region/trier

Auf vier Rädern zur Energiewende

Stadtwerke und Hochschulen erforschen im Projekt "econnect" Elektromobilität - Probanden testen Elektroautos

(Trier) Bis 2020 sollen nach dem Willen der Bundesregierung eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Das Forschungsprojekt "econnect Trier" dient als Leuchtturmprojekt für den Durchbruch der Elektromobilität. Die Stadtwerke Trier untersuchen in Kooperation mit den Trierer Hochschulen die Nutzung und Akzeptanz von Elektrofahrzeugen.

23.01.2013
Marcel Wollscheid
Trier. Wer im Trierer City-Parkhaus das Ticket aus dem Automaten löst und die Schranke durchfährt, betritt ein "Parkhaus der Zukunft". So haben die Stadtwerke Trier ihr Haus in der Zuckerbergstraße im Zuge des Forschungsprojekts "econnect" benannt. Der bundesweite Forschungsverbund von Stadtwerken und regionalen Energieversorgern erforscht die Frage, wie Strom aus regional erzeugten erneuerbaren Energien in Elektrofahrzeugen genutzt werden kann.

Start einer neuen Phase


Eine Lösung zeigt das Trierer City-Parkhaus: Im Erdgeschoss können Elektrofahrzeuge an mehreren Strom-Ladestationen aufgeladen werden, in einer stationären Batterie wird überschüssiger Strom zwischengespeichert. Mit dem kommenden Bau einer eigenen Photovoltaik anlage auf dem Dach wird das Parkhaus zum autarken Energiesystem.
Das City-Parkhaus ist nur ein Mosaikstein im Forschungsprojekt "econnect", das durch Fördergelder des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützt wird. In Kooperation mit der Hochschule Trier, der Universität Trier und dem Technologiekonzern ABB erforschen die Stadtwerke da rüber hinaus die Nutzung von Elektrofahrzeugen.
Mit einem Feldversuch startet das Projekt in Trier nun in eine neue Phase. 90 Probanden werden in den kommenden Monaten mit Elektrofahrzeugen des Typs Citröen C-Zero ausgestattet. Ein eingebauter Rechner zeichnet die Nutzung der Fahrzeuge im Alltag auf. Psychologen der Universität Trier untersuchen dabei auch die Einstellung der Fahrzeugnutzer und ihre Akzeptanz der Elektromobile. Das Ziel des Versuchs: "Wir wollen herausfinden, ob der Autofahrer bereit ist, bei der Energiewende mitzuspielen", erklärt Falko Willmes von den Stadtwerken Trier. Über einen Touchscreen in der Fahrzeugkonsole können die Probanden ihren Ladeprozess an der Steckdose steuern, indem sie die vor aussichtliche Distanz ihrer nächsten Fahrt einstellen. Im Idealfall tanken die Testfahrer damit nur den Strom, den sie tatsächlich für ihre Fahrten verbrauchen. Nicht genutzter Strom könnte nach Bedarf wieder ins Netz der Stadtwerke eingespeist und rückvergütet werden.
"Man kann das eigene Auto als Mini-Börse begreifen: Ich kann Strom günstig laden und eventuell mit Profit wieder an die Stadtwerke zurückverkaufen", sagt Professor Dr. Christian Frings, Psychologe an der Universität Trier. Doch sind die Autofahrer bereit, ihren Verbrauch vorab zu planen und Energie gesteuert zu laden? "Das erfordert, dass die Menschen das Energiekonzept verstehen und Vertrauen in die Technik aufbauen - im Bewusstsein, etwas Gutes für die Umwelt zu tun", meint Frings.
Der Durchbruch von Elektrofahrzeugen ist eng mit der Energiewende in Deutschland verknüpft. Schließlich mache Elektromobilität "nur dann Sinn, wenn die Energie aus regenerativen Quellen gewonnen wird", sagt Informatik-Professor Dr. Jörn Schneider von der Hochschule Trier.

Ziel: Vernetzung von Energien


Mit den Erkenntnissen aus dem Feldversuch und dem Parkhaus der Zukunft wollen die Trierer Stadtwerke 2014 den nächsten Schritt zur Energiewende tun. Die Zukunftsvision beschreibt SWT-Ingenieur Willmes: "Das Ziel ist die Vernetzung von allen regionalen Energiequellen, vom Windrad über die Solaranlage auf dem Dach bis hin zum Stromspeicher auf vier Rädern. Dafür ist die Elektromobilität ein wichtiger Faktor, für den wir mit unserem Projekt einen Grundstein legen möchten."
Viele Kunden schrecken aus Kostengründen, der geringen Reichweite und langen Ladezeiten noch vor Elektrofahrzeugen zurück. "Entscheidend ist, dass die Menschen Elektromobilität im Alltag erleben und die Vorteile der Technik spüren. Dann kann der Durchbruch gelingen", ist sich Schneider sicher. Es bleibt ein weiter Weg zur grünen Mobilität.

Empfehlungen

Kommentare