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Der schwarz-humorige Afghane

Beim zehnten Master-Comedy-Slam witzeln acht Künstler vor 600 Zuschauern in der Mensa der Hochschule Trier

(Trier) Zum zehnten Mal sind die Einzelsieger eines ganzen Comedy-Slam-Jahres zum großen Abschlussturnier angetreten. Sie wetteiferten um die Gunst des Publikums und damit um den Gewinn des Constantin-Comedy-Preises. Das Publikum hatte viel zu lachen - auch über sich selbst.

13.04.2014
Frank Göbel
Trier. Wenn es beim zehnten Master-Comedy-Slam in der Mensa der Hochschule Trier einen Running-Gag gibt, dann sind das Flaschen. Denn egal wer gerade auf der Bühne steht, vom manisch-nuscheligen Wuschelkopf Friedemann Weise ("Ich hab' gerade meinen ersten Porno gesehen. Mann, sah ich da noch jung aus!") bis zum souverän-unverschämten Paco Erhard ("Die Ortsschilder auf dem Weg hierhin: Kordel, Hohensonne, Welschbillig. Okay, habe ich gedacht, wann bin ich denn endlich in Mittelerde?") - allen acht Anwärtern auf den Constantin-Comedy-Preis fährt mitten durch ihren Zehn-Minuten-Vortrag früher oder später der Höllenlärm, der entsteht, wenn auf dem gekachelten Hallenboden eine Bierflasche umfällt - oder gleich ein paar mehr.
 

Klirr-Kaskade bei Kawusi


Als Faisal Kawusi irgendwann von einer ganzen Klirr-Kaskade unterbrochen wird, vermutet er: "Irgendwer macht das mit Absicht." Der Mann mit afghanischen Wurzeln weiß auch wer: "Der Jude ist schuld!" Und zielt damit zum wiederholten Male auf seinen Vorgänger Tano Bokämper ab, der sich selbst als "Halbjude" bezeichnet hatte ("Ich bin auch nur halb beschnitten.").
Zum Glück hat sich auch auf deutschen Bühnen eine Erkenntnis durchgesetzt, die im angelsächsischen Lachraum schon lange gilt: Auch Schwule, Behinderte und andere Minderheiten haben ein Recht darauf, verarscht zu werden. Comedians wie Friedemann Weise ziehen aus der Unkorrektheit einige heftige Pointen ("Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs - ein schöner Satz, wenn man ihn beim Scrabble sagen kann!"), nehmen aber auch gerne sich selbst aufs Korn oder verspotten einfach das vor ihnen sitzende Publikum, allerdings eher auf die sanfte Tour - die Vortragenden werden ja ihrerseits auch geschont: "Respect the Artist!", gibt der Moderator und Gründungsvater des Comedy-Slams, Peter Stablo, nämlich als wichtigste Grundregel vor:
Das Publikum soll aufmerksam sein und mit Applaus nicht geizen. Außerdem gibt\'s keine Buh-Rufe und, sowieso, keine Bloßstellung der Künstler durch eine Jury: Am Ende wählt das Publikum in drei Durchgängen seinen Favoriten. Den 500 Euro schweren Constantin-Comedy-Preis erhält schließlich der schwarz-humorige Afghane Faisal Kawusi, der es lustig findet, dass sein Vater sich beim Schimpfen immer selbst beleidigt ("Du Sohn von Hund!").
Organisator Stablo, der mit seinen 16 Mitstreitern den Comedy-Slam zu einem bundesweit etablierten Format gemacht hat, ist restlos zufrieden: "Das war ein toller Abend - dank der vielen Kameras kam man sich bei der Preisverleihung vor wie bei den Oscars."
Weniger zufrieden gibt sich Friedemann Weise: Er macht hinter dem korpulenten Kawusi "nur" den zweiten Platz und blafft das Publikum an: "Habt Ihr etwa nach Gewicht gestimmt?