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Body-Cams, Videoüberwachung und 100 zusätzliche Polizisten: So soll die Fastnacht in Trier sicherer werden

(Trier) Mit Body-Cams und fest installierten Videogeräten will die Trierer Polizei an Weiberfasching und Rosenmontag die Trierer Innenstadt überwachen. Außerdem will sie die Zahl der eingesetzten Beamten in der Stadt verdoppeln. Auch im Umland soll die Präsenz der Polizei deutlich verstärkt werden.

27.01.2016
Christiane Wolff
Per Videoüberwachung soll an Karneval in Trier für Sicherheit gesorgt werden. Die Kameras liefern nicht nur – wie bei den Videoüberwachungen während der Heilig-Rock-Wallfahrt – Live-Bilder ins Polizeipräsidium. Erstmals werden die Bilder auch aufgezeichnet und eine Woche lang abgespeichert. Die Polizei verspricht sich davon, mögliche Straftaten im Nachhinein besser aufklären zu können.
 
„Insgesamt gehen wir allerdings nicht von einer erhöhten Gefahrenlage aus“, betonte Polizeipräsident Lothar Schömann bei einer Pressekonferenz am Mittwochmittag. So gebe es keine „konkreten Gefährdungserkenntnisse“ hinsichtlich terroristischer Straftaten, noch rechne die Trierer Polizei damit, dass Phänomene, wie es sie in der Silvesternacht in Köln gab, in Trier passieren könnten. „Trotzdem treffen wir Vorsorge, wir wollen, dass die Menschen sich sicher fühlen und unbeschwert feiern können und werden alles dafür tun, dass die Traditionsveranstaltung ungestört stattfinden kann.“

Für eine vollständig kriminalitätsfreie Faschingszeit könne die Polizei trotz aller Sicherheitsvorkehrungen allerdings nicht garantieren. „Alljährlich gab es in der Vergangenheit über Karneval eine Menge an Straftaten in Trier, insbesondere in Verbindung mit Alkohol“, betonte Franz Dieter Ankner, stellvertretender Polizeichef des Trierer Präsidiums.
 
Auch, wenn die Terrorgefahr in Trier laut Ankner lediglich „latent und abstrakt“ sei und auch die aktuelle Flüchtlingslage in Trier nicht dafür spreche, dass mit sexuellen Übergriffen ähnlich wie auf der Kölner Domplatte gerechnet werden müsse, hat die Polizei ihr üblicherweise ohnehin schon starkes Aufgebot an Karneval in diesem Jahr noch einmal aufgestockt:
 
Mit je 200 Polizisten wird die Zahl der Sicherheitskräfte im Einsatz an Weiberdonnerstag und an Rosenmontag im Vergleich zu den Vorjahren verdoppelt. „Auch in den Gemeinden im Umland werden wir bei den größeren Veranstaltungen und an den neuralgischen Punkten mit etwa doppelt so vielen Beamten unterwegs sein wie in der Vergangenheit“, sagte Schömann. Die Polizei wird dabei in Uniform und Zivil unterwegs sein.
 
20 Beamte werden mit so genannten Body-Cams ausgerüstet werden. Diese kleinen Filmkameras sind fest an der Uniform der Polizisten angebracht und sollen bei Einsatzsituationen eingeschaltet werden.
 
Fest installierte Kameras, die ganze Plätze und Straßenzüge überwachen sollen, werden in Trier und in Wittlich installiert. In Trier an der Trevirispassage, am Bahnhofsvorplatz und am Hauptmarkt, in Wittlich in der Karrstraße. In Trier sind an Weiberdonnerstag und am Rosenmontag außerdem mobile Kamerateams der Polizei unterwegs, insbesondere auf dem Kornmarkt und im Umfeld der Berufsbildenden Schulen, wo an Weiberfastnacht eine Party stattfindet. „Dort ist durchaus mit Alkoholexzessen und den Folgen daraus zu rechnen“, sagte Ankner beim Pressegespräch.
 
In Trier wird an den Straßenkarnevalstagen außerdem das mobile Sicherheitsmobil am Hauptmarkt stationiert, in dem Bürger Ansprechpartner finden und gegebenenfalls direkt Strafanzeigen aufgeben können.
 
Auch der Innendienst der Trierer Polizei wird über Karneval aufgestockt: Nicht nur die Opferschutzbeauftragte ist an Weiberdonnerstag und Rosenmontag als direkte Ansprechpartnerin im Dienst, auch das für Sexualdelikte zuständige Kommissariat 2 ist voll besetzt.
 
Das Sicherheitskonzept der Polizei ist eng verzahnt mit den Vorkehrungen, die die Stadt und die umliegenden Landkreise treffen, und den Einsatzplänen von Rettungsdiensten und Feuerwehren. „Alle 12 Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes sind im Dienst“, sagte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe beim Pressegespräch. Außerdem sei das Jugendamt besetzt. „Ich sehe den Karnevalstagen optimistisch entgegen und bin überzeugt, dass die Bürger sich angesichts des Sicherheitskonzepts der Polizei sicher fühlen können“, sagte Leibe. „Fest steht, dass wir weder in der Stadt noch im Landkreis irgendeine Art von Bürgerwehr benötigen, die meint, sich einschalten zu müssen“, betonte Leibe.
 
„Das eigentliche Sicherheitsrisiko ist der Alkohol“, sagte Polizeipräsident Schömann, der zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Droge aufrief. 2012 war es in Trier zu einem wahren Alkoholexzess gekommen: Etliche Jugendliche, die sich bis zur Bewusstlosigkeit betrunken hatten, mussten in Krankenhäusern notfallärztlich behandelt werden. Triers Sozialdezernentin Angelika Birk sagte später, es sei reines Glück gewesen, dass es keinen alkoholbedingten Todesfall gegeben habe. Der Trierer Stadtrat beschloss daraufhin für 2013 und 2014 Alkoholverbote an Weiberfasching und Rosenmontag auf öffentlichen Straßen und Plätzen der Trierer Innenstadt. 2015 kippte der Stadtrat – gegen den Willen des Stadtvorstands – das strikte Alkoholverbot. Ein neuerlicher Exzess blieb vergangenes Jahr aus. Auch für diese Session gilt kein Alkoholverbot in der City.

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