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Die Kapuzinerinnen verlassen die Stadt - Kloster St. Clara auf dem Petrisberg in Trier wird aufgelöst

(Trier) Ein weiterer Orden hat seinen Rückzug aus Trier angekündigt. Nach knapp 100 Jahren wird das Kloster der Klarissen-Kapuzinerinnen aufgegeben. Wann die zehn Schwestern ihr Domizil hoch über Stadt mit herrlicher Aussicht und begehrter Wohnlage räumen, wird in Rom entschieden.

10.02.2016
Harald Jansen
Trier. Es sind nur wenige Meter. Und trotzdem scheint es so, als ob Welten dazwischenliegen: Der Aussichtspunkt an der Sickingenstraße oberhalb des Amphitheaters ist ein beliebter Anziehungspunkt für Reisegruppen, Liebespaare und andere Menschen, die den Blick auf die Stadt genießen wollen. Nur wenige Meter davon leben hinter einer hohen Mauer zehn Schwestern vom Orden der Klarissen-Kapuzinerinnen in strenger Klausur (siehe Extra). Vermutlich noch in diesem Jahr werden sie Trier verlassen.

Äbtissin Schwester Maria Benedikta Fuchs sagt: "Die Entscheidung, das Kloster St. Clara aufzugeben, kommt nicht aus einem Zwang heraus; wir haben sie gemeinschaftlich und aus freien Stücken getroffen." Schon länger habe die Gemeinschaft gespürt, dass sie das "Ordensleben in der jetzigen Form nicht mehr aufrechterhalten kann."

Schweigen und beten


Anders als beispielsweise die in der Alten- und Krankenpflege aktiven Borromäerinnen oder Barmherzigen Brüder wird das Klosterleben vor allem durch die Klausur, das Schweigen und Beten bestimmt.

Die Klarissen-Kapuzinerinnen bauen eigenes Obst und Gemüse an und profitieren von Geld- und Sachspenden.
Da die Gemeinschaft ein Orden päpstlichen Rechts ist, wird im Vatikan entschieden, ob und wie es mit dem Kloster weitergeht. "Wir haben daher unsere Pläne - in Abstimmung mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann - nach Rom gemeldet und warten derzeit auf eine Rückmeldung", sagt die Äbtissin. "Wir gehen aber davon aus, dass unseren Plänen zugestimmt wird und wir noch in diesem Jahr umziehen können."

Die neue Heimat der Trierer Schwestern soll Mainz werden. Die fünf dort lebenden Klarissen-Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung haben angeboten, die zehn Trierer Schwestern im Alter zwischen 42 und 86 aufzunehmen. Äbtissin Schwester Maria Benedikta Fuchs: "Mit diesem Angebot ist beiden Klöstern geholfen."
Wie es mit dem Gebäude und dem Gelände auf dem Petrisberg weitergehen soll, ist derzeit noch nicht entschieden. Das Gelände ist rund zwei Hektar groß und umfasst neben dem eigentlichen Klostergebäude auch eine Kirche. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das Schwesternaltenheim der Borromäerinnen Haus Maria Frieden und Kloster St. Josef sowie einige repräsentative Wohnhäuser.

Welche mögliche künftige Nutzung des Geländes denkbar ist, ist in Sichtweite des Klosters St. Klara zu sehen. In der Heiligkreuzer Bernhardstraße stand bis 2011 das Kloster der Schwestern des Missionsordens Unserer lieben Frau von Afrika (Weiße Schwestern).
Das Gebäude ist inzwischen einem Neubauprojekt gewichen, bei dem zahlreiche Eigentumswohnungen entstanden sind. Das Interesse an einer ähnlichen Nutzung des St.-Clara-Geländes dürfte auch hoch sein. Alleine wegen der wohl unverbaubaren Aussicht auf die Stadt.
Extra
Zehn Klarissen-Kapuzinerinnen kamen 1920 aus dem niederländischen Vaals nach Trier. Sie bezogen ein Haus am Kiewelsberg im Stadtteil Heiligkreuz. 1930 zog die Gemeinschaft in das heutige Klostergebäude auf dem Petersberg um. Lebten 1959 noch 33 Schwestern dort, hat sich die Zahl im Laufe der Jahre verringert. Im Jahr 2000 gehörten zwölf Schwestern der Gemeinschaft an. Aktuell sind es zehn. Der in sich gekehrte (kontemplative) Zweig der Klarissen-Kapuzinerinnen ging aus der franziskanischen Reformbewegung hervor. har

 

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