgrund der Sturmwarnung abgesagt worden war, ist die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK), ein Dachverband der Karnevalsgesellschaften in Trier. Zugleiter Stefan Feltes sagte am Abend, die ATK werde der NPD die Teilnahme am Umzug nicht genehmigen. Die ATK sei ein Dachverband, der keine Versammlungen oder Fackelzüge organisiere, sondern Kultur, Tradition und Brauchtum pflege. Der Umzug sei keine politische Veranstaltung, sondern ein karnevalistischer Umzug für die ganze Familie. An Babic gerichtet schreibt Feltes: "Ihre Anmeldung lässt diese positive, allen Menschen gegenüber freundliche Gesinnung nicht im Ansatz erkennen (...) Ihrer Anmeldung wird somit nicht statt gegeben, und sie ist abgelehnt!"

In seiner Stellungnahme nimmt Stefan Feltes, der zugleich auch Vizepräsident der ATK ist, Babics Anmeldung weiter auseinander. "Bunte Willkommenskultur – Volksverdummung pur!" Das sei kein karnevalistisch akzeptables Motto, schreibt Feltes. Politische Propaganda habe nichts im Karneval zu suchen. Babics Hinweise auf mangelnde politische Pluralität weist Feltes ebenfalls zurück. Die SPD nehme nicht am Umzug teil. Babics Vorwurf, die ATK vertrete einseitige politische und kommerzielle Interessen, sei deshalb auch falsch. Feltes: "Grundsätzlich ist die ATK neutral, da wir mehr Farbkombination und Interessen vertreten, als der Stadtrat besitzt." Die von Babic geplanten Fackeln seien nicht erlaubt, seine Anmeldung darüberhinaus formell komplett falsch, weil die entsprechenden Formulare fehlten.  Die von Babic übersandten "närrischen Grüße" kommentiert Feltes denn auch abschließend mit "Denken Sie mal drüber nach."
 
Der nachgeholte Rosenmontagszug startet als "In-der-City-(Um)Zug" am Samstag um 19.11 Uhr in Trier-Süd (Aufstellung in der Saarstraße) und führt durch die Fußgängerzone bis zur Christophstraße. 

 

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