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CDU-Vorstoß zum Parken am Stadion: Ab auf die Radwege

Prominente Ex-Fußballer wünschen sich Flexibilität von der Stadt bei der Ausweisung von Parkflächen Stadtratsfraktion setzt auf Ausnahmeregelung bei Heimspielen von Eintracht Trier - Verein setzt bei Topspielen Busse ein

(Trier) Die Fan-Initiative "Pro Parken am Moselstadion" schafft es mit ihrem Anliegen überraschend in den Trierer Stadtrat. Die CDU-Fraktion beantragt, das Parken auf Radwegen in Stadionnähe stundenweise zu erlauben. Eine Reihe von prominenten Eintrachtlern unterstützt die Initiative und kritisiert das Vorgehen der Stadt.

20.09.2011
Marcus Hormes
Fred Thömmes gibt nicht auf. Der Urheber der Fan-Initiative "Pro Parken am Stadion" hält auch fast ein Jahr nach dem Start seines Kampfs am großen Ziel fest: Während der Heimspiele von Fußball-Regionalligist Eintracht Trier sollen Zuschauer auf den Radwegen entlang der Zurmaiener Straße parken dürfen.
Genau das hatte die Stadtverwaltung jahrzehntelang geduldet, bis sie dort erstmals "Knöllchen" verteilte. Seitdem kontrolliert das Straßenverkehrsamt aus dem Dezernat von Simone Kaes-Torchiani (CDU) häufig die Flächen.
Die CDU-Fraktion will den Stadionbesuchern entgegen kommen und stellt folgenden Antrag für die Ratssitzung am 29. September: "Die Verwaltung wird aufgefordert, dem Radverkehr gewidmete Verkehrsflächen im Bereich des Moselstadions bei Heimspielen der ersten Mannschaft von Eintracht Trier auf Antrag für andere Zwecke (Parken für drei bis vier Stunden) zuzulassen." Die Straßenverkehrsordnung biete diese Möglichkeit (Paragraf 46), von der die Stadt bei regelmäßigen Veranstaltungen schon Gebrauch mache.
Zudem verlaufe parallel der Fernradweg an der Mosel. "Der Verein ist für die Stadt nicht nur ein Aushängeschild und Sympathieträger, sondern erfüllt gerade im Bereich der Jugendarbeit ein besonders großes ehrenamtliches, soziales Engagement", begründet Fraktionschef Ulrich Dempfle den Antrag.
Dieser Vorstoß ist Wasser auf die Mühlen von Fred Thömmes: "Komfort und Service spielen auch bei Besuchern von Sportveranstaltungen eine wichtige Rolle und entscheiden über deren Kommen." Doch auch durch eine Sammlung mit 2300 Unterschriften ließ sich der Stadtvorstand bisher nicht von seiner Linie abbringen.
"Das Moselstadion wurde in einer Zeit gebaut, in der der Grad der heutigen Motorisierung nicht absehbar war", stellt Oberbürgermeister Klaus Jensen fest. Die Stadt müsse gegen ordnungswidriges Parken vorgehen, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet oder beeinträchtigt werden. Als Option bleibe der Öffentliche Personennahverkehr.
Park and ride gibt es aus Kostengründen bisher nur bei DFB-Pokalspielen. Gegen St. Pauli nutzten 1000 von 8500 Besuchern das Angebot. "Das war nicht ganz zufriedenstellend. Die Zuschauer sollten es auch wirklich annehmen", appelliert Eintracht-Vorstand Ernst Wilhelmi.
Den Service wird es beim Zweitrundenspiel gegen den Hamburger SV (25. Oktober) und beim Ligaspiel gegen Rot-Weiß Essen (29. Oktober) geben, das wegen der Kartenkombination ebenfalls ausverkauft sein wird. Auch beim Derby gegen TuS Koblenz und weiteren Topspielen will der Verein mit Unterstützung der Stadtwerke Trier womöglich Park and ride anbieten.
Dem Stadtvorstand lag der CDU-Antrag gestern noch nicht vor, sodass noch keine Stellungnahme zu erhalten war.

Eintracht-Legenden geben Rückendeckung

 

Klaus Toppmöller (Ex-Eintracht-Spieler, Ex-Nationalspieler): "Ich finde es sehr schade, dass die Stadt einem großen Verein wie der Eintracht Knüppel zwischen die Beine wirft.
Jeder Zuschauer ist für einen solchen Klub wichtig. Wenn aber niemand so richtig weiß, wo er parken soll, bleibt er im Zweifelsfall nicht selten zu Hause."

Horst Brand (Ex-Spieler, -Trainer, -Vorstandsmitglied): "Man sollte mal in Saarbrücken schauen, was da rund um ein Fußballspiel los ist.
Da parken die Leute sogar auf Verkehrsinseln und in unmittelbarer Nähe zur Stadtautobahn - und keiner sagt was."

Rudi Thömmes (Eintracht-Pokallegende): "Wenn wir hier noch mal fußballerisch auf die Dauer etwas erreichen wollen, müssen wir an einem Strang ziehen."

Klaus Müller (Ehrenspielführer): "Das, was sich momentan rund ums Moselstadion abspielt, wäre zu Fritz Walters Zeiten nie und nimmer passiert.
Da herrschte ein Klima der Aufrichtigkeit und Fairness."

Paul Pidancet (Ex-Spieler): "Zu meiner Zeit vor mehr als 40 Jahren hat sich die Stadt mit der Eintracht noch solidarisch erklärt. Davon ist sie jetzt meilenweit entfernt."

Günter Geulich (Ex-Spieler und Trainer: "Aus meiner Sicht fehlt den Entscheidungsträgern jegliche Flexibilität hinsichtlich der Parksituation bei Heimspielen der Eintracht.
Wo liegt eigentlich das Problem, wenn alle zwei Wochen das Parkverbot entlang der Zurmaiener Straße aufgehoben würde? Zumal der Moselradweg doch parallel verläuft und ohnehin intensiver genutzt wird."
Meinung
Jeder leistet seinen Beitrag

Das Durchhaltevermögen der Fan-Initiative "Pro Parken am Moselstadion" könnte doch noch belohnt werden. Damit würde eine Farce beendet, die schon fast ein Jahr dauert. Ohne Not steckt die Verwaltung viel Energie in Kontrollen statt die naheliegende Lösung einer zeitweisen Legalisierung zu ergreifen. Damit käme sie ihrer Pflicht nach, Besuchern ihrer Sportanlage zumindest die wenigen überhaupt machbaren Parkmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Eintracht wiederum leistet ihren Beitrag mit Park and ride, so weit wirtschaftlich vertretbar. Es ist nie zu spät, Situationen neu zu bewerten und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Radfahrer können zeitweise den Radweg an der Mosel nutzen. Der Weg an der Zurmaiener Straße ist wegen Polizeifahrzeugen oft ohnehin nicht durchgängig befahrbar. Das nimmt die Stadt selbstverständlich hin. m.hormes@volksfreund.de 

Extra: Rechtslage
Rechtsanwalt Roderich Schmitz: "Die Stadt Trier könnte im Zusammenhang mit Veranstaltungen im Moselstadion die Widmung der Flächen als Radweg außer Kraft setzen und die Gesamtfläche durch die vorübergehende Anbringung eines Verkehrszeichens 315 zum Parken auf Gehwegen freigeben. Das liegt im freien Ermessen der Stadt Trier." Auch Rechtsanwalt Markus Philipp Förster und Notar a.D. Michael König verweisen auf den Ermessenspielraum.