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Basteln, Wandern and Putzen

Seit 13 Jahren lebt die aus Südafrika stammende Journalistin und Autorin Anli Serfontein in Trier. Ihre Erlebnisse mit den Deutschen im Allgemeinen und den Trierern im Speziellen hat sie in einem bisweilen bissigen, höchst unterhaltsamen Buch festgehalten, das nun auf skurrilen Umwegen auch den deutschen Markt erreicht hat.

07.10.2008
Von unserem Redakteur Dieter Lintz
Trier. Anli Serfontein lebt da, wo Trier am beschaulichsten ist: in einem ruhigen Seitenarm von Olewig, das Haus von hohen Bäumen umsäumt, großer Garten, viel Fensterfläche.
 
Als die Tochter eines renommierten südafrikanischen Journalisten 1976 auf Schüleraustausch erstmals an die Mosel kam, hätte sie sich schwerlich träumen lassen, dass sie irgendwann hier leben würde. Doch nach Film- und Literaturstudium in Johannesburg, Fernseh-Ausbildung in den Niederlanden und Korrespondententätigkeit für die ARD in Südafrika landete sie 1995 aus familiären Gründen in Trier. Seither lebt sie mit Ehemann und zwei Töchtern in Olewig, arbeitet frei für die BBC und Reuters, bringt nebenher Managern Business-Englisch bei. Und sie notiert regelmäßig, was ihr im deutschen Alltag auffällt.
 
Letzterer Gewohnheit verdankt sich ein ausgesprochen lesenswertes Buch, das von Kritikern nicht zufällig mit den Werken eines Erfolgsautors wie Wladimir Kaminer verglichen wird. "Basteln, Wandern and Putzen" wirft in 46 Episoden Schlaglichter auf die Eigentümlichkeiten, Gewohnheiten und Gebräuche der Deutschen.
 
Warum man hierzulande nicht Schlange stehen kann, wie es um das Essverhalten bei Parties steht, weshalb die Deutschen einen Fetischismus um Titel und Grade betreiben, wie es um die Höflichkeit im Bus bestellt ist, welch geniale, andernorts unbekannte Erfindungen es gibt: Anli Serfontein hat es mit dem wachen Auge einer Journalistin und dem staunenden Blick einer Zugezogenen festgehalten und sehr kurzweilig zu Papier gebracht.
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