Binnenschiffer sind ohne Aufträge

Viele Mosel-Anrainer werden es bereits bemerkt haben: Es sind immer weniger Frachtschiffe auf der Mosel unterwegs. Wegen der Wirtschaftskrise fehlen den Binnenschiffern die Aufträge.

Bernkastel-Wittlich. (awa) Der Güterverkehr auf der Mosel ist massiv eingebrochen. "Die Stagnation, die wir bereits im April registriert haben, hat sich fortgesetzt", sagt Tobias Schmidt, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Koblenz.

"Mit dem Güterverkehr auf der Mosel war es lange Jahre nicht mehr so schlimm wie jetzt", bilanziert der Schifffahrtsexperte. Während im Jahr 2007 etwa 11,5 Millionen Tonnen Güter die Koblenzer Schleuse passierten, im Jahr 2008 zwölf Millionen, waren es in diesem Jahr bis einschließlich September 8,7 Millionen Tonnen. Die Werte der Vorjahre werden nach Einschätzung von Schmidt sicher nicht mehr erreicht. "Wir haben jeden Monat rund ein Viertel weniger Transport. Das zieht sich durch das gesamte Jahr", stellt er fest.

Moselaufwärts werden überwiegend Steinkohle, Braunkohle und Koks transportiert. Diese Güter sind um 25 Prozent zurückgegangen. Erze und Metallabfälle haben sich sogar um die Hälfte im Vergleich zu den Vorjahren reduziert.

Moselabwärts transportieren die Güterschiffe überwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse. Dieser Bereich ist nach Angabe von Schmidt konstant geblieben. Bei den Gütern Eisen und Stahl stellt das WSA einen Einbruch von etwa einem Drittel fest. Schuld an der Misere ist die Wirtschaftskrise, von der auch die Hüttenindustrie an der Saar und in Lothringen betroffen ist. Hans-Egon Schwarz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt und Mitglied im Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt, sagt: "Ich vermute, dass die Hüttenindustrie rund 50 Prozent Rückgang hat. Unsere Auftragslage ist deswegen extrem belastet." Häufig müssen die Schiffseigner an Saar und Mosel ein bis zwei Tage auf Anschlussladungen warten, sodass die Abläufe stark gestört sind. Hinzu kommt, dass wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein die Schiffe weniger transportieren können. Tobias Schmidt vom WSA: "Im August haben wir erst gedacht, dass ein Aufschwung kommt, weil viele Kohleschiffe über die Mosel fuhren. Doch durch die massive Trockenheit und das Niedrigwasser auf dem Rhein mussten die Frachter ihre Lademenge verringern. Im Grunde lassen die Niedrigwasserstände einen Aufschwung derzeit nicht zu."

Da 2008 ein äußerst gutes Jahr für den Frachtverkehr in der Binnenschifffahrt war, gab es nach Angabe von Hans-Egon Schwarz eine regelrechte Neubauwelle an Schiffen. Die Folge davon ist jetzt zu spüren: Es gibt ein Überangebot an Schiffen. Wann sich die Lage ändern wird, möchte Schwarz nicht prognostizieren.

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