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Bei allen Bränden beim Löschen dabei: Feuerwehrmann in Trier vor Gericht

(Trier) Der freiwillige Feuerwehrmann, der angeklagt ist, im Frühjahr in Trier-Zewen mehrere Brände gelegt zu haben, hat vor Gericht die Vorwürfe bestritten. Harte Beweise gegen den 28-Jährigen brachte der erste Prozesstag nicht.

14.11.2017
Christiane Wolff
Trier "Wie sind Sie aufgewachsen?” Diese Frage stellt Armin Hardt, Vorsitzender Richter am Trierer Landgericht, regelmäßig als erstes. Denn fast nie sind die Angeklagten in beschützten, liebevollen, intakten Familienverhältnissen groß geworden. Bei dem 28-jährigen G., der im Frühjahr 2017 drei schwere Brände in Trier-Zewen gelegt haben soll, sieht’s zunächst gut aus: der Vater arbeitet als Angestellter, die Mutter ebenfalls voll berufstätig. Die Familie wohnt im eigenen Haus in einer ruhigen Gegend von Kürenz. Die Hauptschule schließt G. mit einem Notenschnitt von 1,9 ab. Er macht seinen Realschulabschluss, eine Handwerkerlehre und wird vom Ausbildungsbetrieb übernommen.
Die äußeren Bedingungen scheinen stabil. Dann erzählt G. von den ständigen schmerzhaften Erniedrigungen durch seine Eltern. Es fällt dem großen, kräftigen und gepflegten Mann sichtlich schwer, über die Angriffen auf seine Intimsphäre zu erzählen. "Später war ich der einzige meiner Geschwister mit abgeschlossener Ausbildung. Meiner Mutter hat es allerdings nicht gefallen, dass ich ein selbstständiges Leben führen wollte", sagt er.
Mit 18 zieht er aus und gerät auf die schiefe Bahn. Einbrüche, Fahren ohne Führerschein. 2012 muss er für mehrere Monate ins Gefängnis. Mit Mitte 20 zieht er zurück zu seinen Eltern. Die beschuldigen ihn nur wenig später, Geld und Schmuck von der Mutter geklaut zu haben. Vater und Mutter lassen ihren Sohn von der Polizei abholen. Hinterher stellt sich raus, dass einer seiner Brüder der Übeltäter war. Die neuerliche Verletzung heilt das nicht. "Ich habe seitdem keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern", berichtet G. vor Gericht. Mit seiner Freundin zieht er in Trier-Zewen zusammen. Anfang 2014 wird er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. "Er zeigte von Anfang an über alle Maßen Einsatz, ihm war keine Aufgabe zu anstrengend - so viel Engagement habe ich noch nie bei einem Kollegen erlebt", berichtet der Löschzugführer der Zewener Wehr als Zeuge vor Gericht.
Im Dezember 2016 kommen dem Feuerwehrchef die ersten Zweifel. "In der Straße, in der G. damals lebte, gab es kurz hintereinander zwei Einsätze: Einmal war in einer Wohnung Essen angebrannt, einmal gab es einen Kellerbrand im Haus, in dem G. wohnte. Dann zog er um - und unmittelbar darauf brannte es an seiner neuen Adresse im Haus gegenüber." Weil G. allerdings so hilfsbereit und freundlich gewesen sei und man sich auch privat verstand, habe er die Zweifel verdrängt, berichtet der Löschzugführer.
Am 13. Januar ging es dann richtig los: "Ab da brannte es in und um Zewen regelmäßig im Abstand von zwei, drei Wochen", berichtet der 54-Jährige. "Mir fiel auf, dass G. nach der Alarmierung immer sehr früh an unserem Feuerwehrgerätehaus war - allerdings wohnte er auch nur etwa 500 Meter weit weg."
Ob sein Verhalten tatsächlich auffällig war, oder ob seine Feuerwehrkollegen sich nach seiner Festnahme etwas zusammenreimten, darum ging es auch bei den Aussagen zweier weiterer Zeugen: Beide Feuerwehrkollegen gaben an, dass G. bei zwei der angeklagten Taten - beim Feuer in der Angelvereinshütte im Ortsteil Oberkirch und beim Brand dreier Holzschuppen an der Wasserbilliger Straße - bei der Anfahrt im Feuerwehrauto die Richtung vorgegeben habe. "Da wussten wir noch gar nicht, wo es genau brannte", berichtet ein 26-jähriger Feuerwehrmann. Ein zweiter Wehrkollege bestätigt: "Beim Brand der Fischereihütte hieß es erst, das Gasthaus Zum Mosellaner würde brennen. Wir fuhren da hin, aber G. sagte gleich, dass wir weiter fahren müssten."
Bei ihren ersten Vernehmungen bei der Polizei hatten die beiden Zeugen allerdings nicht zu Protokoll gegeben, dass G. bei den Einsatzfahrten die Richtung vorgegeben habe. "Mir ist das erst im Nachhinein wieder eingefallen", berichtet einer der beiden. "Und haben Sie sich dann wirklich wieder daran erinnert, oder kam das erst, weil Sie mit den anderen Feuerwehrkollegen die Sache beredet und nach möglichen Auffälligkeiten gesucht haben?", hakt Richter Hardt nach. "Es war so, dass mir das dann irgendwie wieder in den Kopf gekommen ist", erklärt der Zeuge.
Es gibt aber auch Indizien, die nicht auf möglicherweise falschen Erinnerungen basieren: Bei allen drei angeklagten Bränden war G. nur wenige Stunden zuvor in direkter Nähe mit seinem Mofa unterwegs gewesen. Zufall, behauptet G. vor Gericht. Einmal habe er wegen eines Auspuffschadens anhalten müssen. Bei den beiden anderen Bränden sei er in der Natur unterwegs gewesen, um sich von seinen Panikattacken zu erholen. "Das mache ich oft, ich muss dann einfach ein paar Minuten mit mir alleine sein." Der als Zeuge geladene Wehrleiter bestätigte, dass G., der bis zu seiner Verhaftung als festangestellter Handwerker arbeitete, sich regelmäßig kurze Auszeiten genommen habe. Harte Beweise, wie Fingerabdrücke, Fuß- oder Reifenspuren, brachte der erste Prozesstag nicht. Am Mittwoch, 9 Uhr, wird die Verhandlung fortgesetzt.
Extra: ERMITTLUNGEN EINGESTELLT

Ursprünglich war G. von der Polizei verdächtigt worden, 14 Brände gelegt zu haben. Allerdings konnten nur bei drei Bränden ausreichend starke Indizien für seine mögliche Täterschaft ermittelt werden. Bei den übrigen elf Brandstiftungen wurden keine Indizien gefunden, die für einen hinreichenden Tatverdacht und eine Anklage ausgereicht hätten. "Es haben sich bei den Ermittlungen allerdings auch keine Ansatzpunkte hinsichtlich eines anderen Täters ergeben", erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen auf TV-Nachfrage. Die Ermittlungsverfahren zu den elf Bränden seien daher eingestellt worden.