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aus unserem Archiv vom 02. Dezember 2010
Autor: Von unserem Redakteur Michael SchmitzOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Ausschuss gibt Eissporthalle nicht auf

Die neue Eisbahn auf dem Kornmarkt erfreut sich großer Beliebtheit. Die Eissporthalle in Trier-Euren dagegen steht vor dem Aus, weil sie marode und sanierungsbedürftig ist. Die Stadtverwaltung würde sie am liebsten noch 2011 abreißen lassen. Doch im Stadtrat regt sich Protest.

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747 Menschen haben bis Donnerstagabend, 19.30 Uhr, eine Online-Petition zum Erhalt der Trierer Eishalle unterschrieben ( www.openpetition.de/petition/zeichnen/eissporthalle-trier). "Wir fordern (…) die umgehende Sanierung der Eissporthalle Trier, so dass zur kommenden Saison ein Eissportbetrieb möglich ist sowie die zügige Wiederüberdachung der Eissporthalle", heißt es in der Unterschriftensammlung im Internet.
 
Sie kommt möglicherweise zu spät, denn die Stadtverwaltung hält die marode und seit Jahren geschlossene Eishalle für nicht zu retten. Im Dezernatsausschuss II wurde gestern in nicht-öffentlicher Sitzung über das endgültige Aus beraten. Der Gastronom Eric Naunheim und der Betriebsstättenleiter der Eissporthalle, Werner Kinzig, hatten der Stadt das Angebot gemacht, mit der privaten "Eisfreizeit-GmbH in Gründung" Sanierung und Betrieb der Halle zu übernehmen. Die entsprechenden Pläne und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der GmbH hat die Stadt nun prüfen lassen - mit negativem Ergebnis, wie die dem TV vorliegenden Unterlagen zeigen:
 
Vergabe:
Schon der grundsätzliche Plan, die Eisfreizeit GmbH mit Betrieb und Sanierung der Eishalle zu beauftragen, scheitert nach Ansicht der Verwaltung daran, dass dies rechtlich nicht möglich ist. Stattdessen müsste die Konzession europaweit ausgeschrieben werden.
  
Wirtschaftlichkeit: Im Konzept der Eisfreizeit GmbH fehlen die Personalkosten für den Eismeister und einen weiteren Mitarbeiter, die Ansätze für Personalkosten hält die Stadt für "nicht plausibel". Für die Betriebszeit von 25 Jahren wird ein negatives Ergebnis von zwei Millionen Euro prognostiziert. Ohne jährlichen Zuschuss durch die Stadt könne die Halle nicht wirtschaftlich betrieben werden. Ein jährlicher Zuschuss von rund 300 000 Euro floss allerdings schon immer in den Betrieb.
 
Baubestand: Die Stadt bewertet die Lage der Eissporthalle in der Nähe zum Gewerbegebiet als ungünstig. Die Erreichbarkeit besonders für Jugendliche sei mangelhaft. Kosten für einen Neubau mit Erweiterung lägen zwischen 2,7 und 5,1 Millionen Euro, schätzt die Stadt. Sie hat wegen der vergaberechtlichen Probleme aber die Baukosten gar nicht erst weiter im Detail erforscht.
 
Verkehrswert: Laut dem Gutachterausschuss der Stadt liegt der Verkehrswert der Halle mit Nebengebäuden und Clubhaus bei einem Euro. Den Verkehrswert für das Bauland mit Sportnutzung beziffert die Stadt auf 40 000 Euro.
 
Fazit: Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat vor, den Betrieb der Eissporthalle grundsätzlich einzustellen, "da die Investitions-, Betriebs- und Folgekosten den städtischen Haushalt dauerhaft und nachhaltig belasten." Das sei "als Beitrag zur Konsolidierung eines strukturell bedingten Haushaltdefizits erforderlich."
 
Wie geht es weiter: In den Haushalt oder Nachtragshaushalt 2011 sollen laut Stadtratsvorlage Mittel für "Rückbauarbeiten" eingestellt werden, das ist Behördendeutsch für den Abriss. Was dann mit dem Grundstück geschieht, ist noch offen.
 
Geplant war zunächst, dass diese Vorlage der Verwaltung gestern im Dezernatsausschuss beschlossen werden sollte. Das wäre das Aus für die Eisbahn gewesen. Überraschend hat sich aber auch innerhalb des Stadtrats Widerstand gegen die endgültige Schließung formiert. Nach TV-Informationen wurde in der Ausschusssitzung über eineinhalb Stunden über die Eisbahn diskutiert, und die Vorlage der Stadt dann nicht beschlossen. Die Entscheidung fällt nun in einer der nächsten Stadtratssitzungen. Mehrere Stadtratsmitglieder aus unterschiedlichen Fraktionen wollen sich nach TV-Informationen mit der Schließung nicht abfinden. Die sporttreibenden Vereine, die derzeit nach Bitburg ausgewichen sind, haben damit eine Galgenfrist. Denn Werner Kinzig, Vorsitzender des Eissportclubs Trier, und Romano Glasner vom Eishockey Sport Club Plätt Devils Trier e.V. sagen unisono, das Aus der Eishalle sei vermutlich auch das Aus für ihre Vereine. Nun sollen weitere Proteste folgen. Und die Online-Petition soll helfen, sagt Glasner: "Vielleicht lassen sich im Stadtrat ja noch mehr Mitglieder umstimmen."


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