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Ehranger Klinik: Neuer Chefarzt schon gefeuert

Marienhaus-Gynäkologie: Querelen in der Führungsetage

(Trier) Im Trier-Ehranger Marienkrankenhaus dreht sich abermals das Personalkarussell: Kaum da, ist der neue Gynäkologie-Chefarzt auch schon wieder weg - gefeuert. In der Gerüchteküche brodelt es, während die Klinikverantwortlichen einen Nachfolger suchen.

05.05.2011
Rolf Seydewitz und Katja Bernardy
Trier. Für übernächsten Sonntag hat das Ehranger Marienkrankenhaus zu einem Tag der offenen Tür in seine Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung eingeladen. Ein Termin, den sich viele werdende Eltern nicht entgehen lassen werden. Denn vor allem in punkto Geburtshilfe hat das inzwischen mit dem Trierer Elisabeth-Krankenhaus zum Ökumenischen Verbundkrankenhaus (ÖVK) fusionierte Ehranger Krankenhaus einen ausgezeichneten Ruf. Oder muss man sagen, hatte einen guten Ruf? Fest steht: Die jüngsten Personalkapriolen sind jedenfalls keine Werbung für die "Ehranger Gyn".
Was ist passiert? Nicht einmal sechs Monate nach seiner öffentlichkeitswirksamen Inthronisation ist der Gynäkologie-Chefarzt Dr. Rainer Westermann bereits Geschichte. Der 52-Jährige wurde mit Ablauf seiner Probezeit gefeuert, sagen Klinik-Insider. Der Betroffene selbst und die Krankenhaus-Verantwortlichen drücken sich vornehmer aus. "Wir haben, was meine Erwartungshaltung und die Gegebenheiten in der Klinik anging, nicht harmoniert", sagt Dr. Westermann. "Die Wege haben sich getrennt", sagt der Sprecher des ÖVK-Mehrheitseigners Marienhaus GmbH, Herbert Frieling.
Einer der Vorwürfe, den die Klinikleitung dem geschassten Chefarzt gemacht haben soll: Er sei zu engagiert gewesen, habe mit seinen Aktivitäten unter anderem die Trierer Klinik-Konkurrenz Mutterhaus verärgert. Außerdem habe es Spannungen im Kollegenkreis gegeben. Mit der fachlichen Kompetenz Westermanns soll der Rauswurf jedenfalls nichts zu tun haben.
Marienhaus-Sprecher Herbert Frieling will sich zu den Gründen nicht äußern; der geschasste Chefarzt und gebürtige Schweicher sagt nur: "Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich mit Sicherheit nicht aus Wertheim zurück in die Region gekommen." Dr. Rainer Westermann sucht jetzt einen neuen Job und das Ehranger Marienkrankenhaus einen neuen Chefarzt. In diesem Punkt hat die Klinikleitung Übung. Denn erst vor einem guten Jahr wechselte ausgerechnet das Ehranger Aushängeschild, Chef-Gynäkologe Dr. Wolfgang Günther, vom Marienkrankenhaus zum deutlich größeren Mutterhaus. Mit der Verpflichtung des renommierten Dr. Rainer Westermann schien ein guter Nachfolger für Günther gefunden. Eine Hoffnung, die trog.
Absehbar war dagegen, dass es nach dem Westermann-Rauswurf in der Gerüchteküche zu brodeln beginnen würde. Die Vermutung: Nach der inzwischen besiegelten Fusion von Marienkrankenhaus und Elisabeth-Krankenhaus wird an einem Standort nun doch die Gynäkologie geschlossen - in Ehrang. "Unsinn", meint Marienhaus-Sprecher Herbert Frieling. Die Suche nach dem Westermann-Nachfolger laufe schon auf Hochtouren, erste Gespräche würden noch im Mai geführt. Bis ein neuer Chefarzt gefunden ist, leitet der Chef-Gynäkologe Dr. Franz-Rudolf Jerono des Bitburger Krankenhauses (gehört ebenfalls zur Marienhaus GmbH) kommissarisch auch die Ehranger Abteilung. "Niemand muss sich sorgen", sagt Frieling, "alle ärztlichen Dienste sind besetzt."

 

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