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Dämmen alleine reicht nicht

(Trier) Die Messe Öko 2017 hat am Wochenende in Trier über den Stand der Technik bei Sanierung oder Neubau informiert. Experten hatten dort auch Tipps für den kleinen Geldbeutel parat.

13.02.2017
Martin Recktenwald
Trier Das Stichwort "Öko" ist beim Bauen schon lange kein Geheimtipp mehr für Idealisten: Energieeffizienz, Schallschutz und Co. stoßen auf breites Interesse in der Bevölkerung. Belegt hat dies der rege Besucherandrang auf der Messe "Öko 2017: Bauen und Sanieren": An allen drei Tagen zählten die Veranstalter rund 14 000 Gäste in der Halle und den Zelten am Messepark Trier.
Fenster, Treppen, Heizöfen, Putze - zu entdecken gab es nahezu sämtliche Teile, die in einem Haus verbaut werden können. Und zumeist mit einem Kniff versehen, der sie besser macht als Vorgängermodelle früherer Jahre. Nicht immer braucht es dafür hochmoderne Elektronik: Zum Beispiel kann man ein Fenster so konstruieren, dass es nach außen statt nach innen aufgeht. "In Skandinavien und Norddeutschland baut man schon lange so. Je stärker der Wind bläst, desto dichter wird das Fenster, weil es von außen angedrückt wird", erklärte Gunther Glöckner von "Glöckner Naturbaustoffe" den Vorteil bei dieser Idee. Angenehmer Nebeneffekt: Die Fensterbank muss zum Lüften nicht mehr freigeräumt werden. Die "Nach-Außen-Fenster" gibt’s von klassischer Holzgitter-Optik bis zur technisch-modernen Variante mit Vollplatte aus Sicherheitsglas.
Solartechnik und Kaminen galt das vornehmliche Interesse von Familie Musehold aus Schoden (Verbandsgemeinde Saarburg). Für die Kinder war allerdings der Stand mit den Dachschindeln noch spannender. Mit gekonnten Hammerschlägen formte dort Marco Gläser von "Öko Bau Haus" aus Schieferplättchen kleine Muster und Figuren: ein Herz für Lotti und ein Glücksschweinchen für Jona. "Das lernt man in den ersten Wochen der Dachdecker-Ausbildung", beantwortete Azubi Gläser eine entsprechende Frage von Mutter Maike Musehold. Nebenan erläuterten seine Kollegen derweil einem anderen Besucher die Vorzüge der Kanada-Schindel: Die ist nämlich aus Aluminium und deshalb leichter und langlebiger als ein Schiefer-Modell. Besonders interessant ist das bei der Sanierung alter Häuser, wenn die in den vergangenen Jahren verschärften Bauvorschriften zur Traglast von Dachstühlen eine erneute Eindeckung mit schweren Steinplatten gar nicht mehr zulassen. Nur ein Beispiel für die unzähligen Fallstricke bei Altbauten.
Bernhard Becker zeigte einige weitere in seinem Vortrag "Altbausanierung, Abriss oder Neubau? Mit staatlicher Förderung oder ohne? Was macht Sinn?" auf. In seinem Ingenieurbüro für Technische Gebäudeausrüstung (TGA), Energie- und Umweltmanagement durchleuchtet man gezielt Häuser auf Schwachstellen. "Einfach nur zusätzliche Dämmung einbauen - das funktioniert gerade bei einem Altbau nicht", räumte er mit einer immer noch verbreiteten Ansicht auf. Rüstet man beispielsweise Fenster nach, so sind die am Ende dichter als die umgebenden Wände: "Sie verschieben dann die Wärmebrücken und riskieren, Feuchtigkeit ins Mauerwerk zu ziehen."
Außerdem setze eine staatliche Förderung durch Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) voraus, dass Baumaßnahmen tatsächlich die Gesamt-Energieeffizienz des Gebäudes verbessern. Und hier gehe es unter Umständen um Zehntausende Euro.
Aber auch schon mit Cent-Beträgen könne man einiges erreichen. So verhindern spezielle Isolierungen für Steckdosen und Schalter, dass Wärme unnötig durch diese Schlupflöcher entweicht. "Die Tendenz geht klar in die Richtung, dass der Marktwert von Häusern sich immer stärker am Energieverbrauch orientiert", riet der Experte zur Beschäftigung mit dem zwar komplexen aber lohnenden Thema.